Ein Spaziergang durch Ostende - Hafenstadt und Kulturtempel

Bunker Atlantikwall - Träupmann
Bunker Atlantikwall - Träupmann
Ostende ist eine Reise wert. Ob Shoppen in der City, Natur pur oder ein Besuch im Museum, für jeden Touristen hält die Nordsee-Stadt eine Attraktion bereit

Ostende – ein Spaziergang durch Belgiens größte Küstenstadt

Gute verkehrstechnische Anbindung

Ostende ist mit rund 70000 Einwohnern die größte Stadt an der Küste Belgiens. Als Hafenstadt und Seebad, Kulturmetropole und Gourmettempel ist die westflandrischeStadt mittlerweile weit über ihre Grenzen hinaus bekannt. Auch hat sie ihre Bedeutung als Verkehrsknotenpunkt (Auto, Schiene, Schiff, Flugzeug). So ist sie nicht nur mit dem Zug gut zu erreichen, auch per Auto ist Ostende über die Autobahnen E40-A10 und E40-A18 leicht anzufahren. Und wenn es in einen der anderen Küstenorte weitergehen soll, liegt der Bahnhof günstig, da er sich im Zentrum befindet. Von dort kann man problemlos in die Küstenstraßenbahn umsteigen und Richtung De Panne (französische Grenze) oder Richtung Knokke (Niederlande) fahren.

Ostende saniert sich

Mondän-modern ist der erste Eindruck, den der Besucher erhält. Als einzige Stadt an der belgischen Küste weist sie, im Unterschied zu allen anderen Küstenstädten, kaum historische Gebäude und Viertel auf. Waren bis vor einigen Jahren noch manche Gebäude und Straßen ziemlich marode, so hat sich dies in den vergangenen Jahren verändert. Nicht nur die kilometerlange Strandpromenade mit ihren fünf Badestränden wurde verbessert. Auch Prestigeobjekte wie Ostendes Kursaal wurden saniert, im Fest- und Kulturpalast (das ehemalige Museum für die schönen Künste) wurde eine Einkaufspassage mit 17 Läden eingerichtet.

Nach dem Shoppen die Erholung

Wer Ostende noch nicht kennt, sollte es nachholen. Die Stadt hat viel zu bieten. Zum einen ist die Atmosphäre kosmopolitisch, da viele Engländer, Franzosen und Deutsche in den Straßen anzutreffen sind. Zum anderen ist das kulturelle Angebot umfassend und vielseitig. Wer allerdings lieber die Natur genießen möchte, kann einen der Parks durchstreifen. Ob der japanische Garten im Koningspark, der Leopoldpark mit Ostendes Wahrzeichen, der Blumenuhr, oder Maria Hendrikapark – überall dort findet man Ruhe, Stille und Entspannung mitten in der Stadt. Parks wie der Maria Hendrikapark bieten zusätzlich Ecken für Spiel und Sport von Jung und Alt an. Hat man sich ein wenig erholt, kann es mit der Erkundung der Stadt losgehen. Und da gibt es so einiges zu sehen.

Maritime Sehenswürdigkeiten: Mercator: Verlässt man das Bahnhofsgebäude und spaziert rechter Hand Richtung Innenstadt passiert man zunächst einmal den Jachthafen. Neben zahlreichen teuren Booten, von Katamaranen bis zum Mehrmaster, sieht man dort auch die Mercator vor Anker liegen. Sie ist ein imposanter Dreimaster. 1961 in ein Museum umgewandelt, stand sie zuvor 30 Jahre lang als Ausbildungsschiff im Dienst der Marine. Neben den Erläuterungen zur Ausbildung eines künftigen Marinesoldaten, sind dort auch Fotos der wissenschaftlichen Expedition zu den Osterinseln im Jahre 1934 zu sehen.

Nordsee-Aquarium: Vor allem für Kinder lehrreich und interessant ist ein Blick in die Unterwasserwelt, den man beim Besuch des Nordsee-Aquariums am Ende des Visserskai werfen kann. In 13 Aquarien sieht man um die 60 verschiedenen Arten von Fischen, Muscheln, Weichtieren, Krebsen, Seeanemonen, Langusten, gemeinen Miesmuscheln, kleinen Petermännchen, Stichlingen und Taschenkrebsen.

Kulturelles Angebot: Das Ensor-Haus: Schlendert man anschließend den Visserskai, die Kust Fietsroute und dann links die Langstraat entlang, gelangt der Besucher in die Vlaanderenstraat. Die Nummer 27 beherbergt das frühere Wohn- und Atelierhaus des Malers James Ensor (1860-1949). Stolz sind die Ostender auf ihren berühmten Sohn, der zeitlebens in seiner Heimatstadt wohnte und seine Umgebung um 1900 in seinen Gemälden festgehalten hat. Bekannt wurde er als Maler der Masken und Vorläufer des belgischen Expressionismus. Mit dem Salon-Atelier und dem zahlreichem Nippes wird die Atmosphäre der Belle Epoque in der Vlaanderenstraat bnoch einmal deutlich.

Mu.Zee: Ein Fußmarsch von der Vlaanderenstraat quer durch die City Richtung Leopoldpark zur Leon Spillaertstraat – schon steht man vor einem der bekanntesten Museen Belgiens, dem „Kunstmuseum aan Zee“, kurz: Mu.Zee, in der Romestraat. Schon die Fassade des Gebäudes ist ein interessantes Beispiel moderner Architektur. Nach dem Zweiten Weltkrieg errichtet, diente es zunächst als Supermarkt. Heute ist es eines der schönsten Museen Belgiens, nachdem dort auch das „Museum für die schönen Künste“ untergebracht wurde. Werke namhafter flämischer Künstler des Expressionismus wie zum Beispiel Leon Spillaert, René Magritte, Guy van Boss, Paul Delvaux, James Ensor und Jan Fabre sind dort zu bewundern.

Spanisches Haus: Vom Kunstmuseum aus führt die Leopold-II-laan zurück in die Fußgängerzone. Auch wenn die meisten Gebäude aus dem vergangenen Jahrhundert stammen, so gibt es doch noch einige wenige historische Juwele. Dazu gehört unter anderem das „Spanische Haus“, ein ehemaliges kleines Arbeiterhaus, in der Christinastraat 67. Die Stadtverwaltung hat das Gebäude aus dem Jahr 1741 restaurieren lassen. Ursprünglich zum Abriss wegen Baufälligkeit freigegeben, wurde es dann doch unter Denkmalschutz gestellt und komplett saniert. Mit gezackten Giebeln, jeweils zwei Fenster in jeder Etage ist es eines der wenigen, in Ostende erhaltenen, Beispiele für den typischen spanischen Baustil.

Sankt Petrus- und Pauluskirche: Der Rundgang durch die Innenstadt endet an der Kathedrale in Bahnhofsnähe. Die Sankt Petrus- und Pauluskirche wurde in neugotischem Stil Anfang des 20. Jahrhunderts von Louis de la Censerie erbaut. Vorbild der 70 Meter hohen Kirche war der Dom in Köln. Der Grundriss des nach Osten ausgerichteten Gebäudes basiert auf dem lateinischen Kreuz, wobei das Mittelschiff höher als die Seitenschiffe ist. Die drei Tore der Vorderfront symbolisieren die Dreifaltigkeit, die Buntglasfenster spiegeln Szenen aus dem Leben der Namenspatrone Peter und Paul wider.

Historische Sehenswürdigkeiten:

Auch wenn Ostende im äußersten Westflandern liegt, so ist die Stadt seit Beginn der Stadtgeschichtsschreibung um 1270 eng mit der europäischen Geschichte verzahnt. Schon Herzog Philipp der Gute von Burgund ließ hier 1445 einen Seehafen anlegen. Seit 1846 gibt es eine Fährverbindung zwischen Ostende und Dover. Die erste völlige Zerstörung musste die Stadt bei der Belagerung durch die Spanier (1601 bis 1604) beim Unabhängigkeitskampf der niederländischen Generalstaaten hinnehmen. Napoleon I eroberte die Region ebenso wie die Deutschen in den beiden ersten Weltkriegen. Schon im ersten Weltkrieg wurden die Prunkbauten der Belle Epoque zerstört. Militärische Überreste der beiden Weltkriege sind in der Domäne Raversijde zu sehen. Um von der Kathedrale dorthin zu gelangen, nimmt man die Küstentram Richtung De Panne. Nach zirka fünf Kilometern, sieht man schon von weitem die aus den Dünen aufragenden Geschütze des Zweiten Weltkrieges.

Geschichte hautnah erleben

Domäne Raversijde: Auf rund 50 Hektar finden sich im Dünengürtel zwischen Ostende und Middelkerke Reste des Atlantikwalls. Als Verteidigungswall benutzten ihn die deutschen Besatzer in den letzten beiden Weltkriegen. In 60 Bauten, unterirdischen Gängen, Mannschaftsbunkern, Kommandozentralen, Sanitätsbunkern und Geschützgräben erlebt der Tourist von heute die Grauen von Gestern hautnah. Fast zweieinhalb Stunden dauert die zeitgeschichtliche Reise in die Kriegszeit.

Während auf der einen Seite der Domäne die Schrecken des 20. Jahrhunderts gezeigt werden, dokumentieren zugleich vier kleine Häuschen auf der anderen Seite des Areals das Leben der Menschen an der Küste um 1500, in einem Dorf namens Walraversijde.

Die Mischung aus Vergangenheit und Gegenwart, Hafen, Seebad, Shoppingmeile, Natur und Kultur macht Ostende zu einer abwechslungsreichen und interessanten Stadt. An jeder Ecke lockt immer etwas Neues.

Tipp:

Wer Museen, Parks und andere Sehenswürdigkeiten besuchen möchte, sollte sich den City Pass Ostende kaufen. Für jeweils einen bis vier Tage zahlen Erwachsene ab 12 € je nach Anzahl der Tage, Kinder ab 4€. Die Eintritte sind dann verbilligt bzw. kostenlos.

Wo ist Was Wann:

Infos zu Konzerten, Ausstellungen, Sport, Opern, Filmen, angesagte oder gängige Restaurants und Bars sind auf der Homepage des städtischen Verkehrsamts zu lesen:

www. toerisme-oostende.be oder www.visitoostende.be (Homepage)

Literaturverzeichnis:

eigene Recherche

Arens, Detlev: Flandern – Das flämische Belgien; Dumont-Kunst-Reiseführer, Köln 2000

Provincie West-Vlaanderen: Küstenschätze 2009

Stadtverwaltung: Ostende: www.oostende.be

Bilder: eigenes Bildarchiv

Susanne Träupmann, S. Träupmann

Susanne Träupmann - Nach einem Studium der Geschichte und Spanisch in Bonn mit anschließendem kurzen Zwischenspiel im Referendariat stieg ich mit ...

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