Ein Streiter für das Recht auf Rauch

Ein amerikanischer Autor bezweifelt die Schädlichkeit des Rauchens

Die Zigarette: Killer oder doch harmlos? - Volker Wollny
Die Zigarette: Killer oder doch harmlos? - Volker Wollny
Lauren A. Colby, ein amerikanischer Anwalt, hat die bekannten Belege für die Schädlichkeit des Rauchens genauer untersucht und ist zu erstaunlichen Ergebnissen gekommen.

In den etablierten Massenmedien und in der Denkwelt vieler Menschen, die ihre Informationen ausschließlich von dort beziehen und auch meist nicht weiter prüfen, gilt es als feststehende Tatsache, dass aktives und passives Rauchen immens schädlich ist und die Lebenserwartung eines Menschen erheblich verkürzt. Die Schädlichkeit des Passivrauchens wird durchaus von dem einen oder anderen bekannteren Wissenschaftler angezweifelt; die des Aktivrauchens jedoch so gut wie nie, und wenn, dann höchstens andeutungsweise. Man kann sich allerdings auch vorstellen, dass ein Wissenschaftler, der noch in irgendeiner Weise Karriere machen möchte, sich hüten wird, in diesem, mittlerweile schier quasireligiösen Punkt vom Mainstream abzuweichen.

Die Schädlichkeit des Rauchens hinterfragt

Schon vor über 200 Jahren meinte der Wissenschaftler Georg Christoph Lichtenberg: „Die gemeinsamste Meinung und was jedermann für ausgemacht hält, verdienen oft am meisten untersucht zu werden.“ Möglicherweise hat Lauren A. Colby ähnlich gedacht, als er sich daran machte, die Studien, Forschungen und Aussagen zur Gefährlichkeit des Rauchens einmal näher zu untersuchen.

Lauren A. Colby ist zwar kein Mediziner, sondern Jurist, aber als solcher ebenfalls ein Wissenschaftler. Die Kompetenz, Quellen auszuwerten, Fakten auf Plausibilität zu prüfen und Statistiken zu lesen, kann man ihm also nicht absprechen. Um so erstaunlicher ist, was er herausgefunden zu haben glaubt und in seinem eBook „In Defense of Smokers“ im Netz veröffentlicht hat.

Eine Studie über Lungenkrebs und Rauchen

Unter anderem betrachtet Colby eine Studie über den Zusammenhang zwischen Lungenkrebs und Rauchen, die Japan und die USA vergleicht und vom amerikanischen National Cancer Institute – also nicht etwa von der Tabakindustrie – in Auftrage gegeben worden war und nicht ganz das erbrachte, was man sich gewünscht hatte.

Während in den USA laut dieser Studie 1955 etwa die Hälfte der Männer und ein Viertel der Frauen rauchte, rauchten in Japan vier Fünftel der Männer und nur etwa ein Achtel der Frauen. In den folgenden Jahrzehnten ging der Zigarettenkonsum bei den japanischen und den amerikanischen Männern zurück und schwankte bei den Japanerinnen sowie den Amerikanerinnen mit leicht positiver Tendenz. Insgesamt rauchten bei den Amerikanern weniger Männer und bei den Japaner weniger Frauen.

Insgesamt gab es in Japan deutlich weniger Lungenkrebs als in den USA: Japanerinnen rauchten weniger als Amerikanerinnen und bekamen auch weniger oft Lungenkrebs. Dummerweise aber bekamen auch die japanischen Männer sehr viel seltener diese Krankheit als ihre amerikanischen Geschlechtsgenossen, obwohl es unter ihnen sehr viel mehr Raucher gab als unter den Amerikanern. Laut Colby versuchten die Urheber der Studie zwar zunächst ein wenig, an ihren eigenen Ergebnissen herumzudeuteln, gaben dann aber dennoch zu, dass die Studie etwas anderes zeigte als erwartet.

Rauchen und Lebenserwartung

In weiteren Kapiteln bezweifelt Lauren A. Colby weitere, scheinbar feststehende Tatsachen und – er kann seine Zweifel durchaus auch durch die Nennung belastbarer Quellen begründen: Rauchen und Herzinfarkt – nach Colbys wohl begründeter Ansicht kein beweisbarer Zusammenhang vorhanden. Nikotin macht süchtig – auch dies ist laut Colby keineswegs erwiesen. Tierversuche, die den Zusammenhang zwischen Rauch und Lungenkrebs bewiesen haben sollen? Hier steht Colby noch nicht einmal alleine, denn auch Tierversuchsgegner berichteten schon, dass gerade auch in diesem Bereich sehr viel manipuliert werde, um die gewünschten Ergebnisse zu erhalten.

Alles in allem kann man Lauren A. Colby nicht so ohne weiteres als Schwätzer abtun, dazu müsste man ihm eine massive Manipulation von Quellen nachweisen. In einem Addendum, das er der Website mit seinem eBook später hinzufügte, nennt er unter anderen einen Fall, der ein bezeichnendes Licht auf die Situation der Wissenschaft wirft: 2005 hatte die Witwe eines Schotten, der an Lungenkrebs gestorben war, einen englischen Tabakhersteller verklagt. Der Richter hörte eine lange Reihe von Experten und wies die Klage schließlich ab: Keiner der Gutachter war in der Lage gewesen, den Zusammenhang zwischen Rauchen und Lungenkrebs schlüssig zu beweisen – obwohl den doch jedes Kind kennt!

In einem anderen Nachtrag stehen schlichte Zahlen, die für sich sprechen: Die durchschnittlichen Lebenserwartungen und Raucheranteile einer ganzen Reihe von Ländern. Da hierin Länder mit sehr hoher Lebenserwartung enthalten sind, in denen es viele Raucher gibt, kann man bestenfalls daraus schließen, dass Rauchen keinerlei Einfluss auf die Lebenserwartung hat. Im schlimmsten Falle könnte ein böswilliger Interpret eventuell sogar folgern, das Rauchen gesund sein müsse, da einige Länder mit einer hohen Lebenserwartung auch einen großen Raucheranteil besitzen.

Ist Rauchen etwa nicht schädlich?

Colby versteigt sich nun aber keineswegs zu der Aussage, das Rauchen generell unschädlich sei. Er vermutet, dass dies individuell verschieden sei, und empfiehlt Leuten, denen das Rauchen nicht gut tut, durchaus, es bleiben zu lassen. Er verdeutlicht dies mit einem Beispiel, das ihn selbst betrifft: In seiner Familie gibt es Diabetiker, so das er davon ausgeht, hier anfällig zu sein. Deswegen halte er sich persönlich mit Zucker zurück, würde aber deswegen nie auf die Idee kommen, Zucker als generell gefährlich zu bezeichnen.

So gut wie die ganze etablierte Wissenschaft vertritt hingegen die These, dass das Rauchen diese und jene Krankheiten verursache, was aber nicht neu ist: Es gab in den USA bereits vor über 90 Jahren eine Kampagne gegen das Rauchen. Colby zeigt auf seiner Website Dokumente aus dieser Zeit, die dem Tabak ganz andere Dinge anlasten als heutige Rauchgegner: Rauchen mache schwachsinnig, erfolglos, asozial und kriminell. Insgesamt erinnert die Kampagne an die ernsthafte wissenschaftliche Lehrmeinung der gleichen Zeit, dass Masturbation Rückenmarksschwindsucht verursache, über die man heute nur noch Witze macht.

Man sollt sich dabei auch vor Augen halten, dass es in der Wissenschaft fast immer die Außenseiter waren, die Lehrmeinungen zu Fall brachten, nachdem sie vom Mainstream zunächst verlacht, diffamiert und angefeindet wurden: Sokrates, Galileo, Kepler, Semmelweis... Wer also will wissen, ob man nicht in einigen Jahrzehnten nur müde über das lächeln wird, was wir heute für „wissenschaftlich erwiesen“ halten?

Volker Wollny, Journalist, Autor und Blogger, Saskia Wollny

Volker Wollny - Tätig als Publizist und Freier Dozent, abgeschlossenes Studium als Ingenieur für Produktionstechnik, Gesellenbriefe im ...

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