Ein Stück Brasilien mitten in der Toskana

Das brasilianische Soldatendenkmal in Pistoia - Gisela Dürselen
Das brasilianische Soldatendenkmal in Pistoia - Gisela Dürselen
In der Stadt Pistoia erinnnert ein Memorial an 457 getötete brasilianische Soldaten: Als einzige Südamerikaner kämpften sie gegen die Deutschen.

"Eher wird eine Kobra rauchen als dass brasilianische Truppen marschieren", sagte der mit Hitler und Mussolini sympatisierende brasilianische Diktator Getulio Dornelles Vargas und drückte damit sein Unbehagen gegen einen Eintritt Brasiliens in den Zweiten Weltkrieg aus. Ein Vertrag mit den USA, der wachsende internationale Druck und nicht zuletzt 13 von den Deutschen versenkte brasilianische Handelsschiffe waren der Grund, warum brasilianische Soldaten doch Seite an Seite mit den US-Amerikanern und teilweise auch mit den italienischen Partisanen kämpften.

Im Zeichen der rauchenden Kobra

Die rauchende Kobra, entworfen von Walt Disney, wurde zum Symbol der insgesamt 25.334 Mann starken brasilianischen Truppen, und in Pistoia wurde die Forca Expedicionraria Brasileira (FED) gleichbedeutend mit den Alliierten. Die Brasilianer kamen im Juli 1944 in Neapel an und kämpften ab November an der sogenannten Gotenlinie, an der sich die Deutschen im Apennin verschanzt hatten.

Das Memorial von Pistoia

457 Tote gab es auf Seiten der Brasilianer zu beklagen, und sie alle wurden auf dem Soldatenfriedhof von Pistoia begraben. 1960 wurden sie nach Rio di Janeiro überführt - bis auf einen, der nach der Verlegung der toten Soldaten in den Bergen gefunden wurde und unter dem heutigen Memorial ruht. Das ein Hektar große Areal im Stadtteil San Rossore gehört offiziell dem brasiliannischen Staat und ist das einzige Memorial für tote brasilianische Soldaten außerhalb Brasiliens. Betreut wird es vom Sohn eines im Zweiten Weltkrieg kämpfenden und in Italien gebliebenen Soldaten.

Zwei Millionen Mark Rückzahlung an die Amerikaner

Das Schlimmste für die Brasilianer war die unerbittliche Kälte im Apennin. Denn die Brasilianer trafen exakt zu Beginn der kalten Jahreszeit in den Bergen ein und hatten zudem keine passende Ausrüstung dabei. Diese bekamen sie von den Amerikanern, und die Kosten im Wert von umgerechnet zwei Millionen Mark musste Brasilien bis 1955 an die USA zurückzahlen.

Entlang der Gotenlinie

Zu Beginn ihres Einsatzes im September 1944 errangen die Brasilianer in Massarosa bei der Stadt Lucca einen Sieg. Dort hatte die legendäre deutsche Arbeitseinheit Todt einen schier undurchdringlichen Schutzwall errichtet. Nach den Kämpfen zog sich die deutsche Wehrmacht nach Barga zurück, und der US-amerikanische General Clark beorderte die Brasilianer in den Apennin. Dort wurde vielen Brasilianern Monte Castello zum Verhängnis, das erst am 21. Februar erobert werden konnte. Nur wenige Monate später, am 2. Mai 1945, kapitulierten die Deutschen in Italien.

Noch heute sind im Apennin entlang der Gotenlinie die Spuren dieses Krieges lebendig: Es gibt alte Befestigungsanlagen und zahlreiche Gedenkstätten erinnern an die Opfer. Einige Orte wie Sant Anna di Stazzema erinnern auch an die Massaker, die die Deutschen bei ihrem Rückzug durch den Apennin begangen haben.

Gisela Dürselen Suite101-Autorin, (Foto: Christine Vincon)

Gisela Dürselen - Ausbildung und berufliche Meilensteine: Journalistin, Friedensfachkraft, Trainerin für emotionale und soziale KompetenzStudium ...

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