Die erste große Dichtungsgattung ist die Lyrik. Dazu gehört alles, was man unter Lied bzw. Gedicht versteht. Ursprünglich wurden Gedichte immer gesungen und instrumentell begleitet. Vom Inhalt her werden lyrische Werke nach dem vorherrschenden Motiv eingeteilt, daher spricht man beispielsweise von Erlebnislyrik (zum Beispiel ein Liebesgedicht), von Naturlyrik (zum Beispiel Herbststimmung), von Gedankenlyrik (beschäftigt sich mit Fragen des Lebens), religiöser Lyrik (Kirchenlied) oder politischer Lyrik, die sich mit Zeitfragen auseinandersetzt.

Gedichte sind meist in Versen geschrieben, die einem bestimmten Rhythmus, des so genannten Versmaß, folgen. Zu den Versmaßen zählt man den Jambus (Senkung und Hebung), den Trochäus (Hebung und Senkung), die Anapäst (Senkung, Senkung und Hebung) sowie den Daktylus (Hebung, Senkung und Senkung). Ein weiteres Merkmal des Gedichts ist der Reim, wobei man hier zum Beispiel zwischen Paarreim (a-a-b-b), gekreuztem Reim (a-b-a-b) oder umschlungenem Reim unterscheiden kann.

Die Epik

Das Wort Epik stammt aus dem Griechischen und bedeutet "sagen" oder "erzählen". Zu dieser Dichtungsgattung zählen daher Romane, Erzählungen oder Novellen, aber auch Erzählungen in Versform, die Epen genannt werden. Dazu gehört zum Beispiel das Nibelungenlied oder "Parzival" von Wolfram von Eschenbach.

Zu den kleineren Formen der Epik zählt man die Fabel, eine sehr kurze Geschichte mit vermenschlichten Tieren und einer Lehre, sowie die Parabel, das Gleichnis und den Schwank. Außerdem gehört auch das Märchen, die Sage bzw. die Legende zu den kürzeren epischen Formen.

Dramatische Gattungen

Die Gattung Drama umfasst alles, was von Schauspielern auf einer Bühne gespielt wird: das Trauerspiel (Tragödie), das Lustspiel (Komödie), sowie das Schauspiel, das zwar ernst ist, aber nicht unbedingt mit dem Tod des Helden enden muss. Über die Jahrhunderte gab es immer wieder unterschiedliche Vorstellungen und Regeln, wie ein Drama aufgebaut sein muss. Wichtig dabei ist, dass die Zuseher zu Beginn des Stückes die Vorgeschichte bzw. die Personen kennen lernen. Danach kommt es zur dramatischen Verwicklung, die schließlich zu einem Höhepunkt führt, durch den sich der weitere Verlauf der Handlung entscheidet. Schließlich tritt die endgültige Lösung ein: im Trauerspiel ist dies die "Katastrophe", das Lustspiel endet heiter und versöhnlich. Neben dieser geschlossenen Form des Dramas, zu dem auch die Einheit von Ort, Zeit und Handlung gehört, gibt es im modernen Theater auch noch zahlreiche "offene Formen" des Dramas.

Moderne Formen

Zu den neueren Formen der Gegenwartsliteratur gehört beispielsweise die Kurzgeschichte, die eine Momentaufnahme darstellt und zumeist einen offenen Schluss aufweist. Seit 1924 gibt es außerdem das Hörspiel, welches eine rein akustische Aufarbeitung eines Themas darstellt. Diese Form wurde jedoch durch das Fernsehen weitgehend zurückgedrängt.