
- Lisbeth und Blomkwist - Sony-Pictures Pressefoto
Der Film führt uns in das Schweden der 90er Jahre: Journalist Mikael Blomkvist (Daniel Craig) tappt in die Falle eines kriminellen Industriellen und wird wegen Verleumdung hart verurteilt. Ein betagter reicher Fabrikant beauftragt ihn mit dem Schreiben seiner Familienchronik. Aber eigentlich möchte der Alte den Mord an seiner Nichte Harriet, deren Leiche nie gefunden wurde, noch einmal von ihm untersuchen lassen. Dabei versinkt Blomkvist in einem familiären Sumpf aus Korruption, Lügen und Gewalt. Unerwartet hilft ihm die superschlaue aber beziehungsgestörte Lisbeth Salander (Rooney Mara). Das ungleiche Paar gerät in höchste Gefahr, als es die seelischen Abgründe einiger „Männer, die Frauen hassen“ (schwedischer Originaltitel) erkennt und versucht sie als Täter zu entlarven.
Auch das Remake ist ein recht guter Thriller
„Verblendung“ ist der erste Band einer Trilogie, dessen Erfolg der 2004 gestorbene Autor Stieg Larsson nicht mehr erlebte. Der US-Film macht aus dem ausufernden Buch - das auch ein kritisches Bild der schwedischen Gesellschaft skizziert - einen sehr guten, auf die Detektivarbeit und ambivalente Beziehung der Hauptfiguren konzentrierten Thriller.
Blomkvist und Salander erledigen ihren Job im tristen Nordschweden. Ihre unterschiedlichen Ermittlungen werden mit schnellen Wechseln und harten Schnitten der Filmszenen gezeigt. Das erhöht mit dramatische Musik die Spannung. Wenn sie sich zwischendurch begegnen bleibt ihre Beziehung zwiespältig, selbst nach dem Sex gehen sie cool auseinander. Die Gewaltszenen und Verfolgungsjagden halten sich in Grenzen. Sie sind kein Selbstzweck, sondern verdeutlichen die Motive der Filmfiguren, etwa der seelisch verwundeten Salander, Blomkvist zu helfen.
James Bond als Blomkwist?
Anfangs fragt man sich, was macht denn James Bond in diesem Schwedenthriller? Doch dann überzeugt der unrasierte und Katzen kraulende Daniel Craig als detektivischer Journalist. Rooney Mara als seine kratzige Helferin wirkt sehr glaubwürdig. Aber die Lisbeth so wie sie im Buche steht, ist nun ein für alle mal durch die großartige Noomi Rapace aus der Erstverfilmung geprägt.
Angesichts des raschen Remakes kann man nicht auf den Vergleich beider Fassungen verzichten: Da ganz überraschend auch im US-Film viel geraucht und Sex gemacht wird, was die puristischen Amerikaner nicht so schätzen, gibt es keinen Grund für eine Neuverfilmung. Denn die schwedisch-dänisch-deutsche Koproduktion, Regie Niels Oplev, war „nahezu perfekt inszeniertes Gefühlskino“ und „ein Thriller der Extraklasse“, wie nicht nur die ZEIT meinte.
Aufgebrezelter Dogma-Film vs. schmuddeliger Hollywood-Film
Der in Schweden mit geringem Budget gedrehte Erstling ist trotz seiner handwerklich perfekten Aufnahmen sehr authentisch und wirkt wie ein aufgebrezelter Dogma-Film. Aber auch das teure Remake spielt in Schweden, die Filmcrew bemühte sich mit großem Aufwand um „schwedische Echtheit“ und schuf einen eher schmuddeligen Hollywood-Film. Deshalb sind die Filme ähnlich, zumal sich beide bis auf einige Ausnahmen eng an die Buchvorlage schmiegen und keine cineastischen Experimente wagen.
Wer das Buch nicht kennt oder die aus den Kinos verschwundene Erstverfilmung verpasst hat, sollte sich das gute Remake ansehen - wenn es denn schon mal da ist.
„Verblendung“ USA 2011
Deutscher Kinostart am 12. Januar 2012
Regie David Fincher, 158 Minuten, mit Daniel Craig, Rooney Mara
Hier geht es zum Trailer von David Finchers "Verblendung"
