
- Transport von Schrott - TransWaste
Dass Abfallsammlung auch in Mitteleuropa für viele Menschen die einzige Erwerbsquelle ist und damit eine wichtige Rolle im Leben von Erwerbslosen spielt, ist vielen Menschen in Österreich und Deutschland nicht klar. Inzwischen ist das aber eine bittere Tatsache. Das von der EU geförderte Projekt TransWaste (Formalisation of informal sector activities in collection and transboundary shipment of wastes in and to CEE) liefert erstmalig Daten über inoffizielle Abfall-Sammler. Die ARGE (Arbeitsgemeinschaft) Abfallvermeidung, Ressourcenschonung und nachhaltige Entwicklung GmbH, eine Tochtergesellschaft des gemeinnützigen Vereins ARGE Müllvermeidung, in Graz, beschreibt die aktuelle Situation.
Was und wie viel wird gesammelt und wohin gelangt der Müll?
Aus den Daten, die im Projekt TransWaste bis zum Jahr 2010 gesammelt werden konnten geht hervor, dass in Österreich, im Rahmen der informellen Abfallsammlung pro Jahr rund 80.000 Tonnen Gegenstände und Metalle, etwa 15 Prozent der gesamten Abfallmenge, gesammelt werden. 65.000 Tonnen des Abfallberges, der laut TransWaste Erhebungen zur Hälfte aus klassischem Sperrmüll besteht, wird von Menschen, die aus dem östlichen EU-Ausland kommen, geholt. Noch unbekannt ist wie sich dieser Mülltransfer auf die finanzielle Bilanz der österreichischen Abfallwirtschaft auswirkt. Ein striktes Sammelverbot für Privatpersonen würde, so gibt die Arbeitsgemeinschaft zu bedenken, in vielen Fällen den Verlust der Lebensgrundlage der Armen bedeuten. In Österreich sammeln inoffizielle Abfallsammler nicht nur in Wien, sondern inzwischen in etwa 30 Prozent aller Gemeinden. Sie ziehen mit Karren oder Lastwagen zu Altstoffsammelzentren, aber auch zu Sperrmüllsammlungen in Wohngegenden. Die meisten von ihnen kommen aus Ungarn, vereinzelte aus der Slowakei, aus Slowenien, der Tschechischen Republik, aber auch einige aus Österreich.
Es gibt eine Konkurrenz um den Wohlstandsabfall
Das, was im alltäglichen Leben vom Normalverbraucher als Abfall deklariert in der Mülltonne oder als grünes Punkt Produkt im gelben Sack landet, nützt momentan, laut der ARGE Abfallvermeidung in Österreich, finanziell zwei Gruppen. Der kommunalen Abfallwirtschaft, die durch den Erlös aus dem Verkauf recyclingfähiger Materialien Geld einnehmen und Privatpersonen. Das sind meist nicht autorisierte Müllsammler, die durch den Verkauf oder den eigenen Gebrauch von als Müll aussortierten Gegenständen, zum Beispiel alten Möbeln, Haushaltsgegenständen oder Metallen, ihren eigenen Lebensunterhalt finanzieren. In Österreich stammen sie vorwiegend aus Ungarn. Dass es sich bei dieser Art von Müllbeseitigung um eine illegale Tätigkeit handelt, wissen nur die wenigsten der "informellen Abfallsammler". Inzwischen klagen heimische Verwerter in Wien über finanzielle Verluste und knappere Ressourcen.
Das Projekt TransWaste und seine Ziele
Sieben Projektpartner aus Österreich, Deutschland, Slowakei, Polen und Ungarn erheben unter der Leitung des Institutes für Abfallwirtschaft der Universität für Bodenkultur in Wien (ABF-BOKU) zwischen 2009 und 2012 im vom EU-Förderprogramm Central Europe geförderte Projekt ‚TransWaste Grunddaten zur informelle Abfallsammlung in Mitteleuropa. Ihre Ziele sind:
- Lösungsansätze für den Umgang mit der informellen Abfallwirtschaft in Mitteleuropa erarbeiten
- Erstellung eines gemeinsamen Leitfadens
- Die Einbindung der informell Abfall Sammelnden, im Rahmen eines sozial-ökonomischen Betriebes, vorzubereiten
- Eine internationale Vernetzung von Personen, die im Bereich informeller Abfallsammlung tätig sind
Abfall vom ökologischen Standpunkt aus wiederverwenden und sammeln
Das Thema Wiederverwendung (englisch: ‚Re-use’) von gebrauchten Gegenständen, ist ökologisch sinnvoll und hat im Rahmen des Projektes TransWaste einen wichtigen Platz. Auch die neue europäische Abfallrahmenrichtlinie fordert von den europäischen Partnerländern, dass sie die Wiederverwendung von Gegenständen unterstützen. Keinesfalls sollen durch eine drohende unsachgemäße Lagerung, zum Beispiel von Batterieschrott, der informellen Abfallsammlungen ökologische und gesundheitliche Folgeschäden, auch durch das Verbringen von Müll in die Ozeane, entstehen.
Eine Studie der Europäischen Kommission, die im Jahr 2010 herausgebracht wurde, weist auf eine drohende Verknappung von 14 Mineralien, die für die Herstellung vieler Produkte der Elektronik- und Automobilindustrie sowie zur Erzeugung erneuerbarer Energie notwendig sind, hin. Diese Mineralien finden sich vor allem in modernen Elektronikprodukten, die als Elektroschrott besonders gerne von informellen Sammlern genommen werden, da sie gutes Geld bringen.
Welchen wichtigen Mineralien droht eine Verknappung?
- Indium, das in der Herstellung von Flachbildschirmen und Touchscreens Verwendung findet
- Antimon, wird in der Elektronikindustrie verwendet
- Gallium gilt als Hoffnungsträger für umweltschonende Beleuchtung und Fotovoltaikmodule
- Kobalt und Magnesium werden für viele Produkte, zum Beispiel für Lithium-Ionen Batterien als Legierungselement benötigt.
Die Elektroaltgeräte-Richtlinie muss überarbeitet werden
Auf Vorschlag der Europäischen Kommission zur Überarbeitung der Elektroaltgeräte-Richtlinie wird vom Europa-Parlament über eine Neuauflage der Elektroaltgeräte-Richtlinien diskutiert. Bisher müssen, so die Mitteilung, pro Einwohner und Jahr jeweils mindestens vier Kilogramm Elektroaltgeräten (EAGs) in die Sammelstellen eingehen. Jetzt wird über eine Erhöhung der bisherige Sammelquote auf 65 Prozent des Gesamtgewichts der EAGs, die in den beiden Vorjahren eines gegebenen Jahres in Verkehr gesetzt wurden, nachgedacht. Beide Ziele ließen sich, so zeigen die Projektergebnisse der TransWaste, durch eine Einbindung des derzeitigen informellen Abfallsammelns in die legale österreichische Abfallwirtschaft, erreichen.
Infos zur EU-Abfall Richtlinie.
Infoquellen: ARGE Abfallvermeidung, TransWaste eu
