
- Krimi-Icon - Illustration: Friederike Rave
In Botswana lebt Precious Ramotswe. Sie ist Inhaberin der "No.1 Ladies Detective Agency". Precious ist die Erfindung des schottischen Autoren Alexander McCall Smith. Bis heute sind 10 Bücher mit ihr als Titelheldin erschienen. Am 4. August zeigte Arte den Pilotfilm zur gleichnamigen Fernsehserie, die im deutschen den Titel "Eine Detektivin für Botswana" trägt. Da stellt sich nun die Frage, ob Precious auch als Mattscheiben-Heldin überzeugen kann.
Die Macher
"The No.1 Ladies Detective Agency" war eine Koproduktion des amerikanischen Bezahlsenders HBO mit der englischen BBC. Für den Regisseur des Piloten Anthony Minghella ("Der englische Patient") und den Produzenten der Serie Sydney Pollack ("Jenseits von Afrika") wurde diese Fernsehproduktion zur letzten Arbeit ihres Lebens. Am Drehbuch des Piloten wirkte auch der TV-Veteran Richard Curtis ("Mr Bean") mit. Diesem folgten noch 6 weitere Episoden. Der Gewinn des Peabody Award im Jahre 2009 konnte jedoch nicht verhindern, dass die Serie bereits nach der 1. Staffel eingestellt wurde.
Die Darsteller
In der Titelrolle glänzt die charismatische Sängerin und Schauspielerin Jill Scott. Ihr zur Seite steht Anika Noni Rose ("The Good Wife"), die als eigenwillige und lautstarke Sekretärin Grace Makutsi zu überzeugen weiß. Grace Verehrer ist der Automechaniker JLB Maketoni (Lucian Msamati) , den auch der Zuschauer schnell ins Herz schließt. Ebenfalls erwähnenswert ist Desmond Dube als BK, ein tuntiger Friseur und Geschäftsnachbar von Precious.
Die Machart
Die Serie wurde vor Ort in Botswana gedreht. Der Regisseur Minghella nutzt dieses zu seinem Vorteil, indem er immer wieder Helikopter-Aufnahmen der Landschaft mit einfließen lässt. Das Afrika, das der Regisseur hier inszeniert, erscheint wie aus einem Bilderbuch. Die Darsteller sind allesamt schwarz und tragen überwiegend bunte Kostüme. Es gibt auch die typischen Wellblechhüten zu sehen. Doch macht in dieser Produktion fast alles einen aufgeräumten und nahezu niedlichen Eindruck.
Das Erzähltempo und die Fälle
Als Zuschauer, der die schnelle Machart amerikanischer Serien gewöhnt ist, fällt besonders das langsame Erzähltempo auf. Im Pilotfilm wird sich sehr viel Zeit genommen, den Charakter der Grace einzuführen. So steht erst nach einer halben Stunde der erste Fall an. Die Fälle sind von alltäglicher Natur. Es geht hier nicht um Serienkiller oder Vergewaltiger, sondern stattdessen unter anderem um einen untreuen Ehemann, einen vermissten Teenager und um Versicherungsbetrug.
Die Kritik
Die eher simplen gestrickten Fälle und das langsame Erzähltempo sind jedoch auch die Schwachstellen des Piloten. Da ein Fall von sich aus nicht viel Erzählstoff bietet, muss Grace gleich mehrere lösen. So liebevoll die Charaktere auch gestrickt sind und von ihren Schauspieler wunderbar verkörpert werden, muss man ihnen doch etwas Gehaltvolles zu tun bzw. zu spielen an die Hand geben. So aber tritt der Film, sobald die Charaktere eingeführt worden sind, schon bald auf der Stelle. Langeweile tritt auf. Und diese ist bekanntlich das reinste Gift für einen gelungenen Fernsehkrimi.
Programmhinweis:
Arte zeigt die 6 Einzelepisoden ab Donnerstag, den 11. August 2011, in Doppelfolgen.
