
- Humus für den Garten - ‚© Multipla/ PIXELIO'
Am Anfang eines besonders fruchtbaren Kompostes steht die Mistgewinnung. Wenn Sie keine eigenen Hühner, Schafe oder vergleichbare Nutztiere halten, müssen Sie sich diesen Mist von einem Tierhalter besorgen. Oder – Sie installieren in Ihrem Haus, Wochenendhaus oder Kleingarten ein Humusklo.
Der Erfinder der Komposttoilette, Friedensreich Hundertwasser
Für Friedensreich Hundertwasser hingen Ästhetik und Ökologie eng zusammen. 1975 verfasste er seine bekannte Schrift „Scheißkultur – die heilige Scheiße“. Hierin wollte er zu einem bewussteren Umgang mit menschlichem Abfall anregen und brachte die Humustoilette ins Gespräch. „Kunstdünger ist kein Ersatz. Beim Wasserklosett werden aus 1000 Gramm Scheiße 50000 Gramm Unrat-Gift. Beim Humusklosett 50 Gramm Rohstoff-Gold!“(Friedensreich Hundertwasser 1975, Wien) Seitdem hatte sich Hundertwasser mit der Humustoilette beschäftigt. Er verwendete sie an all seinen Wohnsitzen, entwickelte unterschiedliche Baupläne dafür und beschrieb ihre Funktion und Verwendung.
Biotoiletten, Humustoiletten, Komposttoiletten, Ökotoiletten, Rindenschrottoiletten
Aufstellung und Betrieb der Toiletten sind denkbar einfach. Für solch ein Klo benötigen Sie keinen Wasseranschluss, keinen Anschluss an die Kanalisation und bei einigen Ausführungen auch keinen Elektroanschluss. Vom Grundprinzip her besteht das Klo aus einem normalen Toilettensitz, unter dem ein Auffangbehälter steht, der in regelmäßigen Abständen auf dem Kompost entleert wird. Nach jedem Gang auf´s stille Örtchen wird organischer Einstreu statt Wasser über die Hinterlassenschaften gestreut. Rindenmulch, Stroh, Laub oder Humus binden den Urin. So werden die enzymatischen und biologischen Prozesse zwischen Kot und Urin, die zu unangenehmen Gerüchen führen, abgewendet. Für die Entsorgung wird der volle Eimer auf den Komposthaufen gegeben, wo er, je nach anschließender Verwendung und Grad der Vorkompostierung, noch einige Monate verbleibt. Wurde vorher ein Beutel eingelegt, bleibt auch der Behälter sauber. In den geräumigeren Luxusausführungen kommt gleich fertiger Kompost aus dem entsprechend großen Behältnis heraus.
In vielen Gemeinden werden diese Toiletten für Kleingärten vorgeschrieben und bei Eigenheim-Neubauten sogar gefördert. Der Senat von Berlin legte beispielsweise in §6 der Verwaltungsvorschriften über Dauerkleingärten und Kleingärten auf landeseigenen Grundstücken vom 14. November 2000 fest, dass außerhalb von Wasserschutzgebieten grundsätzlich Humustoiletten anzustreben seien.
Biotoilette ist nicht gleich Biotoilette
Natürlich gibt es unterschiedliche Modelle, die mit dem Plumpsklo von früher nicht mehr viel gemein haben. Neben einfachen Selbstbausätzen gibt es komfortable Ausführungen mit Lüfter, Drehbehälter, Rührwerk und einer Heizung, die für eine optimale Trocknung sorgt. Eine Durchmischung von Kot und Urin kann vorgenommen werden oder beide werden in getrennten Behältern aufgefangen. Oft ist der Behälter auch gleich Kompostsilo. Luxusmodelle würden von der Optik in jedes aufwendig gestaltete Bad passen. Und es gibt ausgeklügelte Anlagen für Mehrfamilienhäuser.
In der Ökovilla des Ökohauses e.V. Rostock wurde ein Projekt mit dem Titel "Nachweis der Genehmigungsfähigkeit einer großdimensionierten Komposttoilettenanlage im städtisch- öffentlichen Raum am Modellprojekt Ökohaus Rostock unter Berücksichtigung baurechtlicher, epidemiologischer und siedlungswasserwirtschaftlicher Aspekte und der Gesamtökobilanz“ von der Deutschen Bundesstiftung Umwelt, gefördert. Die 1995 errichteten Komposttoiletten sind die ersten ihrer Art in einer öffentlichen innerstädtischen Einrichtung in Deutschland. Auch die Qualität des Kompostes wird durch ein Analyse-Labor kontrolliert. Sie belegen mittlerweile einen guten Rotteverlauf sowie die hygienische Unbedenklichkeit des Kompostes. Die Hansestadt Rostock hat daraufhin die Genehmigung für die dauerhafte Nutzung der Komposttoilettenanlage erteilt. Somit ist die Genehmigungsfähigkeit von Komposttoilettenanlagen auch in öffentlichen Einrichtungen nachgewiesen.
Humustoiletten sind Wasser sparend, schonen den Geldbeutel und sind umweltfreundlich
Toiletten ohne Wasserverbrauch sind umweltfreundlich und wirtschaftlich. Sie dienen dem Garten und verschmutzen unsere schon überbelasteten Gewässer nicht noch zusätzlich. Am Ende blühen nicht die Algen im Gewässer, sondern die Blumen im Garten. Sie produzieren also fruchtbaren Humus, ohne kostbares Wasser zu verschwenden. Schätzungsweise spart der Ökohaus e.V. durch seine Komposttoilettenanlage 100.000 Liter Trinkwasser pro Jahr.
Und wenn Sie jetzt Ihr stilles Örtchen noch mit Bildern von Hundertwasser verschönern, wird im Handumdrehen ein Kunstobjekt daraus.
