Eine Regenjacke kaufen, die trocken hält

Schön, wenn die Regenjacke dicht hält. - Ralf Gromann
Schön, wenn die Regenjacke dicht hält. - Ralf Gromann
Robust, wasserdicht und atmungsaktiv sollte eine Regenjacke sein. Was das bedeutet und wie viel man davon braucht, hängt vom Einsatz der Jacke ab.

Ob eine Regenjacke den eigenen Ansprüchen genügt, merkt man spätestens beim Gebrauch. Bereits beim Kauf kann man jedoch anhand der Verarbeitung des Materials und Zusatzinformationen der Hersteller oder des Händlers erfahren, wie robust, wasserdicht und atmungsaktiv die Jacke ist.

Wie robust ist die Regenjacke?

Beim Kauf sollte man auf die Verarbeitung der Membran achten. Diese poröse Kunststoffbeschichtung ist auf der Innenseite der Regenjacke angebracht. Sie macht das Kleidungsstück wasserdicht und atmungsaktiv, ist aber auch sehr empfindlich gegen Abrieb.

  • Z-Liner nennt man Regenjacken, bei denen die Membran zwischen Oberstoff und Futter nur an wenigen Stellen fixiert ist. Lose eingehängt scheuert sie sich zwischen den Materialien leicht ab. Die Variante ist die preisgünstigste und eignet sich als gelegentliche Regenhaut.
  • 2-lagige Regenjacken verschweißen die Membran mit dem Außenmaterial. Im Inneren der Jacke wird sie durch ein leichtes Futter geschützt. Im Fall der Paclit besteht das Innenfutter dabei aus einer hauchdünnen Karbonschicht. Die Variante besticht durch ihr Fliegengewicht, ist teurer als der Z-Liner, aber die stabilere Alternative.
  • 3-lagige Regenjacken verschweißen die Membran zwischen Außenstoff und Futter, so dass alle drei Komponenten ein Material bilden. Diese Jacken sind sehr stabil und werden für Rucksacktouren empfohlen. Allerdings hat die Verarbeitung auch einen stolzen Preis.

Wie wasserdicht ist die Regenjacke?

Wie wasserdicht eine Jacke ist, wird mit der Wassersäule gemessen. Sie bestimmt den Druck, bei dem der Stoff beginnt, Wasser durchzulassen. Hierfür wird ein Messzylinder über den Stoff gespannt und solange mit Wasser befüllt, bis das Wasser durch den Stoff drückt. Das Füllgewicht im Zylinder, bei dem der Wasserwiderstand des Gewebes gebrochen wird, bezeichnet in Millimetern die Wasserdichte oder Wassersäule.

  • Wasserdicht ist gemäß der europäischen DIN Norm 343 für Berufsbekleidung ein Kleidungsstück ab einer Wassersäule von 1.300 Millimetern.
  • Wirklich wasserdicht ist laut Eidgenössischer Materialprüfanstalt (EMPA) in St. Gallen ein Kleidungsstück erst ab einer Wassersäule von 4.000 Millimetern. Bereits beim Sitzen auf feuchtem Grund muss das Gewebe einem Druck von 2.000 Millimetern standhalten.
  • Noch wasserdichter versprechen Outdoorhersteller mit Wassersäulen von 6.000 Millimetern steil aufwärts zu produzieren. Ob es dieser hohen Werte jedoch bedarf, ist fraglich.

Denn Wasser bricht auch gerne durch Nähte und Reißverschlüsse ein oder bahnt sich den Weg über die Armbündchen und den Kragen. Daher sollte man auch darauf achten, ob die Nähte gut verarbeitet und mit einem extra Band auf der Jackeninnenseite verschweißt sind, die Reißverschlüsse über eine Abdecklasche verfügen, sich der Kragen hoch schließen lässt und der Schieber der Kappe stabil ist, damit einem das Wasser nicht das Gesicht herunter läuft.

Wie atmungsaktiv ist die Regenjacke?

Wer die Jacke für Sport nutzt, sollte auf ihre Atmungsaktivität achten. Sie beschreibt, wie viel körpereigene Flüssigkeit in Form von Wasserdampf über das Material nach Außen weitergegeben wird. So kann der Körper beim Schwitzen ausdampfen und sich nicht überhitzen oder auskühlen. Die Atmungsaktivität misst den Wasserdampf in Gramm, der pro Quadratmeter Gewebe in 24 Stunden nach außen abtransportiert wird. Wenn der Körper nun im Ruhezustand 3.840 Gramm Flüssigkeit in 24 Stunden ausdampft, dann läge die Anforderung für das Gewebe:

  • Im Ruhezustand bei einer Atmungsaktivität von 3.840 g/m2/24h.
  • Bei mäßiger bis hoher Anstrengung verliert der Körper zwischen 500 und 1000 Gramm Flüssigkeit die Stunde. Die erforderliche Atmungsaktivität des Gewebes läge daher bei einem kontinuierlichem Flüssigkeitsverlust in 24 Stunden zwischen 12.000 g/m2/24h und 24.0000 g/m2/24h.
  • Um selbst hohen Anforderungen gerecht zu werden, versprechen Hersteller Atmungsaktivität von 10.000 bis 20.000 oder gar 40.000 g/m2/24h. Der Wert wird als Moisture Vapor Transmission Rate (MVTR) und bei Gore-Text als RET-Wert angegeben. Zusätzlich sind bei Sportjacken extra Belüftungsreißverschlüsse unter den Axeln für noch mehr Atmungsaktivität angebracht.