Eine schillernde Figur seiner Zeit: Agrippa von Nettesheim

Zeichen mittelalterlicher Gelehrsamkeit - Olgalis / Dreamstime.com
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Eingeweiht in die Geheimwissenschaften und bedeutender Gelehrter seiner Zeit, galt Agrippa von Nettesheim zeitlebens als Pamphletist und zwielichtige Person

Agrippa von Nettesheim hatte früh den Ruf weg, ein Teufelsbündler zu sein. Sein dämonisches und von Hässlichkeit geprägtes Aussehen trug vielleicht mit zu einem solchen Ruf bei. Zudem hatte er ständig zwei schwarze Hunde um sich, wobei der eine auf Monsieur hörte, der andere auf Mademoiselle. Mehr als einmal auf seinen Wanderschaften musste Agrippa von dem aufgebrachten Pöbel fliehen. Das Volk sagte über ihn, "wer gegen die Inquisition gewinnt, kann nur ein Teufelsbündler sein“. Andererseits stand Agrippa von Nettesheim mit allen bedeutenden Geistern seiner Zeit in Verbindung, unter anderem auch mit Erasmus von Rotterdam. An den europäischen Höfen war er als Berater geschätzt und wurde nicht wenige Male mit Unterhandlungen beauftragt.

Wer war diese anziehende Figur des ausgehenden Mittelalters?

Heinrich Cornelius Agrippa von Nettesheim wurde am 14. September 1485 in Köln in eine verarmte Adelsfamilie hineingeboren. Über seine Kindheit und Jugend ist nichts bekannt. Für das Jahr 1499 verzeichnet die Universität zu Köln eine Immatrikulation des Henricus de Nettesheym an der Fakultät der Künste. Im Mai 1500 wurde Agrippa für das Baccalaureat (entspricht in etwa dem Abitur) zugelassen. Ein weiterer Eintrag des Dekanatsbuchs der Artistenfakultät aus dem Jahr 1500 verzeichnet den Beginn der Determination und für 1502 die Zulassung zur Licentiatenprüfung (akademischer Grad in kath.-theologischen Fakultäten). Im Selbststudium betrieb Agrippa Latein, Astrologie, Theologie und Grundlagen des magischen Denkens. Er befasste sich weiter mit hermetischen Büchern, orphischen Hymnen, der Kabbala, Römischem Recht, Medizin, Mechanik, Optik und Geometrie. Angesichts so viel Wissens kann man Agrippa von Nettesheim getrost als einen Universalgelehrten bezeichnen.

Nach seinen Wanderjahren, die Agrippa an die berühmtesten Universitäten Europas führten, diente er als Offizier in der Armee Kaiser Maximilians I. In zahllosen wissenschaftlichen und publizistischen Fehden brachte er Mönche und Studenten gegen sich auf. Schließlich wurde er beschuldigt, durch Teufelsbündelei den Tod eines seiner Hörer verschuldet zu haben. Agrippa war Leibarzt von Louise von Savoyen, der Mutter von König Franz I. von Frankreich. Sie wollte Agrippa zu ihrem Astrologen machen, doch verweigerte er ihr diesen Dienst. Auf der anderen Seite beriet er den Connétable de Bourbon mit Prophezeiungen höchstverräterischen Charakters. 1532, drei Jahre vor seinem Tod, sollen sich Agrippa und der historische Dr. Johann Faust begegnet sein. Der Universalgelehrte Agrippa von Nettesheim inspirierte Johann Wolfgang von Goethe nicht nur mit seinen Schriften zur Gestaltung des Faust-Dramas, sondern auch anderweitig.

Agrippa von Nettesheim und seine umstrittenen Werke

Mit dreiundzwanzig Jahren schrieb Agrippa De occulta Philosophia. In dem Werk vertritt er eine neuplatonische Weltanschauung. Was ihm vom mittelalterlichen Neuplatonismus unterscheidet, ist der Gedanke, dass der Kosmos von den Kräften des Archetypus durchströmt wird. Gott ist damit "in der Welt“ in gewisser Weise. Die Welt als ganze kann somit als "Inkarnation Gottes“ betrachtet werden. Insofern ist der Unterschied zur Lehre des Christentums nur sehr gering, und so konnte Agrippa möglicherweise auch der Inquisition entkommen. Denn zu seiner Zeit war es gefährlich, ein Werk wie De occulta Philosophia zu veröffentlichen, in dem er seine "heilige Magie“ im eleganten Stil gegen "Zauberei“ und "Teufelsbeschwörer“ verteidigte.

Agrippas zweite Werk De Incertitudine et Vanitate Scientiarum erschien Mitte 1530. Darin griff er die kirchlichen und politischen Zustände seiner Zeit massiv an, und damit direkt den Klerus, Amtsträger und Regierende. Die katholische Kirche wollte das Buch verbieten. Sie sah darin nur "Häresie und Ketzerei“. Der Kaiser verlangte von Agrippa, wenigstens die Kritik an der Kirche zu widerrufen. Agrippa verweigerte dies und schrieb stattdessen auf die schriftliche Anklage gegen ihn eine Gegenschrift, in der er jeden Anklagepunkt einzeln widerlegte, so dass es am Ende zu keinem Druckverbot kam. Seine beiden Hauptwerke scheinen einander zu widersprechen. Gilt das Erstere als Versuch einer Synthese zwischen Magie und Christentum, bei dem auch die Kabbala als Ausstrahlung göttlicher Wissensmacht aufgefasst erscheint, ist das andere ein Werk der Ketzerei.

Am 18. Februar 1535 verstarb Agrippa von Nettesheim im Alter von 48 Jahren in Grenoble. Die Beisetzung Agrippas fand auf einem Konvent der Dominikaner statt. Seine letzte Ruhe gewährte man den umstrittenen Zeitgenossen in einer ihrer Kirchen, die heute nicht mehr existiert. Auf dem Grabstein fanden sich eigenartige Worte geschrieben. Unter anderem stand in der Inschrift, der geeignete Ort für Agrippa wäre wohl der Hades.

Quellennachweis:

Annelore Poljasevic, Annelore Poljasevic

Annelore Poljasevic - Ich bin 1952 im mittelalterlichen Rothenburg ob der Tauber geboren und habe (weil es sich so ergeben hat) den nüchternen Beruf der ...

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