Eine Sitcom schreiben

Ein erfolgreiches und günstiges TV-Format

Sitcoms schreiben - fotolia
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Sitcoms sind beliebt. Bei den Zuschauern, weil sie unterhaltsam sind und bei den Fernsehsendern, weil sie günstig produziert werden können.

Sitcom steht kurz für „situation comedy“, also Situationskomik. Ein Kennzeichen der Sitcom ist die ständige, schnelle Abfolge von Gags, Pointen und komischen Momenten im Rahmen einer dramatischen Handlung. Dadurch unterscheidet sich die Sitcom von Comedyshows, bei denen Sketche lediglich aneinander gereiht werden. Für Drehbuchautoren ist dieses Genre eine besondere Herausforderung.

Typisches äußeres Kennzeichen der klassischen Sitcom ist die Aufzeichnung im Studio. Die Darsteller spielen wie auf einer Bühne; bei Innenräumen werden die vierte Wand und die Zimmerdecke nie im Bild sichtbar. Für die Handlung folgt daraus eine Beschränkung der Schauplätze auf wenige, stets wiederkehrende Orte. Häufig sind auch Außenschauplätze wie Cafés, oder ein Garten als Kulissen im Studio nachgebaut.

In der deutschen Ausstrahlung werden amerikanische Serien meist durch eingespielte Lacher untermalt (sogenannte „Lachkonserven“ oder „canned laughter. Da sich das Publikum in jeder Folge sofort zurechtfinden soll, darf sich das Prinzip der Serie nie ändern, es sei denn, Schauspieler (und damit ihre Rollen) scheiden aus oder kommen dazu. Allgemein folgt das Geschehen einer “zirkulären Dramaturgie” – die Figuren sind am Ende der Episode so klug wie zuvor. Dies hat zur Folge, dass Sitcoms prinzipiell eine eher konservative Ausrichtung haben. Seriencharaktere dürfen daher nicht sterben oder ernsthafte bzw. tragische Ereignisse erleben (Vergewaltigung, „schmutzige Scheidung“, Mord, Selbstmord, Abtreibung).

Sitcoms sind üblicherweise als halbstündiges Fernsehformat angelegt; die Netto-Laufzeit einer Folge (das heißt die Laufzeit ohne Werbeunterbrechungen) beträgt somit zwischen 22 und 24 Minuten.

Der typische Aufbau einer Sitcom ist folgender:

Prolog – Eine relativ kurze Szene, die mit einem Gag endet. Hier wird meist das Thema der jeweiligen Folge bereits angerissen.

Vorspann – Die Charaktere der Serie werden, untermalt durch die typische Erkennungsmusik der jeweiligen Sitcom, vorgestellt, wobei die Namen der jeweiligen Schauspieler eingeblendet werden. Insbesondere bei Familiensitcoms wird der Vorspann optisch regelmäßig überarbeitet, um die gewachsenen Kinderschauspieler mit aktuellem Aussehen darzustellen, dabei bleibt die Musik jedoch meist dieselbe wie früher, da sie einen hohen Wiedererkennungswert besitzt.

Der Anfang – Der Anfang führt in die Thematik der Geschichte ein. Eine oder mehrere Figuren sehen sich einem Problem, einer Neuigkeit, einer bevorstehenden Entscheidung oder ähnlichem gegenüber. Dabei sollte ohne unnötige Umschweife vorgegangen werden, um die Zuschauer nicht zu langweilen und seine Neugier auf die zu erwartende Geschichte zu stimulieren.

Die Mitte – In der Mitte stellen sich zunehmend Hindernisse in den Weg. Die Situation wird immer komplizierter, das Problem eskaliert. Um den Konflikt zu lösen, müssen die Figuren Entscheidungen treffen oder etwas unternehmen.

Das Ende – Das Ende ist aufgrund der Sitcom-typischen Rückkehr zur Ausgangssituation üblicherweise vorhersehbar. Allerdings sollte die Auflösung auch mit den Charakteren der betroffenen Figuren harmonisieren. Ein kleines „Überraschungsmoment“ ist bei der Wiederherstellung der Ausgangssituation wünschenswert. Das Verhältnis zwischen den drei Teilen ist 1:2:1, verteilt auf die insgesamt zur Verfügung stehenden Sendeminuten.

Abspann – Im Abspann läuft oft noch einmal die Musik aus dem Vorspann und neben den Credits werden gelegentlich Outtakes oder ein Standbild aus der Folge im Hintergrund gezeigt. Im Fernsehen ist der Abspann meist nicht zu sehen, sondern wird bereits durch einen Werbeblock ersetzt.

Figuren und Konflikte

Im Zentrum der Sitcom steht nicht die Situationskomik, sondern die Charaktere der Hauptfiguren. Die Stärke der Charaktere ist auch die Stärke einer Sitcom-Serie. Dabei ist es wichtig, dass die Zuschauer die jeweiligen Darsteller mit ihrem typischen Charakter schnell erfassen können. Dadurch sollen auch neue und unregelmäßige Zuschauer ohne Probleme die Spielregeln der jeweiligen Sitcom erkennen können. Wichtig ist dabei auch die äußere Erscheinung einer Figur, also die Kleidung und die Frisur, aber auch die Gestik, Mimik und die Art, wie sich eine Figur artikuliert. Schon anhand seiner äußeren Erscheinung kann der Typus einer dargestellten Person leicht eingeschätzt werden. Sitcom-Figuren handeln immer getreu ihres einmal etablierten Charakters. Um glaubwürdig zu sein, muss die Handlung der jeweiligen Figur entsprechen. Wichtig ist nicht nur, die Eigenheiten der jeweiligen Person darzustellen, sondern auch ihre Beziehung zu den anderen Figuren genau zu definieren. Aus diesen Verhältnissen sollen nämlich reichlich Motive für Konflikte entstehen.

Ausschlaggebend für den Erfolg einer Sitcom ist auch ein gewisses Maß an sympathischer Ausstrahlung, über das die Charaktere verfügen sollten. Ist eine Figur eher unangenehm, so sollte es auch ein paar ausgleichende Charakterzüge geben.

Vorhersehbarkeit ist ein weiterer zentraler Aspekt für die Entwicklung der Figuren und der Episodenstoffe. Daher ist es wichtig, die Figuren schlüssig zu entwickeln und ihren Charakter deutlich hervor treten zu lassen. Denn vorhersehbar ist nur, was leicht und schnell zu durchschauen ist. Nur wenn der Zuschauer weiß, wie eine Figur denkt, fühlt und wie sie mit schwierigen Situationen umgeht, kann er die sich allmählich entwickelnde Spannung nachvollziehen. Häufig sind die Situationen nur deshalb so knifflig, weil die Figuren sie so empfinden und sich damit selbst im Weg stehen. Spannend ist, wie sich eine Figur aus einer prekären Situation windet und einen Weg zurück zur stabilen Ausgangssituation findet.

Was macht Sitcoms so populär?

Sitcoms appellieren zielsicher an das menschliche Grundbedürfnis nach Harmonie und Zufriedenheit. Die jeweiligen Figuren müssen sich kontinuierlich gegen die Bedrohung durch äußere Einflüsse wehren.

Ingken Wehrmeyer, Online-Redakteurin, Ingken Wehrmeyer

Ingken Wehrmeyer - Ingken Wehrmeyer ist sowohl ausgebildete Juristin als auch Journalistin. Die 47-jährige Mutter von zwei Kindern hat in allen ...

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