
- In der Faultierstation bekommen die Tiere Hilfe. - K.Aldenhoff
Wer nach Brasilien reist und in den Bundesstaat Bahia kommt, kann mit etwas Glück seltenen Tieren begegnen - hautnah. Mitten in der Mata Atlantica, dem atlantischen Küsten-Regenwald, betreibt eine brasilianische Biologin eine Urwaldstation für Faultiere, in der bis zu 80 dieser seltenen Tiere leben. Sie kümmert sich um die hilflosen Tiere, die in Brasilien vielen Gefahren ausgesetzt sind. Für Reisende ist es ein Erlebnis zu sehen, wie sie die Faultiere versorgt und wieder in die freie Natur entlässt, sobald sie stark genug sind zu überleben.
Faultiere sind seltene Tiere im brasilianischen Regenwald
Faultiere sind bedrohte Tiere, weil sie in Brasilien immer noch gejagt werden, sich nicht wehren können, auf den neu angelegten Küstenstraßen überfahren werden und sich nicht mehr so frei vermehren können wie früher. Denn der brasilianische Urwald weist inzwischen so große Lücken auf, dass die Regenwaldabschnitte am Atlantik nicht mehr miteinander verbunden sind und die Faultiere nur noch in einzelnen Regenwald-Inseln leben. Die Biologin Verinha - in Bahia nennt man sie die „Mutter der Faultiere“ -, ist jeden Tag in ihrer Urwaldstation, entfernt die Zecken von den kuscheligen Tieren, gibt ihnen Vitaminspritzen und Aufbaupräparate und sorgt dafür, dass sie immer frische Blätter bekommen. Faultiere sind Vegetarier, aber wählerisch. Sie verschmähen die exotischen Früchte des Regenwaldes und schieben sich lieber ein Urwaldbaumblatt nach dem andern in den zahnlosen Mund.
In der Urwaldstation in Bahia werden verletzte Faultiere gepflegt
Seit die brasilianische Biologin vor 12 Jahren anfing, sich um die Faultiere zu kümmern, ist ihre Hilfsstation in der Mata Atlantica etwa 300 Kilometer südlich von Salvador da Bahia immer mehr gewachsen. Es hat sich herumgesprochen, dass sie verletzte und kranke Tiere entgegennimmt, von krankheitsübertragenden Parasiten wie Zecken befreit und wieder hochpäppelt – genau wie verlassene Faultier-Babies, die sie am liebsten den ganzen Tag mit sich herumschleppt. Denn die Kuscheltiere brauchen Körperkontakt und sind alleine völlig hilflos. Die Biologin erklärt allen, die auf der Reise durch Bahia in die Urwaldstation bei Itabuna kommen, dass Faultiere ihr Leben in den Baumkronen der Urwaldriesen verbringen: äußerst genügsame Tiere, die den ganzen Tag lang Blätter fressen, sich wie in Zeitlupe bewegen und immer mal wieder ein Nickerchen einlegen.
Reisende fragen: Wie kommt das Moos auf das Faultierfell?
Nur alle paar Wochen kommt ein Faultier einmal von seinem Baum herunter, um unten sein Geschäft zu verrichten. Faultiere haben keinen andern Schutz vor Feinden - etwa vor Raubvögeln - als ihre langen scharfen Krallen und die Tarnung durch ihr Fell. Die ist allerdings nahezu perfekt. Da sie sich so langsam bewegen und fast reglos oben in den Bäumen herumhängen, ist ihr langes Rückenfell mit grünlichen Moosen bewachsen, so dass sie von unten so gut wie gar nicht zu sehen sind. Denn Faultiere hängen mit dem Kopf nach unten in den Bäumen, so dass ihr weiches Fell herunterhängt und nur wenig Licht auf das Rückenfell trifft - ideale Lebensbedingungen im feuchten Regenwaldklima für Moose und Flechten. Darüber staunen die Reisenden aus Europa bei einem Aufenthalt in der Urwaldstation für Faultiere am meisten.
