Eine Weinprobe im privaten Rahmen organisieren

Rotwein im Degustationsglas - Marko Greitschus / PIXELIO
Rotwein im Degustationsglas - Marko Greitschus / PIXELIO
Abends Freunde zu sich einladen und eine Weinverkostung ausrichten. Wie geht das?

Besteht der Freundeskreis aus Weingenießern und vielleicht sogar Weinkennern, da liegt es nahe, gemeinsam zu verkosten und zu diskutieren. Wem schmeckt welcher Wein am besten und warum? Dies kann natürlich in Weinhandlungen geschehen, die solche Veranstaltungen für Gruppen organisieren. Oder man besucht ein Weinseminar. Mit der richtigen Vorbereitung lässt sich eine Verkostung aber auch zu Hause ausrichten.

Was braucht man für eine Weinprobe?

Neben der Hauptsache, dem Wein, benötigen Sie Wasser und Weißbrot, um zwischen zwei Weinen den Geschmack zu neutralisieren. Als Brot eignet sich am besten Baguette. Bitte kein gesäuertes Brot und auch kein Ciabatta mit Oliven. Das ist zwar sehr lecker, aber nicht geschmacksneutral. Auch wenn es im privaten Rahmen stattfindet, eine Käseplatte – so gut sie prinzipiell zu Wein passt – hat bei einer Weinprobe nichts zu suchen. Käse verfälscht den Eindruck des vergorenen Beerensaftes.

Als Gläser eignen sich perfekt die genormten Degustationsgläser, die auch vom INAO, dem französischen Institut für kontrollierten Ursprung, empfohlen werden. Sie sind sowohl für Weiß- wie auch Rotweine gedacht. Die Gläser für das Wasser können eine beliebige Form und Farbe haben. Ferner brauchen Sie für die Blindverkostung neutrale Manschetten für die Weinflaschen, die nummeriert werden. Nur der Gastgeber weiß, welcher Wein sich dahinter verbirgt.

Wer die Verkostung ausrichtet, sollte sich die Mühe machen und Angaben zum Wein zusammentragen, die später den Freunden ausgehändigt werden. Ganz nach der Devise, was man schwarz auf weiß hat, kann man getrost nach Hause tragen – und dort noch einmal nachschauen, wie der Winzer seinen Wein beschrieben hat und wie man ihn selbst empfand. Dies macht zwar etwas Mühe, aber so erfährt jeder etwas über Wein, Anbau, Terroir, Weinbereitung und vieles mehr.

Die Wahl der Weine

Die Wahl der Weine liegt ganz beim Gastgeber. Zuerst sollte die Frage geklärt werden, unter welches Motto die Weinprobe gestellt werden soll. Weine aus einer bestimmten Region? Weine einer Rebsorte, aber unterschiedlicher Provenienz, um zu sehen, wie sich die regionalen Gegebenheiten – also das Terroir – und die Kellertechnik auf den Wein auswirken? Es ist ratsam, nicht zu viele Weine anzubieten. Laien können nach dem vierten, spätestens nach dem sechsten Wein nicht mehr deutlich unterscheiden. Das liegt nicht daran, dass sie dann schon zu tief ins Glas geblickt haben, sondern ihnen fehlt schlicht die Übung. Die haben nur die Fachleute, wie Winzer und Sommeliers, die auf eine lange Ausbildung zurückblicken können. Soll sich jeder Gast wie bei einem Seminar Notizen zu dem Wein machen, dann müssen Beurteilungsbögen vorbereitet werden, einer für jeden Wein und pro Teilnehmer.

Wie sieht ein Beurteilungsbogen aus?

Wenn beispielsweise ein Riesling aus unterschiedlichen Anbaugebieten probiert werden soll, dann ist folgendes Blatt mit diesen Kategorien anzulegen und am Schluss noch etwas Platz für Bemerkungen zu lassen:

Aussehen (anzukreuzen wahlweise: klar – trüb / blass – tief; grüngelb – hellgelb – goldgelb)

Geruch: (anzukreuzen wahlweise: reintönig: ja – nein; Intensität: dezent – mittel – intensiv; Aromaausprägung: fruchtig – blumig – pflanzlich – würzig)

Geschmack: (anzukreuzen wahlweise: Auftakt: weich – spritzig; Süße: trocken – süß; Körper: leicht – mittel – voll; Abgang: kurz – mittel – lang; Kohlensäure: unangenehm – erfrischend)

Kurz vor der Weinprobe

Unmittelbar vor der Weinprobe sollte überprüft werden, ob die Weine auch die richtige Temperatur haben und der „Seminartisch“ mit allem eingedeckt wurde. Ferner muss der Raum gut gelüftet sein. Essensgerüche beeinträchtigen das Geruchsempfinden. Bitten Sie auch die Gäste, auf Parfum oder Eau de Toilette zu verzichten. Ebenfalls sollten die Teilnehmer darauf achten, was sie an diesem Tag essen. Es hat Einfluss auf unseren Geschmack, wenn wir zuvor ein Mettbrötchen mit Zwiebeln gegessen haben. Das gleiche gilt für süße Kuchen. Für Raucher heißt es, bitte unmittelbar vor der Verkostung auf Zigaretten verzichten, während der Verkostung ohnehin. Wer zu einer Weinprobe geht, sollte auch nicht kurz davor die Zähne putzen. Der pfefferminzfrische Atem beeinträchtigt die Geschmacksnerven ebenfalls.

Der Ablauf der Blindverkostung

Die Gäste sind da und es kann losgehen. Vom Wein Nr. 1 wird jedem eingeschenkt. Fassen Sie das Glas am Fuß oder Stiel und halten Sie es gegen das Licht. Dann lassen Sie es leicht kreisen, sodass der Wein im Glas schwingt und beobachtet werden kann, welche Farbe und Konsistenz er hat. Wie in der Schule wird dies jetzt auf den Beurteilungsbogen eingetragen. Im zweiten Schritt kommt die Nase zum Einsatz. Der Wein wird nochmals im Glas geschwenkt, damit er seine Aromen entfalten kann. Wonach riecht der Wein? Das Ergebnis wird wieder notiert. Als Letztes darf probiert werden. Der Wein wird im Mund bewegt und es wird beurteilt, wie der erste Eindruck ausfällt. Nachdem dann endlich der erste Schluck genommen wurde, zeigt sich, ob der gute Tropfen auch nachhaltig ist. Welche Aromen wurden jetzt festgestellt? Alles wird festgehalten.

Damit das Ganze nicht zu verschult daherkommt, ist jetzt der Moment, sich über die Eindrücke auszutauschen. Der Gastgeber hat natürlich einen Wissensvorsprung, denn er weiß, was sich hinter Flasche Nr. 1 verbirgt, und hält sich entsprechend mit Äußerungen zurück, wundert sich aber vielleicht, dass ihm der Wein anders schmeckte als vom Winzer angekündigt. Zwischendurch wird etwas Wasser getrunken und ein Stück Brot gegessen. Die Gläser werden abgeräumt und es gibt neue für den zweiten Wein. Sind nicht ausreichend Gläser vorhanden, reicht man ein Gefäß herum, in das jeder seinen restlichen Wein gießt, das Glas mit klarem Wasser ausspült und auch das entsorgt. Nun geht es weiter mit Wein Nr. 2.

Sind alle Weine verkostet, hat jeder und jede den Lieblingswein gefunden. Nun wird auch das Geheimnis gelüftet, was sich hinter den Flaschen 1 bis 4 (oder 6) verbirgt. Da kann es einige Überraschungen geben. Wer zuvor noch behauptete, ein Riesling aus dem Rheingau sei ihm zu säurebetont, hat ihn vielleicht auf Platz 2 in seiner persönlichen Hitliste erhoben. Ebenso kann es passieren, dass der doch recht teure Riesling aus Franken vom Pfälzer Riesling getoppt wird. Wer gerade einen harten Bürotag mit viel Ärger hinter sich hat, findet vielleicht den Elsässer-Riesling wunderbar, während er sonst das Stahlige und Mineralische an einem Mosel-Riesling bevorzugt. Es gibt viele Faktoren, die sich auf unser Geschmacksempfinden auswirken, einmal ganz abgesehen von der Tagesform. Zahlreiche Studien haben ergeben, auch Weintrinker sind manipulierbar.

Quellen:

  • Beat Koelliker, Michael W. Pleitgen: Viniversitaet - Kursbuch Wein, Hallwag-Verlag, 2005
  • wein-plus.de

Bildnachweis: Marko Greitschus / pixelio.de

Vera Carius, Sieke-Marthe Hamann

Vera Carius - Meine Geburtsstadt ist Hannover, dort wo man angeblich das beste Deutsch spricht. Nach dem Studium der Romanistik und Geschichte in ...

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