Ghostwriter gesucht: das sollten Kunden wissen

Ghostwriting-Agentur oder Direktauftrag? Wie finde ich den passenden Ghostwriter für mein Projekt?

Für ein Projekt – sei es eine Autobiografie oder eine Rede – einen Ghostwriter zu finden, funktioniert ein wenig anders als einen Handwerker zu engagieren. Da genügt häufig ein Rundruf in der Bekanntschaft, um einen Tipp zu bekommen. Einen Ghostwriter haben dagegen wohl die wenigsten bisher in Anspruch genommen, zumindest offiziell. In Deutschland wird Ghostwriting meist verbunden mit dem illegalen Schreiben von akademischen Abschlussarbeiten. So eilt den Geistern hierzulande, oft zu unrecht, ein zweifelhafter Ruf voraus. Sie scheuen das Licht der Öffentlichkeit, inserieren nur selten in den Gelben Seiten oder der Tagespresse. Googlt man dagegen "Ghostwriter gesucht" erscheinen über 23.000 Treffer, Tendenz steigend. Wie also den passenden Geist fürs Projekt finden? Grundsätzlich gibt es zwei Möglichkeiten: Agentur oder Direktauftrag an den Ghostwriter.

Die Ghostwriting-Agentur

Eine Agentur tritt als Vermittler zwischen dem Kunden und dem Ghostwriter auf. Das heißt, die Ghostwriting-Agentur verfügt über eine gut gefüllte Datenbank mit Spezialisten aus verschiedenen Fachrichtungen.

Ihre Aufgabe ist es, den passenden Geist für ein Projekt zu finden. Die Agentur übernimmt die Auftragsabwicklung und ist erste Ansprechpartnerin für Kunden und Ghostwriter.

Wolfgang Klinghammer unterscheidet drei Agenturtypen:

  • Etablierte Agenturen im oberen Preissegment: Sie verfügen über zahlreiche freie Mitarbeiter und die Wahrscheinlichkeit, den passenden Schreiber zu finden, ist aufgrund der Angebotsbreite relativ hoch.
  • Allround-Agenturen im mittleren Preissegment: Sie konkurrieren mit den etablierten Agenturen und versuchen, diese vor allem über den Preis auszustechen. Dafür riskiert der Kunde Klinghammer zufolge Qualitätseinbußen, da auch mal ein fachfremder Ghostwirter den Auftrag übernimmt.
  • Anbieter auf Schülerniveau: Hier schreiben Scheinselbstständige, Schüler und Studenten zu oft unwürdigen Dumpingpreisen. Das Problem für den Kunden: Die Schreiber werden aus verständlichen Gründen daran interessiert sein, möglichst viele Seiten in möglichst kurzer Zeit zu produzieren.

So ist es sicher nicht ratsam, sich allein vom Preis leiten zu lassen. Wer Honorare auf Praktikantenniveau bezahlt, darf keine Meister-Texte erwarten. Zudem nimmt der Auftraggeber eine moderne Form von (Honorar)sklaverei in Kauf.

Agenturen bieten dem Auftraggeber eine gewisse Sicherheit. Vor allem die im höheren Preissegment sind um zufriedene Kundschaft und um den guten Ruf bemüht und daran interessiert, dass nur hochwertige Texte den Kunden erreichen. Der Preis für die Sicherheit ist allerdings die Provision, die neben dem Autorenhonorar an die Agentur zu zahlen ist.

Den Ghostwriter direkt beauftragen …

… spart zunächst einmal Geld, konkret die Provision der Agentur. Dafür kostet die Auswahl des Geistes oft mehr Zeit. Ghostwriter ist keine geschützte Berufsbezeichnung. Jeder kann sich eine Webseite einrichten und seine Dienste anbieten. Und auf den ersten Blick ist es schwierig zu erkennen, ob ein Anbieter seriös oder unseriös ist, geeignet für den konkreten Auftrag oder nicht. Ghostwriter können oft keine Referenzen oder Arbeitsproben anbieten, da nur die wenigsten Auftraggeber bereit sind, öffentlich genannt zu werden. So bleiben nur der persönliche Kontakt und ein Blick in die Vita des potenziellen Auftragnehmers. Die meisten Ghostwriter werden sich aber bemühen, auch selbst zu veröffentlichen. Auftraggeber sollten sich diese Publikationen anschauen und sehen, ob Themen und Stil zum Auftrag passen. Für den persönlichen Kontakt ist genügend Zeit einzuplanen. Nur so kann sich der Kunde ein genaueres Bild über die Fähigkeiten des Ghostwriters machen. Wichtig ist dann, bereits am Anfang genaue Absprachen zu treffen. Dazu gehören:

  • Thema des Projektes,
  • Ziel des Textes,
  • Umfang,
  • Stil – wenn der Text im Schreibstil des Kunden geschrieben werden soll, sind Probetexte für den Ghostwriter wichtig –,
  • Zeitplanung,
  • Korrekturschleifen,
  • Honorare.

Solche Vorabgespräche und die Angebotserstellung sind in der Regel unverbindlich und kostenfrei. Sie dienen dem Kunden, aber auch dem Ghostwriter, Ansprüche, Motivationen und Kompetenzen abzustimmen: die Basis für eine vertrauensvolle Geschäftsbeziehung. Denn auch für den Ghostwriter ist die Zusammenarbeit mit zufriedenen Kunden motivierender und langfristig gesehen lukrativer. Professionalität zeichnet sich immer dadurch aus, dass die Zufriedenheit des Kunden über dem Interesse steht, einen Auftrag um jeden Preis zu bekommen.

Quelle: W. Klinghammer: Handbuch Ghostwriting. BoD, Norderstedt 2007.

Tina Pruschmann, www.tiloplan.de

Tina Pruschmann - Als Texterin und Ghostwriterin lebe und arbeite ich in Leipzig. Einige Zeit nach dem Studium - Soziologie und Psychologie - gründete ...

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