Einen Text zu Ende schreiben – Schreibprojekte beenden

Kreatives Schreiben - Pia Helfferich
Kreatives Schreiben - Pia Helfferich
Viele Texte werden nie fertig geschrieben, was fehlt ist der Druck eines Abgabetermins. Eine Einführung in das Zeitmanagement für Autoren.

Man würde doch so gerne diesen Roman, die Dissertation, die Autobiografie … schreiben. Aber im Moment passt es nicht so gut, gerade gibt es so viele andere Dinge, die wichtig sind, aber später ganz bestimmt. Später, wenn der richtige Zeitpunkt gekommen ist, wird man diesen Text zu Ende schreiben.

Der richtige Zeitpunkt wird natürlich nie kommen, denn was in so einem Fall fehlt, ist weder die Zeit noch ein Musenkuss, es fehlt eine Deadline. Wenn wir gezwungen sind, etwas bis zu einem bestimmten Termin zu schreiben, dann funktioniert das auch, zwar oft unter Stress und Stöhnen, aber der Text wird fertig. Also müssen wir auch für unsere freien Texte, die nicht unter Zwang entstehen, eine Deadline initiieren. Bloß einen Termin festzulegen nützt leider nicht viel, denn wir wissen, dass wir ihn ohne Konsequenzen überziehen können. Also was tun?

Realistischen Termin finden

Zunächst einmal sollte der Termin der Deadline vernünftig und realistisch sein. Man überschlägt, wie lang der Text ungefähr werden wird, und rechnet aus, wie viel man pro Tag an wie vielen Tagen pro Woche schreiben kann, sodass die Arbeit angenehm bleibt. Statt in Arbeitsstunden nimmt man sich am besten eine bestimmte Wörter- oder Seitenzahl vor, sonst sitzt man am Ende bloß tatenlos die Arbeitszeit ab.

Wenn man auf diese Weise errechnet hat, wie lange man brauchen wird, schlägt man noch einmal 20 Prozent der Zeit für unerwartete Zwischenfälle drauf. Zusätzlich kann es für die Motivation günstig sein, die Deadline mit einem äußeren Ereignis zu koppeln, sodass man beispielsweise bis Silvester oder dem 40. Geburtstag fertig sein will.

Verpflichtung eingehen

Nun hilft es wie gesagt nicht viel, lediglich den Termin zu haben, von ihm muss auch ein gewisser Druck ausgehen. Das erreicht man, wenn man den Termin öffentlich macht. Man erzählt davon so vielen Leuten wie möglich und sucht sich eine Person aus, die den Auftrag erhält nachzufragen, zu motivieren, nachdrücklich auf die fristgerechte Umsetzung zu pochen.

Eine verschärfte Variante kann darin bestehen, dass man für das Nichteinhalten der Deadline eine Strafe vereinbart. Die kann so aussehen, dass man der „Aufsichtsperson“ eine Geldsumme gibt, deren Verlust wehtut. Falls man den Text pünktlich beendet, erhält man das Geld zurück, falls nicht, spendet die Person das Geld einer gemeinnützigen Organisation. In der ultrascharfen Variante wird das Geld einer Organisation gespendet, die man nicht unterstützenswert findet.

Kalender

Um die vermutlich längere Schreibphase durchzuhalten, hat es sich bewährt, einen Kalender gut sichtbar aufzuhängen und jeden Tag durchzustreichen, an dem man sein Schreibpensum erledigt hat. Dabei kann man ein kleines Spiel mit sich spielen: Die Aussicht darauf, eine lange Zeit wirklich jeden Tag zu schreiben, wirkt vielleicht erschlagend, also nimmt man sich vor, vielleicht 25 oder 30 Tage ununterbrochen durchzuhalten und markiert jeden Tag, an dem man durchgehalten hat, auf dem Kalender. Falls man einen Tag ausfällen lässt, muss man vorn mit dem Zählen beginnen.

Zwischenziele einbauen

Für die Motivation ist es auch wichtig, Zwischenziele einzubauen. Wenn ein Kapitel fertig ist, ein weiteres Drittel des Gesamttextes vorliegt oder Ähnliches, dann sollte man das ruhig feiern und es auch all den Leuten mitteilen, denen man zu Beginn von der Deadline erzählt hat, um sich von ihrer Bewunderung und Ermutigung bestärken zu lassen und ihr Interesse für das Projekt zu spüren.

Erfolg ausmalen

Eine weitere Motivationstechnik besteht darin, sich detailliert den Moment auszumalen, in dem man den Text beendet. Wie wird sich das anfühlen? Man liest sich alles noch einmal durch, nickt wohlwollend und klickt auf drucken. Während der Drucker anspringt, macht der Sektkorken plopp. Das will man doch erleben! Dafür unternimmt man gern den nächsten Schritt, schreibt die nächste Seite.

Pia Helfferich, Pia Helfferich

Pia Helfferich - Pia Helfferich ist Autorin und schreibt nebenher Rezensionen und Artikel für die Zeitschriften Federwelt, TextArt und Buchkultur. Sie ...

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