Einen Welpen kaufen: Finger weg von Hundehändlern

Welpenhändler zerstören Hundeleben - Uli Kinitz
Welpenhändler zerstören Hundeleben - Uli Kinitz
Welpenhandel - ein qualvolles Geschäft. Noch immer gibt es Menschen, die ihren Welpen aus Unwissenheit oder Gleichgültigkeit beim Hundehändler kaufen.

Das Interesse an Rassehunden ist ungebrochen, und vor allem billig und leicht zu bekommen müssen sie sein. Das erkennen auch immer mehr dubiose Geschäftemacher und degradieren Welpen zu profitabler Wühltischware.

Seriöse Hundezüchter sind seitens ihrer Rassehunde-Verbände verpflichtet, tierschutzrelevante Vorgaben einzuhalten. Und sie tun es gern, denn gute Züchter sind Liebhaber ihrer Hunderasse. Anders sieht es bei Hundehändlern aus. Ob legal in Zoogeschäften oder illegal auf Märkten und Hinterhöfen: der Hundehandel ist unkompliziert und preiswert für die Käufer, lukrativ für die Händler, aber eine Qual für die Hunde. Erst vor vor wenigen Tagen musste die Tierschutzorganisation Peta gegen geplanten Hundehandel erneut aktiv werden.

Woher die Welpen kommen

Welpen im Hundehandel stammen nicht von seriösen Züchtern, die in den großen Rassehunde-Verbänden organisiert sind. Die Vereine schreiben ihren Mitglieder die tierschutzgerechte Haltung und artgerechte Aufzucht verbindlich vor und verbieten die Weitergabe an den Hundehandel oder an Tierversuchslabore.

Die kleinen Geschöpfe, die in Zoofachgeschäften, auf Märkten, Parkplätzen oder in Hinterhöfen präsentiert werden, kommen aus unkontrollierten Privat- und Massenzuchten - so genannte Wildzucht. Auf seriöse Zuchtziele wie langfristige Gesunderhaltung und Festigung des Charakters einer Hunderasse wird hierbei kein Wert gelegt.

Der Großteil der Welpen wird heute aus osteuropäischen Ländern wie Polen, Rumänien oder Ungarn importiert. Aber auch dubiose deutsche Hobbyzüchter beteiligen sich am schnellen Geld des organisierten Hundehandels.

Tierschutz im legalen Hundehandel

Hundehändler, die ihr Gewerbe legal betreiben, rühmen sich damit, dem Tierschutz in besonderem Maße Rechnung zu tragen. Dabei geht es um Lächerlichkeiten, die jedem gewissenhaften Hundehalter vor Lachen die Tränen in die Augen treiben, wenn es nicht so traurig wäre: Tageslicht, artgerechtes Spielzeug und Flächen, deren Größe über den Richtlinien liegt, werden als besonders lobenswert herausgestellt.

Dass die Welpen viel zu früh von der Mutter getrennt werden, eine strapaziöse Anreise hinter sich haben, bevor sie in ihren Glaskästen sitzen und tagtäglich von neugierig glotzenden Besuchern belagert werden, erwähnt niemand. Und genau diesen Welpentouristen ist nicht klar, welche Leiden für den Welpen vorprogrammiert sind: stressbedingte Krankheiten, Infektionen und Sozialisationsfehler während der Prägephase führen dazu, dass das Supermarktschnäppchen zum Kostenfaktor und verhaltensauffälligen Hund wird. Doch so unkompliziert der Welpentourist heute an einen Rassehund kommt, so leicht wird er ihn morgen wieder los. Tierheimen und Nothilfestellen steht in den nächsten Jahren eine neue Schwemme lästig gewordener Hunde bevor.

Tierquälerei in der Hundezucht - Tierschutzvereine decken grausame Zustände auf

Drei große Tierschutzorganisationen haben in einem Gemeinschaftsprojekt eine dreiteilige Videodokumentation zum Thema Wühltischwelpen - nein Danke! veröffentlicht, die die kriminellen Machenschaften der Hundehändler und das Elend der Hunde ungeschönt aufdecken. An dem Projekt haben sich der Bund gegen Missbrauch der Tiere (bmt) e.V., Tasso e.V. und der Europäische Tier- und Naturschutz (ETN) e.V.beteiligt.

Das Elend der Hunde aus Wild- und Massenzuchten beginnt bei den Elterntieren. Zuchtrüden und Hündinnen, die bei jeder Läufigkeit bis ins hohe Alter gedeckt werden, vegetieren oft in unhygienischen Zwingeranlagen ohne menschlichen Kontakt und ohne ausreichende veterinärmedizinische Versorgung vor sich hin. Die Kraft reicht meist nicht mehr für eine ausreichende, hochqualitative Milchproduktion aus: die Welpen bekommen entweder zuwenig Nahrung oder werden mit minderwertigen Ersatzprodukten aufgezogen.

Entsprechend schwach ist das Immunsystem. Infektionskrankheiten und der Befall mit Endo- und Ektoparasiten sind in vielen Zuchtanlagen gang und gäbe. Parvovirose, Staupe, Würmer und Flöhe belasten den Organismus des Welpen und bringen oft den frühen Tod.

Welpen, die die ersten Wochen überleben, steht nach der meist viel zu frühen Trennung von der Mutter die nächste Strapaze bevor. Der Transport zum Zielort dauert, gerade aus den osteuropäischen Ländern, oft viele Stunden oder Tage. Die Welpen werden in Pappkartons verpackt und treten ihre Reise ohne Nahrung und Wasser an - damit sie sauber bleiben und auf Märkten oder Hinterhöfen gut präsentiert werden können.

Wer Glück hat, überlebt und gerät in verantwortungsvolle Hände mit viel Geld. Geld benötigt der neue Besitzer nicht wegen des Kaufpreises, sondern wegen der oft immensen Folgekosten beim Tierarzt. Kaum ein Welpe übersteht die Bedingungen einer Wild- und Massenzucht unbeschadet.

Auch der Tierschutzverein Vier Pfoten macht auf die Gefahren des Welpenhandels aufmerksam. Scheinbar ohne Erfolg, denn noch in diesem Jahr wird in Duisburg ein weiterer Hundehändler seine Türen für Welpentouristen öffnen.

Welpentourismus - wie Hundehändler potentielle Welpenkäufer finden

Welpentouristen sind die Zielgruppe skrupelloser Hundehändler. Geiz, Beratungsresistenz, Naivität oder mangelndes Verantwortungsbewusstsein scheinen die Haupteigenschaften dieser Menschen zu sein. Anders lässt sich der blühende Welpenhandel nicht erklären, denn mit etwas Verstand und Aufmerksamkeit kann man die Tricks der Hundehändler erkennen.

Hundehändler gehen strategisch auf ihre Zielgruppe ein. Ein ständiger Vorrat an verschiedenen Rassehunden gewährleistet, dass für jeden etwas dabei ist. Über die Hunderasse erhält der Käufer meist keine kompetente Auskunft: Fragen zu Charakter, Aufzucht und Pflege werden mit allgemeingültigen Aussagen abgeblockt. So kommt auch ein Herdenschutzhund plötzlich als liebevoller Familienhund oder freundlicher Begleithund in unerfahrene Hände.

Die tapsigen, kleinen Welpen mit den Kulleraugen schauen traurig aus ihren Behältnissen, und die Preise sind ein echtes Schnäppchen für einen Rassehund. Der Kauf ist unkompliziert, werden doch meist keine dummen Fragen nach Hundeerfahrung oder Haltungsbedingungen gestellt. So bekommt die Tochter beim sonntäglichen Einkaufsbummel ein neues Spielzeug, die Ehefrau ein Valentinsgeschenk und die Schwiegermama ein Dankeschön. Dankeschön findet man ein paar Monate später angebunden an einem Rastplatz.

Schlimmer geht's immer - Onlineversand Frei Haus

Hundehändler können ganz offiziell als Inhaber eines Zoo-Fachhandels agieren, im Hinterhof oder auf Parkplätzen Kartons voller Welpen präsentieren oder als angebliche Privatperson in einem hübschen, eigens für diese Zwecke angemieteten Einfamilienhaus ihre Ware feilbieten.

Als seien diese Vertriebswege noch nicht schlimm genug, sind nun auch Online-Hundehändler auf dem Vormarsch. Während der unbedarfte Hundekäufer seine Ware auf Märkten wenigstens noch begutachten kann, liefern Onlinehändler Welpen à la carte und versandkostenfrei. Ganz einfach den gewünschten Artikel im Internet anklicken, in den Warenkorb legen und mit Kreditkarte bezahlen. Aber gut, dass wir ein Tierschutzgesetz haben.

Simone Hofmann, Simone Hofmann

Simone Hofmann - Mit der MediDogs Ausbildungsstätte für Therapiehunde, Besuchs- und Assistenzhunde habe ich mir meinen Traum verwirklicht, ...

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