
- Rassehunde nur von Züchtern oder Nothilfe kaufen - Simone Hofmann
Rassehunde sind groß in Mode, und je nach dem, was gerade im Kino läuft oder welcher Hund von Prominenten gehalten wird, boomt der Verkauf bestimmter Hunderassen. Trotzdem stehen Deutscher Schäferhund, Teckel und Golden Retriever noch immer ganz oben auf der Beliebtheitsskala, aber auch Chihuahua und Englische Bulldogge können sich nicht über mangelndes Interesse beklagen. Seltene Rassen wie der Landseer oder Irish Wolfhound erleben ebenfalls einen Aufschwung. Um die Nachfrage zu decken, tauchen immer mehr Anbieter und Hundehändler auf. Für den Interessenten stellt sich die Frage, wo er seinen neuen Weggefährten kaufen soll. Meist ist der Kaufpreis entscheidend, zum Nachteil des Hundes.
Hunderassen: Vielfalt durch Zucht
Seit der Domestikation der Hunde vor mehr als 10.000 Jahren hat der Mensch mit der Hundezucht eine enorme Vielfalt erschaffen. Durch die Selektion von Merkmalen sind Hunderassen entstanden, die sich vom äußeren Erscheinungsbild und vom Charakter teilweise erheblich unterscheiden. Der kynologische Weltverband FCI (Fédération Cynologique Internationale) führt mittlerweile über 300 Hunderassen. Bezieht man die nicht mit einem offiziellen Standard geführten Rassen ein, sind es weit über 800. Angesichts dieser Vielfalt kann der Hundehalter die eigenen Vorlieben hinsichtlich Größe, Pflegeaufwand oder Verwendungszweck bei der Auswahl berücksichtigen. Ist die Entscheidung getroffen, folgt die Suche nach einer geeigneten Adresse für den Wunschhund.
Erste Adresse für einen Welpen: seriöse Züchter
Züchter sind einem Rassehunde-Zuchtverein angeschlossen, der die verantwortungsvolle Hundezucht gewährleisten soll. Darunter ist die langfristige Festigung und Verbesserung von Charakter, Erscheinungsbild und Gesundheit einer Hunderasse zu verstehen. Die Zucht findet unter Berücksichtigung tierschutzrelevanter Aspekte statt. In den Zuchtbestimmungen ist zum Beispiel geregelt, wie oft eine Hündin gedeckt werden darf, dass Welpen menschliche Zuwendung bekommen müssen und nur gechipt, geimpft und entwurmt an geeignete Interessenten abgegeben werden dürfen.
Die meisten Zuchtvereine in Deutschland sind unter einem Dachverband zusammengeschlossen, dem Verband für das Deutsche Hundewesen e.V. (VDH). Der VDH und die einzelnen Zuchtvereine führen aktuelle Züchter- und Welpenlisten, informieren über die gewünschte Rasse und vermitteln Notfälle. Sie leisten ebenfalls Hilfestellung bei der Frage, wie man einen seriösen Hundezüchter erkennen kann.
Viele Kaufinteressenten schreckt der hohe Kaufpreis eines Rassehundwelpen ab. Berücksichtigt man aber die Tierarztkosten, die beim Erwerb eines Hundes aus einer Wildzucht oder bei einem Hundehändler entstehen, so sind die gesparten 200,00 bis 500,00 Euro ein lächerlicher Betrag, den man als verantwortungsvoller Hundebesitzer in einen lebensfrohen, gut sozialisierten und gesunden Welpen investieren sollte.
Erste Adresse für erwachsene Rassehunde: Tierheime und Nothilfestellen
Unzählige Hunde verschiedener Rassen warten auch in Tierheimen und auf Pflegestellen auf ein neues Zuhause. Und für fast jede Rasse gibt es Nothilfe-Einrichtungen, die bei den Rasseverbänden erfragt oder leicht über Suchmaschinen gefunden werden können. Dazu gibt man die gesuchte Rasse und die Stichworte Nothilfe oder in Not ein.
Viele Notfälle haben eine schlechte Vergangenheit, wurden gequält oder ausgesetzt. Erfahrene Hundehalter können mit Geduld, viel Ruhe und Einfühlungsvermögen das Vertrauen der Hunde zurück gewinnen und haben einen dankbaren Gefährten. Andere Hunde werden aus privaten Gründen wie Scheidung oder Umzug abgegeben. Der Vorteil für viele Interessenten: diese Hunde haben meist schon einen guten Grundgehorsam, sind stubenrein und werden oft gegen einen geringen Unkostenbeitrag, aber mit Schutzvertrag abgegeben.
Wildzucht – unkontrollierte Zucht und ihre Folgen für die Hunderasse
Unter einer Wildzucht kann man die Ambitionen einiger Hundebesitzer verstehen, der geliebten Hündin einmal einen Wurf zu bescheren, die Kasse kurzfristig aufzubessern oder selbst preisgünstig an einen Welpen zu kommen.
Zwar können die Elterntiere Papiere haben, gesund und charakterstark sein, aber schon die Partnerwahl findet in der Regel ohne Hintergrundwissen statt. Dem Zuchtziel seriöser Hundezüchter – Erhaltung und Förderung von Gesundheit, Wesen und Erscheinungsbild einer Rasse – wird damit keinesfalls Sorge getragen. Die Verpaarungen finden meist unter Missachtung aller genetischen Grundregeln statt; auf wichtige Kriterien wie Ahnenverlustkoeffizient oder Inzucht wird nicht geachtet.
Stammen schon die Elterntiere aus unkontrollierter Zucht, besteht die Gefahr der Vererbung lebensbedrohlicher Erkrankungen und beeinträchtigender Fehlbildungen. Und diese müssen sich nicht schon beim ersten Wurf zeigen: viele genetische Defekte und Veranlagungen kommen erst Generationen später zum Vorschein.
Auch mangelt es den selbst ernannten Hobbyzüchtern an ausreichender Kenntnis, wie der Geburtsvorgang zu unterstützen ist, wie die Welpen und die trächtige oder laktierende Hündin ernährt werden und wie Welpen in den ersten Lebenstagen und -wochen artgerecht sozialisiert werden.
Hundehandel - gewissenlose und profitorientierte Tierquälerei
Der Handel mit Hundewelpen wird in Deutschland nicht gestoppt. Viele erinnern sich, wie sie als Kind in Kaufhäusern vor Glaskästen mit kleinen Welpen gestanden haben - diese Zeiten sind wieder da, wie unlängst die Tierschutzorganisation Peta berichtete.
Hier ist dringend mehr Aufklärung und Protest erforderlich, denn diese Form der Hundevermehrung hat mit Hundezucht nichts zu tun. Hündinnen, die bei jeder Läufigkeit bis ins hohe Alter gedeckt werden, werden entsorgt, wenn sie keine Würfe mehr bringen. Welpen werden viel zu früh von der Mutter getrennt und leiden in ihren Verkaufsbehältnissen unter einem enormen Stress. Krankheiten und Verhaltensstörungen sind die Folge - aber ein Rassehund muss es sein.
Fazit: Einen Welpen kauft man beim Züchter, wenn es ein Rassehund sein soll
Wer sich einen körperlich und seelisch gesunden Welpen anschaffen möchte, investiert einige Euro mehr und kauft seinen Hund bei einem anerkannten Rassehunde-Verein.
