Ein Neuer wird in eine Nervenheilanstalt eingeliefert: Randle P. McMurphy, ein sich verrückt stellender Krimineller, der auf diese Weise dem Straflager entgehen will. Er beginnt, gegen die Unterdrückung der Anstaltsleitung anzuarbeiten, bis er mit Elektroschocks stillgestellt und am Gehirn operiert wird. Danach vegetiert McMurphy nur noch vor sich hin, und wird schließlich von seinem Freund, dem Indianer, getötet.
Dieser Film wurde 1975 gedreht; er ist ein Plädoyer für Menschlichkeit und Individualismus. Er zeigt die Rebellion gegen bisher anerkannten Mächte, ohne politisch korrekt sein zu wollen.
Jack Nicholson in seiner Paraderolle
Jack Nicholson, der durch diese Rolle berühmt wurde, spielt den McMurphy. Er ist nicht „verrückt“, er ist nur ein unangepasster Exzentriker, der seinen Aufenthalt in der Anstalt als Spiel ansieht. Wenn es in seinen Augen funkelt, spüren alle – Insassen wie Personal – seine Freude daran, die Menschen anzustacheln, sie aufzuwecken aber auch sie zu provozieren. Es gelingt ihm, einige der Patienten aus ihrer Starre zu wecken. Auf diese Art ermutigt er sie zur Revolte, die in ein wildes Fest ausufert. Es kommt zu einer Katastrophe, die schon vorher in der Luft zu liegen schien – und am Ende geht der Alltag in der Anstalt weiter, als wäre er nie gestört worden. Nicholsons Mimik ist die große Kraft des Films – er ist die herausragende Figur. Er spielt den Verrückten, den unordentlichen, ungepflegten, grimassierenden, wilden Typen. Antagonist ist Oberschwester Ratched, gespielt von Louise Fletcher. Mit stocksteifer Haltung und Miene regiert sie ihre Welt.
Die Parabel des Films
In dem Mikrokosmos eines Irrenhauses wird das Ungleichgewicht der Welt und eine extreme Form der gesellschaftlichen Manipulation dargestellt. Die Insassen stehen sinnbildlich für die Gesellschaft, während Ärzte, Schwestern und Pfleger die Staatsmacht repräsentieren. Damit sind die „Irren“ Opfer der personifizierten Staatsmacht, denn das Personal besitzt alle Mittel, um sie im Zaum zu halten: Das Recht ist auf ihrer Seite, die Medikamente und nicht zuletzt die Gewalt. In den Therapiesitzungen bekommen die Patienten keine echte Hilfe, sondern werden gedemütigt. Es gibt keinen Ausweg, der Welt der Anstalt zu entkommen.
In diese eingefahrene Welt dringt der Außenseiter McMurphy ein, der das System durchschaut und es durchbrechen will. Doch es ist ein Kampf, den er nicht gewinnen kann. Als er das erkennt, ist es zu spät – sein Übermut und auch seine Hoffnung auf Verbesserung haben ihn in eine tödliche Falle getrieben.
Der „Häuptling“ hat anscheinend den besten Weg gefunden, das unterdrückte Leben zu ertragen: Er stellt sich taubstumm. Obwohl er sehr groß und stark ist, hat er es nie gewagt, sich aufzulehnen.
Adaption des Romans „Einer flog über das Kuckucksnest“
Ken Kesey schrieb den Roman, nach dem der Film gedreht wurde, und stellte den Indianer in den Mittelpunkt, was dem Film kaum noch anzumerken ist. In seinem Roman wird auf unheimliche Art das nächtliche Summen der Maschinen beschrieben, das der Geschichte einen besonderen Reiz verleiht – im Film kommt dies gar nicht vor. Der Selbstmord einer Romanfigur fehlt im Film; dafür wird die Geschichte von dem jungen Billy, einem Stotterer, überzogen dargestellt. Viele Feinheiten und Andeutungen des Buches werden übergangen und der gesellschaftskritische Ansatz wird verallgemeinert. Anscheinend hat das alles dem Film eher genutzt als geschadet: Er gewann fünf Oscars und spielte 60 Millionen Dollar ein.
"Einer flog über das Kuckucksnest" / "One flew over the cuckoo’s nest"
USA 1975
Regie: Milos Forman
Drehbuch: Lawrence Hauben, Bo Goldman, nach dem Roman von Ken Kesey
Produktion: Michael Douglas, Saul Zaentz
Darsteller: Jack Nicholson, Louise Fletcher, Brad Dourif, Bill Sampson, Danny DeVito, Christopher Lloyd, u.a.
Quellen:
Adolf Heinzlmeier, Berndt Schulz: Kinoklassiker. Rasch und Röhring Verlag, 1986.
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