Margareta Steudel hat den Kennerblick. Zielstrebig steuert sie einen Rosenbusch an, schnuppert, pflückt einige dunkelrote Blüten ab und legt sie in ihr Körbchen, in dem bereits Exemplare in rosa und pink auf ihre Verarbeitung warten. „Erst mal sollte man an den Rosen riechen“, verrät die gebürtige Wienerin. „Je intensiver eine Rose duftet, desto intensiver schmeckt sie auch.“ Und da das Aroma früh morgens am stärksten ist, ist Margareta Steudel immer schon kurz nach Sonnenaufgang unterwegs.
Sie weiß genau, wovon sie spricht: In der Bioland Rosenschule Ruf im hessischen Bad Nauheim-Steinfurth ist sie die Expertin für die Rosen-Zubereitung, einmal im Monat bietet sie Gästen ihre Köstlichkeiten bei einer Rosen-Verkostung an. "Manche Leute haben mir schon erzählt, dass sie die Rezepte zu Hause nachgemacht haben" erzählt sie ein bisschen stolz.
Ausschließlich ungespritzte Rosen sind essbar
Doch Vorsicht: Zwar eignet sich prinzipiell jede Rosenart zum Verzehr. Doch gegessen werden dürfen nur ungespritzte Bio-Rosen, auf keinen Fall einfach solche vom Discounter. „Bei Rosen aus dem eigenen Garten muss man sich ganz sicher sein, dass sie lange nicht gespritzt, nicht chemisch behandelt wurden“, erklärt Chefin Sabine Ruf. Bei ihr werden ausschließlich Öko-Rosen angebaut, die nie mit chemischen Pflanzenschutzmitteln in Kontakt kommen. Die kann man auch kiloweise bestellen, um Rosengerichte zu zaubern.
Nicht waschen
Margareta Steudel ist zufrieden mit ihrer Auswahl, trägt ihr Rosenkörbchen in die Küche. Sie nimmt eine Blüte nach der anderen heraus und klopft sie kräftig auf ihrer Hand aus. „So fallen zum Beispiel kleine Käfer heraus“, erklärt sie. Waschen darf man die Rosen nämlich nicht, sonst verlieren sie ihr Aroma.
Mit einer schnellen Handbewegung dreht sie die Blütenblätter aus dem Stil und legt sie auf ihr großes Schneidebrett, neben dem bereits ein beeindruckend großes Messer liegt. „Ich schneide die Rosenblätter jetzt klein – so, wie man es normalerweise etwa mit Schnittlauch macht.“ Ganz fein werden die Blüten gehackt, damit sie dem Gast nachher nicht im wahrsten Sinne des Wortes im Halse stecken bleiben.
Rosen-Frischkäse
Neben Margareta Steudel steht schon alles bereit, was sie für die Zubereitung der Speisen noch braucht: eine handelsübliche Packung Frischkäse, ein Pfund Butter, Rosensalz, kleine Windbeutel, eine Spritztüte. Sie gibt die kleingehackten Rosenblätter auf den Frischkäse, erst mal nicht zu viel: „Wenn man es übertreibt, kann es schnell seifig schmecken“, erläutert die Köchin. „Erstmal ein bisschen nehmen, abschmecken – dann kann man immer noch Blätter nachgeben.“
Mit einer Gabel vermischt sie Rosenblätter und Frischkäse, schmeckt mit Rosensalz ab, füllt das ganze in den Spritzbeutel und spritzt die Käse-Rosen-Mischung in die aufgeschnittenen Windbeutel. In kürzester Zeit ist die erste Spezialität fertig – optisch wie kulinarisch ein Genuss.
Die Farbe ist wichtig
„Ich arbeite sehr gerne mit dunklen Rosen“, verrät Margareta Steudel. „Die sehen meist am schönsten aus. Für Torten eigenen sich natürlich auch rosa Blüten – bei weißen Rosen allerdings sollte man vorsichtig sein: Schneidet man sie klein, werden die Blüten sehr schnell braun. Und das sieht nicht schön aus.“
Butter und Sahne
Der Frischkäse mit den kräftig roten Rosenblättern auf jeden Fall macht viel her – genauso wie die Rosenbutter, die die Köchin auf gleiche Weise herstellt: Kleingehackte Blüten mit weicher Butter vermischen, dann auf ein Brot oder Baguette streichen – fertig ist Spezialität Nummer zwei.
Dieses Prinzip wendet Margareta Steudel auch für die süße Rosen-Variante an: Mit gehackten Rosenblättern verfeinerte Schlagsahne oder Creme eignet sich hervorragend für leckere, ausgefallene Kuchen.
Rosige Getränke
Und natürlich müssen die Gäste auch bei den Getränken nicht auf Rosen verzichten. Mineralwasser mit einem Schuss Rosensirup – ein einfaches, süßes Erfrischungsgetränk. Ein bisschen Rosensirup im Kaffee mit Sahne, verziert mit einem ganzen Rosenblatt: Sieht nicht nur schön aus, es schmeckt auch edel. Das ganze lässt sich natürlich je nach Geschmack und Anlass mit Rosenlikör variieren oder als Rosensirup-Prosecco.
Rosenverkostung in Bad Nauheim
Jeden ersten Samstag im Monat bietet Margareta Steudel eine Verkostung ihrer Rosendelikatessen in der Rosenschule Ruf an – nach Voranmeldung, für sieben Euro pro Person. Und manchmal gibt es auch Rosen-Kochkurse, Rosen-Malkurse, Rosen-Filzkurse. Egal, was sie mit Rosen macht – Margareta Steudel ist immer mit ganzem Herzen dabei. Sie liebt Rosen einfach, in allen Variationen.
