Destillation bezeichnet die Trennung flüssiger Stoffe durch Verdampfen und anschließendes Wiederverflüssigen. Die erste Beschreibung dieses Verfahrens stammt von dem griechischen Philosophen Aristoteles (384 bis 322 vor Christus), der über die Gewinnung von Trinkwasser aus dem Meer berichtete. Destillation beruht auf dem Prinzip, dass Flüssigkeiten verschiedene Siedepunkte haben, das heißt, bei welcher Temperatur sie anfangen, sich in Dampf oder Gas zu verwandeln. Diesen Dampf leitet man in einen anderen Behälter, kühlt ihn auf dem Weg dorthin ab, wodurch er kondensiert, also wieder flüssig wird, und in das Sammelgefäß fließt. Mit dieser einfachen Methode hat man zum Beispiel in Kuwait Trinkwasser aus Meerwasser gewonnen.

Fast alle modernen Kolonnen sind durch horizontale Böden unterteilt

Soll eine Flüssigkeit in ihre Bestandteile aufgespalten werden, deren Siedepunkte nahe beeinanderliegen, reicht die einfache Destillation nicht mehr aus. Dann kommt die "fraktionierte Destillation" zum Einsatz. Dazu wird in den Kopf des geheizten Destilliergerätes vor den Kühler eine sogenannte Kolonne eingesetzt. Die Kolonnen haben verschiedene Größen und Formen. Meist handelt es sich dabei um Röhrchen, die mit kleinen Glasperlen, Metallringen oder Ähnlichem gefüllt sind.

Der aufsteigende, heiße Dampf beginnt bereits in der Kolonne zu kondensieren, tropft wieder in den Destillierkolben zurück, fällt dabei durch die weiter aufsteigenden Dämpfe und verdampft selber wieder. Durch diese Prozedur wird erreicht, dass erst nur der Dampf der leichter flüchtigen Flüssigkeit, der mit dem niedrigsten Siedepunkt durch die Kolonne in den Kühler und in den Auffangbehälter gelangt. Fast alle modernen Kolonnen sind durch horizontale Böden unterteilt. Die Dämpfe steigen durch Löcher in den Böden hoch und die Flüssigkeit fließt von einem Boden zum nächsten ab.

Durch die Vakuum-Destillation wird Schmieröl gewonnen

Vor allem in der Ölindustrie spielt die fraktionierte Destillation eine große Rolle, denn Rohöl ist ein Gemisch aus vielen unterschiedlichen Stoffen. Es besteht hauptsächlich aus ringförmigen und langkettigen Alkanen. Aber auch Stoffe wie Benzol und seine Abkömmlinge sowie organische Schwefelverbindungen finden sich darin. Deshalb muss Rohöl mithilfe der Destillation in verschiedene Produkte zerlegt werden.

Als Erstes kommen Gase, Rohbenzin und Rohkerosin durch die Kolonne, aus deren Mittelteil man die Gasöle entzieht und aus dem unteren die Heizöle. Aus den verbleibenden Rückständen wird durch eine Vakuum-Destillation noch Schmieröl gewonnen. Für diese Prozedur wird der Luftdruck im Destilliergerät durch eine Pumpe künstlich heruntergesetzt. Damit sinkt auch der Siedepunkt vieler Substanzen (Wasser kocht beispielsweise bei dem geringen Luftdruck in 5000 m Höhe schon bei 84°C). Dieses Verfahren wurde entwickelt, weil sich bestimmte Substanzen bei Temperaturen über 350°C leicht zersetzen.

Quelle: Hugh Aldersey-Williams: "Das wilde Leben der Elemente: Eine Kulturgeschichte der Chemie", Carl Hanser Verlag 2011, ISBN 3-4464-2686-8