Einladung zum Tee in der Sahara

Die Zubereitung von grünem Tee nach der Tradition der Tuareg

Tee in der Sahara - Amma Agada
Tee in der Sahara - Amma Agada
Das Volk der Tuareg in der Sahara bereitet den Tee nach einer alten Zeremonie zu. Chinesische Seefahrer brachten den Tee nach Arabien und Ostafrika.

Der Tee spielt in allen nordafrikanischen Ländern und auch in der Sahara eine gesellschaftliche Rolle. Ist der ankommende Fremde oder Besuch als Freund erkannt, so wurden ihm zur Begrüßung früher - da und dort auch noch heute - Kamelmilch und Datteln angeboten. Dann erfolgt der Empfang mit dem heißen grünen Tee. In einer feierlichen Zeremonie wird der Gast dabei symbolisch in den Frieden und den Schutz des Zeltes aufgenommen. Es wäre eine Beleidigung, die Einladung zum Tee abzuschlagen. Die mit Würde und Feierlichkeit vorgenommene Zubereitung des Tees ist wird nach überliefertem Ritual ausgeübt.

Die Zubereitung des Tees in der Sahara

Zu der Teezeremonie gehören: der Wasserkessel für kochendes Teewasser, zwei kleinere Teekännchen, ein Glas, das ziselierte Messing- oder Silbertablett mit den Teegläsern und Zucker. Die Zeremonie der Zubereitung kann regional und auch länderübergreifend durchaus mit kleinen Varianten erfolgen.

Zuerst wird mit heißem Wasser, das wieder ausgeschüttet wird, die Teekanne erhitzt, dann grüner chinesischer Tee in die erste Kanne gegeben und kochendes Wasser zugegossen. Bei kurzem Schwenken wird der Tee gleichmäßig durchweicht und das Wasser sofort wieder abgegossen. Nun wird die Kanne mit Wasser befüllt und aufgekocht. Währenddessen gibt man Zucker in eine zweite Kanne. Es ist nun Zeit sich dem Gast zu widmen. Man unterhält sich über das Woher und Wohin, über alltägliche Themen. Nach einer Weile wird der Sud der ersten Kanne in die zweite gegossen. Der Tee wird durch Umgießen von der zweiten Kanne in ein größeres Glas mit dem Zucker vermischt. Dabei gleicht es einem Kunststück aus möglichst großer Entfernung zielsicher in das kleine Teeglas einzugießen. Es bildet sich Schaum, der in die Gläser verteilt wird. Das Kännchen wird noch einmal erhitzt, da der Tee inzwischen abgekühlt ist, anschließend verteilt man den Tee in die Gläschen. Während das erste Glas getrunken wird, wird die erste Kanne mit Wasser aufgefüllt und wieder erhitzt. Der zweite Aufguss ist nicht so stark wie der erste. Im zweiten oder dritten Aufguss kocht man Pfefferminzblätter mit, so man welche zur Verfügung hat. Nach dem dritten Glas ist die Teezeremonie beendet.

Je vornehmer der Gast, desto öfter wird die Qualität geprüft, mal etwas Zucker, mal etwas Pfefferminze dazu gegeben bis schließlich die Gläschen gefüllt und – manchmal auch mit Pistazien – gereicht werden. Dazu wird oft süßes Gebäck angeboten.

Es werden immer drei Gläser gereicht – aber nicht etwa aus einer einmal gefüllten Kanne, sondern für jedes Glas wiederholt sich jeweils die ganze Prozedur. So kann sich eine Teezeremonie lange hinziehen. Man erwarte jedoch kein weiteres Glas Tee. Die Verabreichung eines vierten Glases wäre eine stillschweigende Aufforderung, den Besuch möglichst zu beenden.

Wie der Tee aus China nach Afrika kam

Gäste mit Tee zu bewirten ist eine elementare Höflichkeitsform im chinesischen Volk. Eine Tasse duftender Tee für den Gast ist eine freundschaftliche Geste. So heißt es in einem alten Gedicht: "Tee für die Gäste aus der Ferne in der kalten Nacht, Eilig facht man zum Wasserkochen das Feuer an."

Die Südliche Song-Dynastie (1127 – 1279) pflegte Handel mit arabischen Ländern sowie mit Italien, Japan und Indien. Quanzhou war damals der Haupthafen für den Außenhandel mit asiatischen und afrikanischen Ländern. Tee aus der heutigen Provinz Fujian wurde in großer Menge ausgeführt.

Die Yuan-Dynastie (1279 – 1368) wurde von den Mongolen, einem Nomadenvolk im Norden Chinas gegründet. Wegen der von ihnen bevorzugten Nahrung - vorwiegend Fleisch und Milchprodukte - war für sie das Teetrinken sehr gesund.

Der chinesische Seefahrer Zheng He aus der Ming-Dynastie (1368 – 1644) führte sieben große Seefahrten durch und erreichte Vietnam, Java, Indien, Sri Lanka, die arabische Halbinsel und die Ostküste Afrikas. Jedes Mal nahm er Tee mit. Zu jener Zeit war das Teetrinken in jenen Ländern bereits allgemein verbreitet.

Diese Länder führten nicht nur Teeprodukte, sondern auch die Anbautechniken aus China ein. Indonesien begann im 16. Jahrhundert mit dem Teeanbau. Sein Hauptanbaugebiet lag auf Sumatra. In den Jahren 1684 und 1731 importierte das Land jeweils Teesaaten aus China.

Dass der chinesische Tee in südostasiatischen Ländern eine neue Heimat gefunden hatte, war von großer Bedeutung, denn diese Länder diente als Brücke, über die der chinesische Tee-Export in die Anrainerländer am Mittelmeer und in die europäischen und afrikanischen Länder ging. So konnte nach der Yuan- (1279 - 1368) und der Ming-Dynastie (1368 – 1644) eine "Teestraße" zum Westen entstehen. Die westlichen Länder führten über die südostasiatischen Länder Tee ein, und Länder mit günstigen Naturbedingungen wurden ebenfalls zu Tee­produzenten. In der Ming-Dynastie und zu Anfang der Qing-Dynastie (1644 - 1911) waren Teeimporte aus diesen Ländern viel billiger als der Import aus China. Der Teeanbau und die Verbreitung des Teetrinkens in diesen Ländern waren zugleich die Voraussetzung für die anschließende Verbreitung der chinesischen Teekultur nach Westen.

Quellen: Auszug aus „Die chinesische Teekultur“ Radio China International (RCI)

Birgit Agada, Amma Agada

Birgit Agada - Frau Birgit Agada ist mit Leib und Seele Touristikerin und studierte Touristikmanagerin (IST). Ihre touristische Laufbahn begann vor ...

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