Einsatz Spuren – Theaterstück über Soldaten und ihre Angehörigen

Eine Lunatiks Produktion (www.lunatiks.de) aus Berlin am Kieler Studio im Schauspielhaus

Als die Zuschauer den Saal betreten liegen die Darsteller bereits verkrümmt auf der Bühne. Von einem erkennt man nur das Bein, der Rest des Körpers bleibt unsichtbar. Das Stück beginnt mit dem Bild eines schlimmst möglichen Szenarios für einen Soldaten im Einsatz: nach einem Angriff liegen die Leichenteile der Kameraden in der Gegend herum.

In ersten Monologen erzählen die Darsteller von den Bildern des Krieges. Blut auf Melonen. Das Verstörende präge sich ein, es seien die Bilder, die in Erinnerung die Schocks lebendig halten und langfristig traumatisieren. War Krieg nicht eigentlich etwas Prähistorisches? Längst überwunden?

Krieg - aus welchen Gründen?

Die Schauspieler agieren in dem Stück immer auch als kommentierende Darsteller. Sie bilden eine Gruppe von fünf Leuten, aus der einer in den Einsatz geht, im Einsatz ist, aus dem Einsatz zurück kommt. Mal spielen zwei gleichzeitig die Mutter eines Soldaten. Sie teilen ihr Unverständnis und ihre Sorgen mit. Es ginge so schnell, noch bevor sie eigentlich die Erfahrungen der eigenen Mutter aus dem zweiten Weltkrieg mit dem Einsatz ihres Sohnes vergleichen und voneinander trennen könne.

Überhaupt, Trennung. Während der Soldat vor dem Einsatz mit Spannung von Gefahren im Einsatz faselt, machen die Daheim Bleibenden schon Pläne für jeden möglichen Ausgang. Während des Einsatzes lernen sie, ohne sie/ihn leben zu können. Trennung finde statt, nicht nur räumlich, sondern auch psychisch. Es offenbare sich die Qualität der Beziehungen. Viele gingen schon während des Einsatzes auseinander. Selbst die absurden Versuche, Sexualität auf Distanz zu leben, werden auf der Bühne thematisiert. Fernbeziehungen unterliegen im kriegerischen Einsatz wohl einer besonderen Dramatik.

Gedanken, Bilder, Versuche, Darstellungen

Das Gewicht der Schutzwesten, die Enge des Lagers, die anstrengenden Telefonate mit den Daheim Gebliebenen. Und, wer sind eigentlich diese Afghanen? Unter ihnen sind Freunde und Feinde, Täter und Opfer, mehr erfährt man nicht, denn sie bleiben fremd.

Nach eineinhalb Stunden erleben die Zuschauer einen sehr starken Moment, den verzweifelten Monolog einer jungen Frau, die zur Witwe wurde. In einer abschließenden Geste sucht sie mit starrem Blick die Hand ihres verstorbenen Gatten vergeblich zu greifen. Sie gibt auf.

Nach fast zwei Stunden ist weder der Name eines Politikers noch eines Bündnisses oder Staates gefallen. Das Stück bleibt ausschließlich bei den Soldaten, Ärzten, Pfarrern im Einsatz und den Angehörigen.

Leichtes Theater - schweres Thema

Leichtes Theater, schweres Thema. Auf einer einfachen Bühne wird sowohl der heimische Rasen gemäht, als auch der Sandsturm in Afghanistan simuliert. Ein paar Tassen und etwas Vogelgezwitscher aus den Lautsprechern reichen für die familiäre Atmosphäre. So wirkt das Zittern der Hand überdeutlich. Nach ein paar freundlichen Worten der Familie der plötzliche Wutausbruch. Und immer wieder diese hohen entnervenden Töne der Anspannung. Die Feststellung, dass die Soldaten und Familien noch die nächsten zehn Jahre mit den psychischen Folgen der Einsätze beschäftigt sein würde. Warum nur zehn Jahre?

Applaus für die Darstellung. Das Gastspiel hat die Einsatz Spuren in einem Drama menschlicher Beziehungen gekonnt und beeindruckend auf die Bühne gebracht. Deutlich wurde auch, dass ein Interesse an den Schicksalen der Soldaten und ihren Angehörigen in der Gesellschaft existiert. Und alle nicht prominenten Beteiligten scheinen auf der Suche nach dem Sinn des Einsatzes zu sein. Was bleibt sind Ratlosigkeit und offene Fragen.