Längst ist die Zeit der Fächer vorüber, als sich im Rokoko die Dame von Stand und Gesellschaft mit ihm schmückte. Madame de Stael (franz. Schriftstellerin 1766-1817), weltgewandt und weitgereist, meinte: "Am Fächerspiel unterscheidet man die vornehme Dame von der gewöhnlichen. Auch die reizvollste und eleganteste Frau, die mit dem Fächer nicht umzugehen weiß, wirkt einfältig.“ Der Fächer ist kein reiner Gebrauchsgegenstand, sondern schmückendes Beiwerk - Accessoire -, aber auch Statussymbol. Seinen weiten Weg nahm der Fächer über den Alten Orient, über Ägypten und etablierte sich im 16. Jahrhundert in Europa. Seine Hoch-Zeit hatte das Symbol der Weiblichkeit zur Zeit des Rokokos (1730-1780). Heute werden kaum noch Fächer gefertigt. Die letzten Fächer-Ateliere Europas sind in Paris, London und Spanien. In Spanien werden vorwiegend Fächer für den Handel mit Souvenirs und so genannte Flamenco-Fächer hergestellt. Anders in Asien, dort sind Fächer bis heute üblich.

Vom gewöhnlichen Wedel zum Fächer

In Ägypten fing alles an. Ein Wedel aus Pfauenfedern fächelte dem Herrn oder der Dame kühlende Luft zu. Im alten Rom kannte man eine andere Fächerart als den Wedelfächer. Diese Art des Fächers bestand aus dünnem Holz, war reich ausgeschnitzt, bunt bemalt und vergoldet. Ob in Ägypten oder bei den Römern, immer wurde der Fächer von Sklaven oder Bediensteten getragen. Selber gab man sich mit dieser niedrigen Arbeit nicht ab. Das europäische Mittelalter benutzte den Fächer nur für sakrale Zwecke. Er war dazu auserwählt, die Fliegen von der Hostie im Kirchenraum fernzuhalten. Als er im 14. Jahrhundert für profane Zwecke in Mode kam - vermutlich als Wedel mit langem Stiel -, war er "Esmouchoir“, ein Mücken- und Fliegenvertreiber.

Im 16. Jahrhundert fanden sich in Europa dann in der Hand gehaltene Fächer, natürlich in der der Damen. Die ersten Fächer sind Faltfächer und die bis heute bekannteste und verbreiteste Fächerart. Diese Fächer kamen über Spanien nach Mitteleuropa und wurden nach der ersten Hälfte des 17. Jahrhunderts ausschließlich verwendet. Da sie parfümiert waren und wohlriechende Düfte verströmten, wurden sie bei den vornehmen Damen besonders geschätzt. Neben dem Faltfächer gibt es weitere, jeweils in verschiedener Anfertigung: etwa den Briséfächer, die einfachste Art des Faltfächers. Weitere Arten sind der Federfächer, Ballon-, Rad- oder Parasolfächer.

Der Fächer als Zepter der Damenwelt

Das 18. Jahrhundert war das der Fächer. Der Fächer als unverzichtbares modisches Accessoire der Dame. Aus Perlmutt, Schildpatt, Elfenbein oder Horn wurden die freingliedrigen Stäbe verfertigt. Einlagen aus Gold oder Silber machten sie zu kostbaren Preziosen. Die Blätter aus Pergament, Seide oder "Schwanenhaut“, einem feinen Ziegenfell, wurden mit Deckfarben bemalt. Häufigste Motive waren Schäferszenen, Allegorien, Chinoiserien. Der Geschmack der Zeit ließ dem Künstler einen breiten Raum. Die aufwendige und teure Herstellung machte den Fächer zum Statussymbol der Damenwelt. Gerne ließen sie sich mit dem Fächer in der Hand porträtieren und verwendeten ihn auf Gesellschaften, um kokett dahinter hervorzublinzeln.

Bei all dieser Fächermanie gab es auch warnende Stimmen. Ein Arzt meinte im Jahr 1774, als die Fächermanie langsam ihrem Ende zuging: "Es ist ausgemacht, das nichts gefährlicher sei als bei erhitztem Leibe einen besonderen Teil desselben geschwinde zu erklälten. Durch den Fächer geschiehet diese unerkannte Sünde wider die Gesundheitsregeln alle Tage, den ganzen Sommer hindurch ...“ Zwar stellte man im Empire hie und da die bezaubernden kleinen Gebilde aus Gold- und Silberflitter noch her. In der Biedermeierzeit (1815-1848) gab es sogar eine kleine Renaissance, doch die große Zeit der Fächer war vorbei. Der Sonnenschirm kam auf, die Fächer fanden nur noch in geschlossenen Räumen Verwendung.

Der Fächer wird zum Deckenfächer und schließlich Sammelobjekt

Der Handfächer lieferte die Vorlage für den Deckenfächer. Er fand vor allem im indischen Raum Verwendung. Der an der Zimmerdecke befestigte "Pankha“ (Hindi für Fächer) war der luxuriöse Vorläufer des Deckenventilators. Bis Ende des 19. Jahrhunderts war er in Indien weit verbreitet. Mit der Erfindung des billiger zu produzierenden Drehventilators wurde der Deckenfächer von diesem mehr und mehr verdrängt.

Was Urgroßmütter und Großmütter gelegentlich noch in den Händen hielten und sich Fächer nannte, war nur noch ein niedlicher Abklatsch der alten Zeit der Fächer. Heute sind Stücke aus Großmutters Zeiten den Freunden des schönen Kitsches willkommen. Gelegentlich lässt sich auf Trödelmärkten durchaus das eine oder andere erlesene Objekt aus dem 18. Jahrhundert ergattern. Nicht einmal überteuert, denn Fächersammler gibt es nur wenige.

Quellenangabe: Lydia Dewiel: Das kleine Buch der Antiquitäten – König Verlag