Einwanderung nach Australien: 1900 - 1958

Skyline von Sydney - PD bearb. GS  / pixelio.de
Skyline von Sydney - PD bearb. GS / pixelio.de
Die Einwanderungsgeschichte Australiens bis 1945 ist bestimmt von Rassismus und Angst vor Überfremdung. Von der Unabhängigkeit und White Australia Policy.

Im Jahr 1900 wurden die australischen Kolonien in die Unabhängigkeit entlassen. Sie erhielten politische Selbstbestimmung innerhalb des Britischen Commonwealth. Nominell der Königin untertan, die weiterhin einen Generalgouverneur bestimmen durfte, ging die eigentliche politische Gewalt auf die weißen Australier über. Diese gründeten daraufhin das Commonwealth of Australia und die bis dato unabhängigen oder konkurrierenden Kolonien wurden in einem Staatenverbund nach britischem Vorbild zusammengeschlossen, nachzulesen im Commonwealth of Australia Constitution Act.

Einwanderung nach Australien: Geburtsstunde der White Australia Policy

Die Gründung des Commonwealth of Australia stellt die eigentliche Geburtsstunde der White Australia Policy dar. Auch wenn die einzelnen Kolonien – wie aufgezeigt – bereits für sich umfangreiche Abwehr- und Diskriminierungsmaßnahmen gegen Nicht-Weiße ergriffen haben, wird nun der ganze Kontinent zur weißen Zone. Im Commonwealth of Australia Constitution Act wird zuerst einmal festgelegt, dass die indigene Bevölkerung, also die Aboriginal People, kein Teil des neuen Staatenbundes sind. Des Weiteren wurden bis 1908 rund 10.000 Südseeinsulaner, die als billige Arbeitskräfte ins Land geschleppt wurden, zwangsdeportiert und ein Einreiseverbot verhängt.

Einwanderung nach Australien: Der Immigration Restriction Act

Der Immigration Restriction Act ist jedoch das eigentliche Schlüsseldokument der Abwehr von unerwünschter Einwanderung. Es legt fest, wer ins Land einreisen darf und wer unter den Passus „prohibited Immigrant“ fällt. Erst einmal legt es fest, dass Menschen, die direkt oder indirekt von Prostitution leben, nicht ins Land einreisen dürfen. Auch geistig Kranke oder dumme Menschen sind von der Einreise ausgeschlossen. Ebenso waren Leute mit ansteckenden Krankheiten unerwünscht. Außerdem konnte der Einwanderer ausgewiesen werden, sollte er in den ersten drei Jahren seines Aufenthalts straffällig werden und zu einer Gefängnisstrafe von einem Jahr oder mehr verurteilt werden.

Einwanderung nach Australien: Der Diktattest

Der Diktattest war jedoch die wirkliche Hürde. Der für die Einwanderung zuständige Beamte konnte eine europäische Sprache seiner Wahl, beispielsweise Gälisch, aussuchen und der Einwanderer musste in dieser Sprache einen Diktattest bestehen, ansonsten war ihm die Einwanderung nicht erlaubt. Dieser Test kann jederzeit in den ersten fünf Jahren des Aufenthalts gefordert werden. Diese Klausel wurde möglichst allgemein und vorsichtig formuliert, um eventuelle Verbündete wie die Japaner oder indische Bürger des Britischen Commonwealth nicht direkt vor den Kopf zu stoßen.

Einwanderung nach Australien: Der Diktattest zur Abwehr unerwünschter Einwanderung

Damit es keine Missverständnisse in der Handhabung des Diktattest gibt, folgte 1902 eine geheime Anweisung an die zuständigen Behörden, in der festgelegt wurde, dass der Diktattest grundsätzlich so eingesetzt werden sollte, dass keine nicht-weiße Zuwanderung stattfinden konnte. Ebenso konnte der Diktattest gegen unerwünschte europäische Zuwanderung, wie beispielsweise Italiener, genutzt werden. Das Gesetz blieb, mit leichten Modifizierungen, bis 1958 in Kraft und Australien bis tief ins 20. Jahrhundert eine rein weiße Veranstaltung.

LINKS:

Die Legende vom Südkontinent und die Entdeckung Australiens

Einwanderung nach Australien: 1788-1850

Einwanderung nach Australien: 1850-1900

Einwanderungsland Australien: Vom Mono- zum Multikulturalismus

QUELLEN:

Laidlaw, Ronald: Mastering Australian History, Melbourne 1988.

Scott, Ernest (Hg.): Australia, 2. Aufl., Sydney 1988.

Matthäus, Jürgen: Nationsbildung in Australien von den Anfängen weißer Besiedlung bis zum Ersten Weltkrieg (1788-1914), Frankfurt a. M. 1993.

Clark, Manning: A Short History of Australia, 6. Aufl., Sydney 1969.

Alexander Schelling, Urheber: Christine Mansel

Alexander Schelling - Als freier Journalist für das "Medienbüro Arbeitswelt" (Berlin) tätig (seit 2003). Themenbereiche: Migration, ...

rss