Einzigartiges Kulturzentrum auf Mallorca zeigt Urlaubern Kunst

Rosa Kaktus - Sonja Bill
Rosa Kaktus - Sonja Bill
Das Kulturzentrum CCA in Andratx ist eine Oase moderner Kunst auf Mallorca. Im Urlaub lohnt sich ein Ausflug in den Südwesten der Insel, nach Andratx.

Die Gründerin des Kulturzentrums Andratx (CCA) Patricia Asbaek lacht, lässt sich den selbstgebackenen Apfelkuchen des hauseigenen Cafés schmecken und genießt die Frühlingssonne, die in den Innenhof fällt. Hier am Fuß des Tramuntanagebirges wurde 2001 ein einzigartiges Projekt eröffnet. „Kein Museum, keine Galerie und keine Künstlerresidenz. Sondern alles zusammen“, erzählt die Halbdänin und Halbfranzösin. Über 40 Jahre lang leitete sie in Kopenhagen mit ihrem Mann eine führende Galerie, dann kam sie in den 90er Jahren nach Mallorca, verliebte sich in die Insel und vor allem in ein Stück Land in Sa Coma, nördlich von Andratx. Eigentlich wollten die Asbaeks ein Kulturzentrum in Südfrankreich gründen, aber die Insel Mallorca und ihre gute Infrastruktur überzeugte das Galeristenehepaar schnell. Sieben Jahre wartete sie auf die Baugenehmigung für ihr außergewöhnliches Projekt, die Erschaffung einer „Oase für Kunstliebhaber“.

Oase für Kunstliebhaber auf Mallorca

Jetzt steht das Gebäude eines mallorquinischen Architekten mit hohen steinverkleideten Mauern; 4000 Quadratmeter Fläche werden eingerahmt von Bergen und Orangenbäumen und Extreme wurden verbunden. Von außen wirkt der Bau ein wenig wie ein Bunker, innen ist er luftig und hell und verfügt über einen großen Innenhof mit Säulen und Arkaden, den Asbaek auch „Klosterhof“ nennt, wegen seiner Ruhe und den samstäglichen Tai-Chi-Kursen.

Hier im Innenhof stehen auch die Korbstühlen des Cafés, auf einem davon sitzt Patricia Asbaek und sagt feierlich: „Und all das haben wir ohne Sponsoren geschafft“.

Contemporary Europe Art Guide

Und jetzt wird das CCA als einziges privates Kulturzentrum im aktuellen „Contemporary Europe Art Guide“ gelistet, genau dort, wo der Kunstinteressierte nur die bedeutendsten europäischen Museen, Galerien und Kunstinstitute zeitgenössischer Kunst findet. Asbaek hält den bekannten Kunstführer mit der rosafarbenen Aufschrift in die Höhe, ist stolz und freut sich auf die Künstler, die in diesem Jahr das CCA bevölkern.

Ein Stipendiatenprogramm ermöglicht Künstlern einen Aufenthalt im CCA. „Dieses Jahr hatten wir 320 Bewerber“, 20 werden dann von einer Jury ausgewählt und wohnen, arbeiten und stellen im CCA für eine Saison aus. Jurymitglied ist der Kunstkritiker und Poet Barry Schwabsky aus New Jersey, der auch in diesem Jahr noch eine Ausstellung zum Thema Sprache und Kunst im CCA machen wird.

Internationale Künstler zeigen ihre Kunst in Andratx, im Südwesten von Mallorca

Außerdem erarbeitet ein Kuratorenteam Ausstellungen, jedes Jahr werden vier große Ausstellungen in der Kunsthalle organisiert. International bekannte Künstler wie Martin Parr, Carl-Henning Pedersen, Markus Oehlen, Torben Giehler, Juan Muñoz und Lucy McKenzie zeigten ihre Werke hier schon. Ein Raum im CCA ist jedoch allein für mallorquinische Künstler reserviert.

Direkt am Eingang trifft der Besucher auf einen gewaltigen rosafarbenen Kaktus, der gut zu dieser Kunstoase inmitten der Natur passt. Und wahrlich Kunst und Natur liegen hier im CCA nah beieinander. Als der irische Foto- und Installationskünstler Michael Clegg vom Klettern im Tramuntanagebirge zurückkam, dachte Asbaek, seine Klettergurte wären eine Installation, erzählt sie lachend und mit humorvoller Arbeitseinstellung.

Berliner moderne Kunst auf Mallorca

2010 wird es ganz viel Berlin im CCA geben. Warum? „Berlin ist die Kunstmetropole“, antwortet Asbaek. „Jeder geht gerade nach Berlin“, ergänzt ihr Sohn Martin, der eine Galerie in Kopenhagen leitet.

Und die Asbaeks holen Berlin nach Mallorca. „The Berlin Box“, heißt die Ausstellung, die Anfang April eröffnet wurde und bis Oktober zu sehen sein wird. Unter der Leitung der Kuratorin Friederike Nymphius stellen hier über 60 Kunstschaffende aus Berlin (darunter Hanna Schwarz, Markus Sendlinger, Isabell Heimerdinger, André Butzer u.a.) aus und ermöglichen einen umfassenden Einblick in die aktive zeitgenössische Berliner Kunstszene. Ebenfalls eröffnet wurde im April die Ausstellung „Paradise Lost Holidays in Hell“, die bis Ende Juni 2010 zu sehen sein wird und „alte Kunst“ (Bilder und Skulpturen) mit „neuer Kunst“ (Videoart und konzeptioneller Kunst) verknüpft.

Das Kulturzentrum bietet neben Kunst weitere Veranstaltungen: Tangokurse, Weinverkostungen und Konzerte

Leben und Arbeiten der Künstler wird flankiert von zahlreichen Veranstaltungen, von Klavierkonzerten über Tangonächte und Weinverkostungen bis zu Folkloreevents. Ein facettenreiches Kulturzentrum ist hier - beinahe unmerklich - entstanden und lädt tagsüber Kunstliebende ein, während renommierte Künstler in den Ateliers arbeiten und am Wochenende im Pool schwimmen. Abends kommen dann die Musikliebhaber oder die Paare zum Tangotanz. „Genau das ist die Philosophie dieses Ortes“, meint Martin Asbaek und blickt auf sein Iphone, das hier unter den Arkaden im Innenhof Internet findet.

Für Touristen, Urlauber und Kunstinteressierte lohnt sich der Besuch des Kulturzentrums auf Mallorca

Der Besuch des CCA lohnt für Kunstinteressierte und auch für Kunstsammler, denn die meisten Ausstellungsstücke sind käuflich zu erwerben. Ebenfalls zu erwerben sind zahlreiche handverlesene Designprodukte im Laden des CCA. Wer sich weniger für Kunst interessiert oder wessen Geldbeutel Lust- und Kunstkäufe unmöglich macht, der findet dennoch im Innenhof bei einem Stück hausgemachten Apfelkuchen von Oscar, dem emsigen Ober und Küchenchef, Ruhe und Entspannung.

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