Eis - ein paradiesischer Genuss

In Sizilien begann der Siegeszug von Eis, Sorbet und Granita

Die Araber haben die Zutaten für die Eisherstellung nach Sizilien gebracht, in Paris eröffnete der erste Salon und heute warten die Italiener auf das Ende des Winters.

„Finalmente, nur noch zwei Wochen“, freut sich Mario und schneidet schwungvoll einen Tag von seinem Kalenderstreifen ab. Es ist nicht das Ende des Militärdienstes, dem Mario entgegenfiebert, es ist kein Examen, kein Urlaub - der 32jährige Polizist zählt die Tage bis in seinem kleinen Wohnort Mazzarone auf Sizilien die Eisdiele wieder öffnet. Zwei Monate lang gönnt sich der Inhaber einen ausgiebigen Jahresurlaub und Mario muss darben, denn für ihn wie für viele Italiener gehört das Eis zum täglichen Leben dazu, wie für andere das abendliche Bier oder die Zigarette nach dem Essen.

Die Araber brachten die Zutaten nach Sizilien

Eiszubereitung und damit auch der Genuss des Eises haben in Italien eine lange Tradition. Der Ursprung liegt in Sizilien. Dorthin führten die Araber bereits im 10. Jahrhundert Zitrusfrüchte, Mandeln und Pistazien ein. Aus dem Saft der Früchte machten die ersten Eishersteller Saft oder eine Art Püree, das mit Milch und Mandeln oder Pistazien aromatisiert wurde. Diese süße Masse wurde dann mit dem Schnee des Ätna gemischt, der seit der Antike bis ins 19. Jahrhundert zur Kühlung und Konservierung der Speisen genutzt wurde. Schön gekühlt war damit das erste Dessert auf Sizilien geboren. Die Araber gaben dieser köstlichen Mischung den Namen "Sherbat"- daraus wurde im Lauf der Jahrhunderte das italienische "sorbetto" oder schlicht Sorbet, wie es auch bei uns heißt.

Sorbet kühlt den Magen und schafft Platz

Damals wie heute hat man das Sorbet nicht nur als Dessert gereicht, sondern vor allem zwischen den einzelnen Speisenfolgen eines ausgiebigen Menüs, denn es neutralisiert den Geschmack, kühlt den Magen und schafft Platz für weitere Gerichte.

Etwas gröber als das feine Sorbet ist die Granita, eine Art Getränk, das bevorzugt aus Zitronen oder Orangensaft zubereitet wird. Vor allem in den Sommermonaten gibt es die Granita in Italien an jeder Straßenecke zu kaufen.

Die Krönung nach Sorbet und Granita ist das cremige Eis, das durch die Zugabe von Eiweiß gebunden wird und durch das Eigelb seine cremige Konsistenz erhält.

Eine Erfindung aus Sizilien, in Paris zu Ruhm gelangt

Der Erfinder der Eiscreme soll Bernardo Buontalenti aus der Toskana gewesen sein. Caterina de Medici, die einen guten Spürsinn für Ausgefallenes und für Qualität hatte, soll das Rezept mit nach Paris gebracht, aber wie ein kostbares Juwel im Louvre verwahrt haben. 1660 hat dann der Sizilianer Procopio Coltelli das erste Eiscafe Procope in Paris eröffnet und damit beginnt der Siegeszug des Eises um die Welt.

Eis zum Frühstück, als Zwischenmahlzeit und am Abend

In Sizilien kommt es in den heißen Monaten bereits zum Frühstück auf den Tisch, meist in Kombination mit einem warmen Brioche oder Brötchen. Dann gibt es ein Eis in der ersten Pause, auch eines in der zweiten, abends beim Flanieren auf dem Marktplatz gehört das Eis zum Ritual der abendlichen Spaziergänge dazu. Die Hersteller werden nicht müde, immer neue Sorten zu kreieren. Ob mit Rosenwasser oder pikant mit etwas Pepperoncino, ob mit den traditionellen Früchten wie Himbeeren oder auch Maracuja und Mandarinen, ob mit Honig, oder Äpfel, Nuss und Mandelkern, das Eis muss cremig sein, leicht und locker und – das jedenfalls behauptet Mario- bei jeder Kostprobe eine Ahnung vom Paradies vermitteln.

Angeblich gibt es das beste Eis bei Corrado Costanzo in der Via Silvio Spaventa 7 in Noto auf Sizilien, allerdings behauptet auch ein Eiscafé in Rom, eine Bar in Perugia, eines mit dem Namen Buontalenti in Florenz, das beste Eis herzustellen- man muss ganz einfach einmal alle Angebote durchprobieren, rät Mario. Voraussetzung: Die Eissalons öffnen endlich wieder ihre Pforten nach der Winterpause.

Irmela Körner, irmela Körner

Irmela Körner - Als Historikerin mit dem Schwerpunkt 19. Jahrhundert zunächst im bunten und kleinteiligen Lokaljournalismus gelandet , dann mehrere ...

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