Junge Eisbären - von den ersten Schritten bis zum Abschied

Raufende junge Eisbären - Peter Sterns
Raufende junge Eisbären - Peter Sterns
Beschreibung vom Heranwachsen der Eisbärenjungen mit ihrer Mutter, ihre Fertigkeiten, ihre Umwelt und ihre Überlebenschancen.

Als kleine 500 g Portion, kaum behaart, taub, noch blind in der Geburtshöhle geboren, wachsen die Eisbärenjungen dank der kalorienreichen Muttermilch rasch heran.

Das Heranwachsen in der Winterhöhle

Nach etwa 24 Tagen beginnen die Jungen zu hören, eine Woche darauf zu sehen. Noch einige Wochen bis sie herum kriechen können. Sind die Jungen schon mobil, erweitert die Eisbärin ihre Höhle. Manchmal gräbt sie eine weitere Kammer dazu. So können die Jungen ihre koordinativen Fertigkeiten bereits in der Höhle besser trainieren. Sie lernen nicht nur ihre Gliedmaßen zu bewegen, sondern beginnen auch wie kleine Kätzchen miteinander zu spielen.

Der erste Ausgang der Eisbärin mit den Jungen

Erst Ende März, Anfang April taucht die Eisbärmutter, je nach Wetterlage und dem Zustand ihrer Kleinen, aus dem Winterlager auf. Die Eisbärin ist dann deutlich abgemagert, das Fell wirkt dünner, man sieht ihr die kräftezehrende Zeit der Mutterschaft an.

Die Jungen sind dann bereits 10 bis 15 kg schwer. Die ersten Tage knabbert sie nur an Flechten und lässt die Jungen einfach nahe dem Höhleneingang toben, während sie sich in der Sonne wärmt. Diese Zeit, bis zu 14 Tage, sind für die Entwicklung der Jungen wichtig. Auch für die Anpassung an das Klima und das derzeit herrschende Wetter, das neue Medium Schnee. Sie werden von der Mutter auch nachdrücklich ins Freie befördert. Die Kleinen nehmen Eis- und Schneeklumpen ins Mäulchen, werfen damit, verfolgen die Klumpen, raufen damit. Sie richten sich auf, tauschen kleine Prankenhiebe aus, täuschen Scheinangriffe vor - kurz - sie üben "Eisbär sein".

Das Verlassen der schützenden Winterhöhle

Erst wenn sie geschickt genug sind, kann sich die Eisbärin mit ihnen auf die Wanderschaft begeben und frische Nahrung besorgen. Die Jungen müssen lernen ihre Befehle „kommen“ oder „bleiben“ zu verstehen und zu befolgen. Während der Wanderung zum Packeis finden häufige Pausen statt, in denen die Jungen gesäugt werden. Sind Eisschollen oder Pressrücken für die Jungen zu hoch, hilft die Mutter oft genug mit ihrer Eisbärennase nach und schiebt sie hoch.

Das Reiten auf der Eisbärin - Sage oder Wahrheit?

Durch tiefen Schnee und durch Wasser werden die Jungen sogar von der Mutter getragen. Laut Erzählungen der Eskimos wurde dieses Phänomen öfter beobachtet. Eine Eisbärin ist mit einem Jungen auf dem Rücken unterwegs, oder überquert einen Wasserlauf und das Junge krallt sich am Rücken fest. Aus purem Spaß? Keineswegs, es ist eine sinnvolle Strategie.

Ausgewachsene Eisbären sind hervorragende Schwimmer und gut an das kalte Wasser angepasst. Dem Nachwuchs fehlt aber noch die schützende Fettschicht. Das Huckepack Tragen im Wasser minimiert erstens den Kontakt zum kalten Wasser und reduziert die Abkühlung der Jungen, außerdem ist es Kräfte sparend. Es erweitert darüber hinaus die Mobilität der Eisbärenfamilie, da die Mutter das oder die Kinder auch über breiteres offenes Wasser führen kann.

Da der wissenschaftlich orientierte Mensch solche Verhaltensweisen erst dann akzeptiert, sobald sie auch dokumentiert und wissenschaftlich beschrieben sind, oder von ihm selbst fotografiert und beobachtet wurden, glaubte man es lange Zeit nicht. Unlängst wurde dies jedoch wie eine große Sensation vermeldet. Ein erfahrener Eskimo hätte wahrscheinlich nur darüber geschmunzelt.

Die Kinderjahre der jungen Eisbären

Die Jungen sind nun etwa 3 bis 4 Monate alt. Ab dieser Zeit beginnen sie bereits von der ersten Beute zu fressen, welche die Mutter nach ihrer Winterruhe erlegt. Die Kombination von Muttermilch und Robbenspeck sorgt für schnelles Wachstum. Nach 8 Monaten wiegt ein Eisbär schon fast 50 kg. Die kleinen Eisbären beginnen schon bald mit eigenen Jagdversuchen. Junge Eisbären sind ungeduldig und ungeschickt, außerdem noch nicht kräftig genug. Da die Jungen gelegentlich die Mutter bei ihren Jagdversuchen stören, haben besonders schlaue Eisbärenmütter eine eigene Taktik entwickelt. Sie wandert, bis die Jungen so müde sind, dass sie einschlafen. Erst dann begibt sich die Eisbärin auf ungestörte Jagd.

Die Vorsichtsmaßnahmen der Eisbärin

Das Meiden von zu dünnem Eis, das Meiden von spitzen Eisnadeln in den Schmelzflüssen, all das lernen die Kleinen von der Mutter. Um erwachsenen männlichen Eisbären auszuweichen, begeben sich die Eisbärinnen mit ihrem Nachwuchs im Sommer mehr über Land, wogegen sich die Männchen vorwiegend an der Küste aufhalten. Männliche Eisbären, besonders wenn sie ausgehungert sind, können dem Nachwuchs gefährlich werden. Allerdings ist sogenannter "Eisbärenkannibalismus" oder auch "Gen-Egoismus" selten.

Die Trauer einer Eisbärin um ihr totes Junges

Langzeitbeobachter erzählen von besonders anrührenden Szenen: "Die Eisbärin kehrte immer wieder zu ihrem verstorbenen Jungen zurück. Sie legte ihre Pfoten auf das Junge, versuchte es auf zu richten. Sie lief ein paar Schritte, lockte es. Kehrte wieder zurück, leckte das Junge ab. Lief wieder fort, stieß klagende Laute aus und kehrte abermals um. Schließlich blieb neben dem Jungen liegen. Erst nach langer Zeit war sie bereit das tote Junge endgültig zu verlassen."

Die Dauer des Zusammenlebens einer Eisbärenfamilie

Während dieser Zeit des Aufwachsens lernen die Jungen das Jagdverhalten der Mutter und werden schließlich nach etwa 2 ½ Jahren von ihr verlassen. Sehr oft bleiben die Jungen dann einige Zeit zusammen, was ihre Überlebenschancen vergrößert. Oft ernähren sie sich hauptsächlich von den über gelassenen Beuteresten von erwachsenen Eisbären, da ihr Jagderfolg noch gering ist. Unter den harten Bedingungen der Arktis überleben die ersten fünf Lebensjahre nur etwa die Hälfte der Jungtiere.

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Artikel zu Eisbären in Zoos: Knut, Flocke, Wilbär oder Giovanna und Yoghi

Quellen:

  • Barry Lopez: Arktische Träume, btb, Juni 2000
  • International Knowledge: Säugetiere;Contmedia Verlag 2008 Burg
  • e.encyclopedia animal, Dorling Kindersley 2005 London

Fotonachweis: sämtliche Bilder von Olinka und den Jungen Arktos und Nanuq aus dem Tiergarten Schönbrunn, WIen: Peter Sterns,Linz

Adele Sansone, Adele Sansone

Adele Sansone - Als Autorin für suite101.de interessieren mich vor allem die Bereiche Pflanzen und Tiere: Wie leben sie heute? Wie sind die einzelnen ...

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