
- Eingang zum Beschucherbergwerk Tiefer Stollen - Volker Wollny
Eisenerz wurde früher an viel mehr Orten gefördert als das heute der Fall ist. So zum Beispiel auch in Ostwürttemberg. Eisen ist ein sehr häufiges Element und praktisch überall in der Erde enthalten, was ihr ihre typische braune Farbe gibt. Auch mehr oder weniger abbauwürdige Vorkommen sind gar nicht so selten.
Heutzutage reist, wie man sagt, das Eisen zur Kohle. Man benötigt nämlich mengenmäßig mehr Kohle als Erz und so ist wirtschaftlicher, dieses zu jener zur transportieren als umgekehrt. Da die heute zur Eisenverhüttung verwendete Steinkohle nur an bestimmten Stellen vorkommt, wurden die Orte mit Kohlevorkommen zu Stahlstandorten wie etwa die Saarregion, das Ruhrgebiet und Oberschlesien.
Eisengewinnung auf der Ostalb im Mittelalter
Früher verwendete man anstatt der Stein- jedoch Holzkohle und die lässt sich überall dort herstellen, wo es Wald gibt. Der war in alten Zeiten in ganz Deutschland vorhanden und so wurde das Eisenerz dort verhüttet, wo man es fand.
Dabei nutzte man auch sehr viel weniger ergiebige Eisenerzvorkommen als heute. In den alten Zeiten waren Transporte schwierig und verteuerten die Waren stark. Daher war es einfacher und billiger, am Ort vorhandenes Eisenerz zu nutzen, auch wenn es nicht besonders wertvoll war, als das Eisen von auswärts zu beziehen.
Bereits im Mittelalter wurden daher auch die Eisenvorkommen auf der Ostalb genutzt. Hier kann man auch heute noch stellenweise das sogenannte Bohnerz finden. Das ist ein Eisenerz, das aus kleinen mehr oder weniger kugeligen Klumpen von Brauneisenstein besteht, die wie rotbraune Kiesel aussehen. Man kann dieses Erz mancherorts einfach aufsammeln, aber es wurde auch danach gegraben. Manche Hülben in den Wäldern der Ostalb sind daher auch gar nicht aus Erdfällen entstanden, sondern sind mit Wasser vollgelaufene Erzgruben.
Bereits im 14. Jahrhundert ist die Nutzung der Bohnerzvorkommen in Ostwürttemberg urkundlich bezeugt. Damals wurde das Erz aus den Erzgruben der Ostalb in für heutige Begriffe kleinen Hüttenwerken im Brenz und Kochertal verarbeitet. Solche Eisenwerke gab es in Heidenheim und Königsbronn, aber auch am Ursprung des schwarzen Kochers bei Oberkochen war einmal eine Erzschmelze. Mit der Zeit wurde der Abbau des Bohnerzes jedoch offenbar unrentabel und so verschwand die mittelalterliche Eisenindustrie der Ostalb.
Eisen aus Wasseralfingen in der Neuzeit
Länger hielt sich der Eisenerzabbau in Wasseralfingen, das früher selbständig war und heute ein Stadtbezirk von Aalen ist. Am dortigen Braunenberg kommen die Brauneisenstein-Körnchen innerhalb einer Eisensandstein-Formation in Form zweier abbauwürdiger Flöze vor. Daher wurde dort der Erzbergbau bis ins zwanzigste Jahrhundert mit modernen Mitteln betrieben.
Das Erz aus dem Bergwerk auf dem Braunenberg wurde in den Schwäbischen Hüttenwerken in Wasseralfingen verhüttet und auch in der angeschlossenen Gießerei und Maschinenfabrik verarbeitet. Weil mit dem Aufkommen von Eisenbahn und Dampfschiff bessere Erze von weiter her in Konkurrenz mit den deutschen Vorkommen treten konnten, wurde die Eisenproduktion immer weniger rentabel. 1925 erlosch der letzte Hochofen in Wasseralfingen. Danach wurde noch eine Weile nach Erz gegraben und dieses zur Verhüttung ins Ruhrgebiet gebracht.
Nach dem Zweiten Weltkrieg wurde in Aalen selbst, im Faber-du-Faur-Stollen am Burgstall noch Eisenerz gefördert bis dieser schließlich 1948 ebenfalls stillgelegt wurde. Heute ist aus der größten Erzgrube am Braunenberg das Besucherbergwerk Tiefer Stollen geworden, wo man die Geschichte der Eisengewinnung in Ostwürttemberg und die Arbeitswelt der Bergleute in der ersten Hälfte des vorigen Jahrhunderts hautnah erleben kann.
