Kann das Eiserne Kreuz, ein Orden, der auch im Zweiten Weltkrieg verliehen worden ist, als Tapferkeitsauszeichnung für Soldaten der Bundewehr Verwendung finden? Genaugenommen sind das zwei Fragen, die kontrovers diskutiert werden.
Tapferkeitsauszeichnung für Soldaten der Bundeswehr
Im Gegensatz zu allen anderen Armeen der NATO verleiht die Bundeswehr bis heute keine Tapferkeitsauszeichnungen an Soldaten, die sich in bestimmten Situationen tapfer gezeigt und bewährt haben. Warum soll ein Soldat, der einem Kameraden oder einem Zivilisten das Leben rettet und dabei sein eigenes aufs Spiel setzt, keinen Orden erhalten können? Beispiele für herausragendes und tapferes Verhalten Einzelner im Einsatz, bei einem Unfall, während einer Katastrophenhilfe oder im Ausbildungsbetrieb gibt es in der Geschichte der Bundeswehr in großer Anzahl. Daher gibt es Überlegungen in der Bundeswehr ebenfalls eine Tapferkeitsauszeichnung einzuführen.
Das Eiserne Kreuz wurde zum Symbol der preußischen Befreiungskriege
Die zweite Frage ist komplizierter und bedarf grundsätzlicher Überlegungen und Kenntnisse.
Für viele stellt das „Eiserne Kreuz“ ein Symbol des Nationalsozialismus dar, obwohl es das gar nicht ist. Das Eiserne Kreuz wurde in der preußischen Armee während der Befreiungskriege gegen Napoleon am Anfang des 19. Jahrhunderts gegründet und eingeführt. Drei Aspekte sind bei der Beschäftigung mit diesem Orden von besonderer Bedeutung.
Ein schlichter Orden für jeden Soldaten, der nur „verliehen“ wurde
Erstmalig wurde es in Preußen möglich, mit Orden nicht nur Generale und Offiziere auszuzeichnen, sondern jeden Soldaten der Armee. Das war damals revolutionär. Der Orden wurde bewusst einfach und schlicht gehalten, eisern eben, und hatte dadurch eine mahnende und keinesfalls glorifizierende Funktion, indem er auf den grausamen Rahmen des Krieges hinwies, in dem sich persönliche Tapferkeit zeigen und ausgezeichnet werden konnte. Und drittens waren die Preußen sparsam. Sie „verliehen“ den Orden nur als Leihgabe bis zum Tod. Er wurde nicht verschenkt und nur in eingegrenzter Stückzahl verteilt. So hatten in Preußen in den Befreiungskriegen etwa 19.000 Soldaten einen Anspruch auf das Eiserne Kreuz erworben, erhalten haben ihn zunächst nur 11.000. Der Rest musste warten, bis ein Ordensträger starb und dieses Kreuz erneut an einen anderen Berechtigten verliehen werden konnte. Manch erhielten ihr Eisernes Kreuz oft erst Jahre nachdem sie den Anspruch darauf erworben hatten.
Das Eiserne Kreuz steht für traditionelle Werte und Tugenden
Die Nationalsozialisten haben das Eiserne Kreuz auch verliehen. Es war ihnen nicht möglich, diese preußische Militärtradition abzuschaffen. Das Eiserne Kreuz war aber niemals Hoheitsabzeichen der Nationalsozialisten. Es stand immer für persönliche Tapferkeit einzelner Soldaten. Die Tatsache, dass die Nationalsozialisten auch das Eiserne Kreuz, wie vieles andere in unserem Land, benutzt und missbraucht haben, wiegt schwer und kann nicht leichtfertig beiseite geschoben werden.
Dennoch kann gerade die Berufung auf eine weit zurück gehende Tradition deutlich machen, dass die Bundeswehr in der Tradition der preußischen Heeresreformer steht. Innere Führung, Verankerung der Armee im Staat, Persönliche Tapferkeit und die Auffassung dass der Bürger eines Landes sein „geborener Verteidiger“ ist, gehen zurück auf die erfolgreichen Reformen im 19. Jahrhundert. Sie zählen viel und gelten mehr als nationalsozialistische Symbole, setzen sich sogar bewusst und klar von diesen ab.
Das Eiserne Kreuz ist schon seit langem ein Symbol der Bundesrepublik Deutschland
Heute tragen alle Flugzeuge der Bundeswehr das Eiserne Kreuz als Hoheitsabzeichen, und auf jeder Bataillonsfahne, die in ihrer Tradition ebenfalls auf das Preußische Heer zurück geht, ist an der Flaggenspitze ebenfalls das Emblem des Eisernen Kreuzes angebracht. Jeder Repräsentant der Bundesrepublik Deutschland fliegt auf Dienstflügen mit einem Flugzeug der Bundesluftwaffe, das mit dem Eisernen Kreuz gekennzeichnet ist. Niemand im Ausland sieht in diesem Symbol eine Erinnerung an den Nationalsozialismus.
