Eislaufen auf offenen Gewässern in Hessen

Zugefrorene überschwemmte Wiesenfläche - Stephanie von Keitz
Zugefrorene überschwemmte Wiesenfläche - Stephanie von Keitz
Ein sibirisches Hochdruckgebiet sorgt in Hessen für eisige Temperaturen und lässt natürliche Gewässer zufrieren. Aber hält das Eis auch?

Eislaufen auf offenen Gewässern wie zum Beispiel zugefrorenen Seen, Bächen, Flüssen oder Teichen in der freien Natur macht sicherlich mehr Spaß als das Schlittschuhlaufen in einem überfüllten Eisstadion. Da das Eisstadion in Lauterbach im Vogelsbergkreis schon seit längerer Zeit geschlossen ist, scheint der diesjährige Winter mit seinen eisigen Temperaturen mit den vielen zugefrorenen Seen, Bächen und Flüssen eine gute Alternative zu bieten. Doch bevor man sich aufs Eis wagt, sollte man einige Dinge beachten und am besten nur auf Gewässern laufen, die offiziell zum Eislaufen freigegeben wurden wie zum Beispiel der Eisweiher am Haselsee im Hessischen Hünfeld. Bei dem Eisweiher handelt es sich um eine vom städtischen Bauhof geflutete Fläche. Der benachbarte Haselsee darf dagegen wegen Einbruchgefahr nicht betreten werden.

Auf vielen Gewässern noch zu dünnes Eis

Der DLRG warnt jedoch, dass auf den meisten natürlichen Gewässern in Hessen das Eis trotz der eisigen Temperaturen noch zu dünn sei. Das Eis sollte bei stehenden Gewässern mindestens 15 Zentimeter und bei fließenden sogar 20 Zentimeter dick sein, damit es sicher betreten werden kann. Besonders bei fließenden Gewässern wie Bächen oder Flüssen mit starker Strömung besteht die Gefahr, dass sie nicht gleichmäßig zufrieren und das Eis an einigen Stellen zwar dick genug sein kann, um zu tragen, an anderen jedoch so dünn, dass man einbricht. Man sollte daher am besten nur bewachte und zum Eislaufen freigegebene Gewässer betreten.

Wer es dennoch nicht lassen kann und das Eis auf dem Dorfteich oder dem zugefrorenen Bach oder Fluss, der durch den Ort fließt, ausprobieren möchte, sollte sich das Eis wenigstens genau anschauen, bevor er sich darauf wagt. Auf jeden Fall sollte berücksichtigt werden, dass durchgehende Minustemperaturen auch tagsüber über einen längeren Zeitraum notwendig sind, um eine tragende Eisfläche auf einem stehenden Gewässer entstehen zu lassen. Fließende Gewässer brauchen besonders lange bis sie zufrieren.

An Flüssen ist zu beachten, dass an Stellen mit relativ ruhigem Wasser die Eisdecke zwar in der Regel dicker ist, jedoch das Wasser unter der Eisdecke insgesamt auch tiefer, das heißt ein Einbruch wäre hier eventuell sehr viel gefährlicher als an einer Stelle, an der der Fluss zwar schneller fließt und die Eisdecke deswegen nicht so dick und die Gefahr des Einbruchs zwar größer ist, aber man sich dafür lediglich nasse Füße holt, wenn man einbricht. Relativ ungefährlich zum Eislaufen bieten sich überschwemmte und jetzt zugefrorene Wiesen- und Ackerflächen an, da man hier nicht so tief einbrechen kann, falls das Eis nicht tragen sollte.

Meiden sollte man auf jeden Fall dunkle Stellen, da diese signalisieren, dass hier das Eis noch zu dünn ist. Zu meiden sind auch Stellen auf Seen, die als Ein- oder Zuflüsse von Flüssen oder Bächen dienen, stark bewachsene Uferböschungen oder verschneite Eisflächen, da hier dunkle Stellen mit dünnem Eis unter der Schneedecke lauern können.

Am besten man sagt vorher Bescheid, wo man laufen will und ein Handy mitnehmen. Sicherer ist es noch, keinen einsamen Spaziergang auf dem Eis zu unternehmen, sondern andere mitzunehmen, die einen im Notfall retten können. Bei einsetzendem Tauwetter, auch wenn die Temperaturen nur an einem sonnigen Winternachmittag wieder über 0°C steigen, sollte man die Eisflächen lieber nicht mehr betreten.

Verhalten bei brüchigem Eis

Befindet man sich auf einer Eisfläche und hört es unter sich knistern und knacken, sollte man sich vorsichtig auf den Bauch legen, damit das Körpergewicht gleichmäßiger auf der Eisfläche verteilt wird und diese so schnell wie möglich auf dem Bauch robbend verlassen. Wenn jemand wirklich einbricht und unter der Eisdecke befindet sich tiefes Wasser, kommt derjenige ohne Hilfe meistens nicht mehr raus. Auch wenn jetzt alles sehr schnell gehen muss, da dem Eingebrochenen Bewusstlosigkeit oder der Tod durch Unterkühlung droht, gilt für Retter, dass sie nicht bis zu dem Eingebrochenen auf dem Eis laufen sollten, damit sie nicht selbst einbrechen. Am besten dem Eingebrochenen Kleidung, Äste, einen Schlitten oder ein Seil reichen, an dem der Eingebrochene sich aus dem Eisloch herausziehen kann. Steht so etwas nicht zur Verfügung, sollten sich die Retter auch auf dem Bauch kriechend auf das Loch zubewegen. Wenn mehrere Retter anwesend sind, bilden diese am besten eine Rettungskette über dem Eis liegend bis zum Ufer. Trotz einsatzbereiter Retter sollte auch immer gleich der Notarzt alarmiert werden und nicht erst dann, wenn schon mehrere Rettungsversuche fehlgeschlagen sind oder der Eingebrochene erfolgreich gerettet wurde.

Nach dem der Eingebrochene gerettet wurde, sollte er so schnell wie möglich erst mal in trockene Decken oder Kleidung gepackt und in einen beheizten Raum gebracht werden. Im beheizten Raum wird die nasse Kleidung gleich ausgezogen und durch trockene ersetzt. Außerdem sollte sich der Gerettete umgehend in ärztliche Behandlung begeben. Hilfreich sind hier auch die Eisregeln des DLRG.

Betreten trotz Freigabe auf eigene Gefahr

Auch wenn die Eisfläche eines Gewässers zum Betreten freigegeben wird, bedeutet das trotzdem, dass der Eiswanderer oder Schlittschuhläufer die Eisfläche auf eigene Gefahr betritt. Das heißt, dass die Stadt oder die Gemeinde, die das Gewässer freigegeben hat, nicht dafür haftbar gemacht werden kann, wenn auf dem Eis doch jemand einbrechen sollte oder auf der glatten Eisfläche stürzt und sich dadurch Prellungen oder Knochenbrüche zuzieht.

Stephanie von Keitz, Foto-Studio Bilder Janson

Stephanie von Keitz - Mein Name ist Stephanie von Keitz. Ich wurde am 17. Juli 1977 in Gelnhausen geboren. Beruflich habe ich schon Einiges hinter mir. Ich ...

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