Eisvogel gleicht hohe Sterblichkeit durch Schachtelbruten aus

Das Leben des Eisvogels ist riskant. Um Verluste auszugleichen, bedient sich der schillernde Zwerg eines besonderen Tricks: er verschachtelt seine Bruten.

Bei vielen Vogelarten ist die Sterblichkeitsrate sehr hoch, vor allem unter den Jungvögeln. So überleben zum Beispiel nur 20 bis 30 Prozent der Jungvögel des Eisvogels bis zur nächsten Brutsaison; natürlich kann sich nur dieser Anteil weiter vermehren und trägt zur Arterhaltung bei.

Gründe für die hohe Sterblichkeit des Eisvogels

Eisvögel brüten in Brutröhren an Uferabbrüchen. Je nach Lage der Brutröhren sind sie sehr sensibel gegen Hochwasser. Bruten in ungünstig gelegenen Brutröhren können bei Hochwasser ertrinken. Auch ist bei Hochwasser die Jagd für die Eisvögel erschwert und es kann passieren, dass Bruten verhungern. Auch ungewöhnlich kalte Winter setzen den „blauen Edelsteinen“, wie Eisvögel auch genannt werden, zu. Durch den Ausbau von Gewässern und das Entfernen der Ufervegetation wird den Eisvögeln Lebensraum genommen. Gegenmaßnahmen sind Renaturierungsmaßnahmen wie momentan an der Havel, siehe Die Untere Havel - Lebensraum für seltene Tiere.

Auch die Fischerei und der Tourismus können den Eisvogel beeinträchtigen. Kanufahrer stören den Königsfischer bei der Jagd; bei zu langer Störung oder Störungen kurz vor Dämmerung kann der kleine Vogel das Nahrungsdefizit nicht mehr ausgleichen. Natürliche Feinde sind Marder, Wiesel und Ratten, die das gesamte Gelege samt brütendem Weibchen vernichten können.

Wie funktioniert die Schachtelbrut?

Um die hohen Verluste ausgleichen zu können, überlappen sich bei Eisvögeln oft die Bruten – dieses Verhalten nennt man Schachtelbrut. Noch bevor die Jungvögel der vorhergehenden Brut flügge sind, legt das Weibchen in einer zweiten Brutröhre Eier und beginnt diese zu bebrüten, während das Männchen die Nestlinge aus der voherigen Brut füttert. Die Schachtelbrut führt zu einem enormen Zeitgewinn - allein das Legen der sechs bis acht Eier dauert etwa eine Woche. So können drei statt zwei Jahresbruten durchgeführt werden und Verluste besser ausgeglichen werden. Nach besonders harten und verlustreichen Wintern kann sich so die Population schneller wieder erholen.

Voraussetzung für den Erfolg von Schachtelbruten ist ein ausreichendes Nahrungsangebot. Nur wenn die Elternvögel genug Nahrung herbeischaffen können, können sie die anstrengende Versorgung der Jungvögel und gleichzeitig das Anlegen des neuen Nestes bewältigen.

Eisvögel sind nicht die einzigen Vögel, die sich dieser Strategie bedienen, um ihre hohen Verluste auszugleichen. Auch viele Eulenarten zeigen dieses Verhalten, vor allem während Mäuse-Gradationen (zeitlich begrenzte Massenvermehrung). Auch domestizierte Vögel wie Tigerfinken verschachteln ihre Bruten oft ineinander; auch hier ist der Auslöser oft das Futter. Allerdings ist das Auftreten von Schachtelbruten meist ärgerlich für den Züchter, denn dabei kann es passieren, dass die Jungtiere beim Anlegen der neuen Brut aus dem Nest geworfen oder nicht weiter gefüttert werden.

Bianca Heidelberg, Bianca Heidelberg

Bianca Heidelberg - Seit meinem Studium der Umwelttechnik, das mir den Titel Dipl.-Ing. (BA) einbrachte, arbeite ich als Umweltschutzbeauftragte für ...

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