
- Die Eisweinlese ist eingebracht - M. Allgaier
2010 könnte ein so wunderbarer Eisweinjahrgang sein. Es ist ungewöhnlich früh schon richtig kalt geworden und wer seine Trauben hängen ließ, brauchte nicht bis zum Jahresende grübeln, ob es dieses Jahr vielleicht gar nichts würde mit der Eisweinlese. Schließlich will am Ende niemand mit leeren Händen dastehen. Die erforderliche Mindesttemperatur von minus 7 Grad war in vielen Regionen schon Anfang Dezember erreicht und die große Kälte hält Deutschland immer noch in Griff. Wer also seine Trauben hängen ließ, konnte wirklich zufrieden sein.
Geringe Erträge bei Eiswein und gesamter Weinproduktion
Doch die meisten Winzer waren dieses Jahr noch vorsichtiger als sonst. War die Traubenausbeute doch in diesem Herbst um einiges geringer als sonst aufgrund der schwierigen Witterungsverhältnisse, die häufig zu vorzeitiger Fäulnis führten. Zunächst war es im Frühjahr lange ziemlich kalt, was die Rebblüte beeinträchtigte. Zwar gab es einen heißen Juli, doch dann war es seit August bis zur Lese im Herbst insgesamt viel zu nass. Wer Wert auf gesunde Beeren legte, musste seinen Traubenbestand, je nach Rebsorte und Lage, teils drastisch reduzieren.
Wenn der Ertrag deshalb schon so gering ist, warum dann noch ein zusätzliches Risiko eingehen und warten, ob es überhaupt kalt genug würde, hat sich manch Winzer gefragt. Wagemut zahlt sich nicht immer aus, „umso erfreulicher ist es, dass dies mit einem frühen Frost belohnt wurde“, so die Geschäftsführerin des Deutschen Weininstituts (DWI) Monika Reule.
An der Mosel wurden dieses Jahr beispielsweise bis zu 215 Grad Öchsle gemessen: Dichte und Zuckergehalt des Traubenmostes sind außerordentlich hoch. Nur einige tausend Liter wird es dieses Jahr voraussichtlich geben, ganz überwiegend aus der Riesling-Traube. Die Exklusivität wird ihren Preis haben.
Hohe Qualität bedeutet viel Aufwand für den Winzer
Schließlich ist die Eisweinbereitung auch ein sehr aufwendiges Geschäft. Wer seine Trauben hängen lässt, muss sie in Folien verpackt vor Unwetter und Wildfraß schützen. Nur bei starker Kälte gefriert der Großteil des Mostes in den Trauben, so dass dann ein hoch konzentrierter Rest zurück bleibt, der besonders aromatisch ist. Nicht mehr als fünf bis zehn Prozent der gelesenen Menge werden schlussendlich zum begehrten Eiswein.
Trotz der hohen Preise für Eiswein - Weihnachten ist dann doch für manchen Weinfreund der richtige Anlass, so eine Flasche zum Einsatz zu bringen. Natürlich nur an der richtigen Stelle: zum süßen Dessert braucht es oft ein kraftvolles Gegengewicht wie es eben nur ein Eiswein, eine Beeren- oder Trockenbeerenauslese bieten kann. Aber auch mit kräftigem Käse, vor allem mit einem edlen Blauschimmelkäse kann Eiswein eine fast unschlagbare Verbindung eingehen. Auch als Aperitif ist er hervorragend geeignet – Weihnachten hin oder her.
