Eiszeit in der Lausitz

Skandinavische Landschaft - Jonny Michel
Skandinavische Landschaft - Jonny Michel
In Nochten, nahe dem sächsischen Görlitz, erfreut sich ein gigantischer Findlingspark großer Beliebtheit. Erdgeschichte und Gartenkunst nahe beieinander.

Als sich zum Ende des 19. und am Anfang des 20. Jahrhunderts die ersten Bagger in die Lausitzer Landschaft fraßen, war das ein Zeichen fortschreitender Industrialisierung. Der Untertage-Abbau der bis heute noch reichlich vorhandenen Braunkohle konnte den Bedarf nicht mehr befriedigen. Erste Tagebaue entstanden. Damals mit Sicherheit ein Segen für die Industrie aber auch für die Bewohner, denn es entstanden viele Arbeitsplätze. Die Entwicklung war jedoch gleichzeitig ein Fluch für Mensch und Natur. Grundwasserspiegel mussten gesenkt, Wälder gerodet und ganze Ortschaften abgerissen werden. Die Lausitzer Bevölkerung saß immer im wahrsten Sinn "wie auf Kohlen". Daran hat sich bis heute nicht viel geändert, denn neue Erweiterungen einzelner Tagebaue, durch die abermals Ortschaften aufgegeben werden müssen, stehen auf dem Plan. Auch die DDR-Energiewirtschaft wäre ohne die Braunkohle nicht denkbar gewesen. Bis 1989 bot, wie damals genannt, "das schwarze Gold" rund 80.000 Menschen Arbeit. Heute sind in diesem Industriezweig noch knapp 8.000 Menschen in Lohn und Brot.

Rekultivierung - Pflicht der Betreiber

Wird heute ein Tagebau nicht mehr ausgebeutet, dann sind die Betreiber verpflichtet, für eine Rekultivierung der Betriebsflächen und Gruben zu sorgen. Damit sollen die Wunden in der Natur beseitigt und das gestörte Ökosystem renaturiert werden. Vorwiegend geschieht dies zum Vorteil des Tourismus. Beispielsweise werden rund 20 Restlöcher geflutet, die einst zum Lausitzer Seenland, einem der größten in Europa, "zusammewachsen" sollen. Eine besondere Attraktion ist seit 2003 südlich des noch in Betrieb befindlichen Tagebaus Nochten zu besichtigen - der Lausitzer Findlingspark Nochten.

Eine Reise zur Erdgeschichte

Auf einem Areal von rund 20 Hektar, in hügliger Landschaft, liegen wie zufällig übrig geblieben an die 6 000 Findlinge in teilweise mächtiger Größe. Sie wurden alle über die Jahrzehnte der Braunkohleförderung dem Abraum entnommen. Diese Steine haben eine lange Reise über Jahrmillionen hinter sich. Der große Gletscher der letzten Eiszeit transportierte sie von Skandinavien in die Lausitz. So, wie dieser Eiszeitstrom ihnen damals ihre Formen gab, zeugen sie heute von den Naturgewalten längst vergangener Zeiten.

Während der Jahre 2000 und 2003 bauten nach einer Idee von Dr. Hans Ulbrich und Klaus Kotzan viele Helfer diesen Findlingspark. Die materielle Basis legte der Energiekonzern Vattenfall, der auch das nahe gelegene Kraftwerk Boxberg betreibt. Der Freistaat Sachsen sowie die Bundesagentur für Arbeit leisteten ebenfalls finanzielle Unterstützung. Planung und Ausführung hatte der gemeinnützige Förderverein Lausitzer Findlingspark e.V. übernommen.

Ganz nahe die Kühltürme des Kraftwerks Boxberg

Gleich neben dem Kassengebäude liegt der größte Findling des Parks - ein 40 Tonnen schwerer Granatgneis. Schon vom Eingang aus erblickt der Besucher ein herrliches Panorama. Sofort ins Auge fällt ein Hügel mit aufgetürmten Steinen. Der Umweltkünstler Dieter Magnus verwirklichte hier sein Kunstobjekt "Feldzeichen und Ort der Versammlung". Der Aufstieg ins "Klein-Skandinavien" erfordert ein wenig Kraft. An den Rändern der Wege liegen genau die Steine, welche die Eiszeit in die Lausitz brachte. An vielen Findlingen sind Informationstafeln angebracht, die Auskunft über den genauen Ort, an dem die jeweiligen Steine ihre Reise begannen, geben. Von dieser Erhebung, genannt "Pfarrhügel", genießt der Besucher den Blick über den gesamten Park. Ganz nah dampfen die Kühltürme des Kraftwerkes "Boxberg", und am Horizont nach Norden zeigen sich schemenhaft die großen Schaufelradbagger des Tagebaus Nochten.

Üppiger Heidewuchs, Wasserfall und Hochmoor

Nicht nur die Steine beeindrucken den Touristen. Es ist die Gesamtanlage. Die Gestalter kreierten einen Landschaftspark mit seltenen Pflanzen, üppigen Heidebewuchs, einem schönen Teich, der zum Verweilen einlädt. Die Wege führen durch ausgedehnte Heidelandschaften, die zu unterschiedlichen Jahreszeiten blühen. Die Farbenpracht ist einzigartig. Zahlreiche Informationstafeln informieren anschaulich über die Herkunft der Pflanzen und ihrer Blühzeiten. Am Ufer des großen Teiches blüht der Rhododendron und ab und an springt ein Fisch an die Wasseroberfläche. Ein naturnaher Wasserfall lädt zum Verweilen ein. Interessant ist auch die seltene Blütenpracht am Hochmoor. Für "Kräuterhexen" ist der Park eine wahre Fundgrube, allerdings nur zum Anschauen, und wenn die Kinder den spannenden Spielplatz wegen der anstehenden Heimfahrt verlassen müssen, dann kann es Tränen geben.

Anfahrt und Öffnungszeiten

Die aus westlicher Richtung kommenden Besucher fahren auf der A 4 bis Bautzen, verlassen dort die Autobahn und folgen der B 156. Brandenburger kommen über die A 13 zur A 15 Richtung Cottbus, bis zur Abfahrt Weißwasser zur B 115. Von Weißwasser führt ebenfalls die B 156 nach Nochten. Geöffnet ist der Findlingspark vom 15. März bis 15. November täglich von 10.00 bis 18.00 Uhr (November bis 17.00 Uhr). Gastronomische Versorgung ist gesichert.

Quellen:

Jonny Michel, privat

Jonny Michel - Im vorigen Jahrhundert, 1951, in Chemnitz geboren, hatte ich kurz danach meinen ersten Umzug zu bewältigen - ich zog nach ...

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