
- Charles Stankievech: The DEW Project (ISEA) - Vera Kriebel
Passend zur parallel stattfindenden games.com in Köln, die sich elektronischer Unterhaltung kommerziell widmet, wird am Freitag, den 20. August 2010, die ISEA2010 eröffnet.
Die ISEA gilt als eine der wichtigsten internationalen Festivals und Austauschplattformen für elektronische oder Medien-Kunst. 2010 ist sie als Projekt der Kulturhauptstadt Europas RUHR.2010 erstmals zu Gast in Deutschland: Dortmund, Essen und Duisburg sind vom 20. bis 29. August Orte aktueller internationaler Medienkunst. Als Avantgarde-Plattform dürften sich bei der ISEA die Trends der Games.com von übermorgen auffinden lassen.
ISEA (International Symposium on Electronic Art)
Die ISEA (International Symposium on Electronic Art) findet seit 1988 statt, wurde 1990 als nicht-kommerzielle Non-Profit-Organisation in den Niederlanden gegründet und hat sich den über-kulturellen, wissenschaftlichen, technologischen und künstlerischen Austausch im Bereich Electronic Arts zum Ziel gesetzt.
International ist die ISEA schon ein Begriff in der Electronic Arts-Szene, in Deutschland ist sie bislang noch nicht einer breiteren Öffentlichkeit bekannt. 2008 wurde sie in Singapur ausgetragen, 2011 wird sie in Istanbul, 2012 in Albuquerque and Santa Fe veranstaltet.
Bei dem offiziellen Namen ISEA2010Ruhr soll das "Ruhr" im Namen wohl darauf hinweisen, dass sie ein Projekt unter dem Mantel von Ruhr.2010 ist (Ruhr.2010 ist der Marketingname für die europäische Kulturhauptstadt Ruhrgebiet).
ISEA2010: Festival elektronischer Kunst
Die ISEA2010Ruhr ist ein etwas unübersichtliches Medienkunst-Festival: Im Ruhrgebiet werden 2010 darunter Symposium, Workshops, Vorträge ("Keynotes"), Konzerte, Clubabende, Performances, Exkursionen und die Ausstellung "Electronic Atmospheres" (Elektronische Atmosphären), die sich dann doch in eine Vielzahl von Ausstellungen aufsplittet, verstanden. Die Vorträge sind ausdrücklich auch für allgemein an Kunst und Kultur Interessierte gedacht, nicht nur für die Insider der Medienkunst, so Andreas Broeckmann, künstlerischer Leiter der ISEA2010.
Bereits jetzt gibt es mehr als 600 Anmeldungen: Künstler, Wissenschaftler, Interessierte aus der ganzen Welt und aus der lokalen kreativen Szene. Die Zahl der Veranstaltungen und die Breite des Angebots ist imponierend.
Allein die Terminologie und deren Bedeutung und die Veranstaltungstermine und -orte zu ergründen, ist aber schon eine Kunst für sich.
Kick-off in Essen, Ende in Duisburg-Ruhrort
Essen ist mit PACT auf Zollverein Hauptstandort für Performances und Klanginstallationen am Eröffnungswochenende (20.-22.8.2010). Der Kick-off-Event startet am 20. August ab 16 Uhr (PACT, Essen Zollverein).
Die ISEA2010 RUHR endet am 29. August mit einem Picknick mit Frühstück und Feedback-Runde am Rhein in Duisburg-Ruhrort (12-15 Uhr). Das Picknick soll den eher informellem Rahmen abgeben, um Erfahrungen, Themen und Gespräche der vergangenen Woche Revue passieren zu lassen.
ISEA2010: Chaotischer Terminplan und Programm
Offiziell geht die ISEA also vom 20.-29.8.2010. Einiges wird aber schon ab dem 19. August und einiges über den 29. August hinaus bis zum 5. September zu sehen sein. Laut Veranstalter soll die Ausstellung "Elektronische Atmosphären" in Dortmund am 19. August eröffnet werden, und zwar an den drei Standorten Dortmunder U (17 Uhr), Dortmunder Kunstverein (19 Uhr) und Museum für Kunst und Kulturgeschichte (19:30 Uhr). Allein das irritiert schon. Die restliche Ausstellung ist dann ab 20. August 2010 eröffnet, d.h. an den anderen Dortmunder Standorten, in Duisburg-Ruhrort und Essen.
Marl, vierte Stadt im ISEA-Bunde, ist mit dem Museum Glaskasten übrigens eher ein Rand-Standort (Ziel für Exkursionen; ab 22. August 2010 Ausstellung "Deutscher Klangkunst-Preis"). Dortmund ist dafür gleich mit fünfzehn Veranstaltungsorten dabei.
Dortmund: RUHR2010-Outsider
Das ursprünglich als ISEA2010-Zentrum geplante Dortmunder U ist nach wie vor eine staubige Baustelle. Das Dortmunder U, eine ehemalige Brauerei, wurde bereits Ende Mai vorläufig unter dem schönen werbewirksamen Namen "Prolog" eröffnet. Fortschritte sind jedoch nicht erkennbar.
Das Foyer ist geschlossen; die zweite und dritte Etage mit den Ausstellungen des Hartware MedienKunstVereins während der Presse-Vorbesichtigung am 18. August nicht zugänglich. Im Erdgeschoss des Dortmunder U wusste man im Info-Büro überhaupt nichts von der ISEA. Die Innen-Installationen von Adolf Winkelmann liefen zu ihrem eigenen Schutz nicht, die Außen-Installationen sind tagsüber nur schemenhaft zu erkennen (auch bei bedecktem Himmel).
Einzig der erste Stock konnte besucht werden (siehe Fotos), genauer: ein Raum im 1. Stock mit der Video-Installation "Exchange Fields" von Bill Seaman, zur Sammlung des Ostwall-Museums gehörend. Dieses soll im September eröffnet werden, das gesamte Dortmunder U am 8. Oktober - beides darf bezweifelt werden. Dortmund hat den Anschluss an die Kulturhauptstadt wohl endgültig verpasst.
ISEA2010 - Quadriennale Düsseldorf
ISEA2010Ruhr ist unverständlicherweise nicht mit der in wenigen Tagen beginnenden Quadriennale in Düsseldorf vernetzt, die immerhin eine Werkschau dem Begründer von Video- und Medienkunst Nam June Paik widmet und Katharina Sieverdings "Projected Data Images" in der Stiftung für Medienkunst imai (inter media art institute) ausstellt.
ISEA2010: Programmheft/Katalog
Layout von ISEA-Katalog und insbesondere des ISEA2010-Programms sind so schön bunt unübersichtlich, dass sie keine gute Unterstützung bieten. Die Website ist derzeit häufig überlastet und strukturell ähnlich chaotisch und unübersichtlich wie Programmheft/Katalog. Unter Service&Tickets gibt es eine Übersicht über die Standorte. Die Programmierung der Website ist nicht Internet Explorer-kompatibel. Mehr zu ISEA bei ISEA-web.org.
Diese organisatorischen Probleme sollte diejenigen, die sich für Kunst und Kultur und für digitale Welten interessieren, aber nicht davon abhalten, die Kunstwerke und Veranstaltungen der ISEA2010 zu besuchen.
