Elefant – eine Buchbesprechung

Elefanten begleiten den Menschen seit Urzeiten. Den faszinierenden Riesen widmet Dan Wylie ein ebenso fesselndes Buch.

Schon in den alten Hochkulturen und Religionen war der Elefant ein Symbol für die Weisheit. Wie kaum ein anderes Tier beeindruckt er durch sein Erscheinungsbild und seine Persönlichkeit. Und seine Evolution weist erstaunliche Parallelen mit der des Menschen auf.

Entstehung der Rüsseltiere

Mitten in Afrika steht die Wiege von Mensch und Elefant. Seit der Entstehung der ersten Rüsseltiere vor etwa 40 Millionen Jahren im Gebiet des heutigen Ägypten haben sie sich auf allen Kontinenten außer Australien ausgebreitet. Wie Dan Wylie anschaulich schildert begann alles mit dem etwa einen guten halben Meter hohen, plumpen Tier. Über viele Seitenzweige und tote Äste entwickelten sich aus dem amphibisch lebenden Urrüsseltier die heute lebenden Elefanten. Deren Ausbreitung über den Globus und der stete Kontakt mit dem sich auf fast den selben Wanderrouten bewegenden Menschen schildert der südafrikanische Autor mit fesselnden und lebhaften Worten.

Innere Werte der Elefanten

Nach der Evolution schildert Dan Wylie im nächsten Kapitel die erstaunlichen Anpassungen des Elefantenkörpers. Beim Lesen ziehen die Schilderungen von gewaltigen Stoßzähnen und anderer Merkwürdigkeiten einen in ihren Bann. Und warum machen sich Wissenschaftler die Mühe über die Funktion der Ohren von Walt Disneys Zeichtrickfilmfigur Dumbo zu forschen? Mit dem Ergebnis, dass der kleine Elefant sie als Kühler beim Fliegen benötigt. Doch diese Ausflüge in die Randgebiete der Wissenschaft bleiben die Ausnahme. Aber Dan Wylie zeigt ansonsten sehr geschickt welche originellen Eigenheiten so ein Elefantenkörper zu bieten hat.

Der beste Freund des Menschen

Seit der Steinzeit ist der Elefant ein Wegbegleiter des Menschen. Und von seinem besten Freund hat er manche Abbildung hinterlassen. Dan Wylie spürt der Faszination der grauen Riesen in den verschiedenen Kulturen und Reichen nach. Er gibt fundierte Einblicke in die Entstehung von Mythen und Legenden. Die gesellschaftliche Stellung der grauen Riesen schildert er ebenso in leicht verständlichen wie unterhaltsamen Formulierungen wie ihre Auswirkungen auf die bildende Kunst.

Elefanten im Dienst des Menschen

Auch das Kapitel des Elefanten im Dienst des Menschen ist spannend und unterhaltsam geschrieben. Dabei kommt der Elefant hier nicht nur als Helfer im Dienste der Landwirtschaft oder bei der Arbeit im Wald vor. Einen großen Raum nimmt die Rolle des Tieres beim Militär als Waffe ein. Die angenehm neutrale Art des Schreibstils von Dan Wylie lässt den Leser auch dieses eher dunkle Kapitel im Verhältnis zwischen Tier und Mensch recht entspannt genießen. Auch die Haltung der Tiere in Zoos oder Zirkussen thematisiert der Autor hier mit kritischem Blick und nicht ohne auf die grundlegende Problematik dieser Weise von Tierschutz hin zu weisen.

Dan Wylie ist mit seinem Beitrag zu der kleinen Reihe außergewöhnlicher Tiermonografien im Gerstenberg Verlag ein besonderes Kleinod gelungen. Der südafrikanische Englisch-Professor schildert in einer leicht verständlichen und sehr bildhaften Sprache die Geschichte und das Verhältnis von Elefant und Mensch. Jeder Liebhaber der grauen Riesen sollte sich dieses Buch in seinen Bücherregal stellen. Mehr Informationen in so einer komprimierten Weise wird er selten so unterhaltsam präsentiert bekommen.

Dan Wylie, Anke Albrecht (Übers.): Mythos Tier – Elefant, 208 Seiten, reich bebildert, 14.95 EURO

Frank Scholz, Frank Scholz

Frank Scholz - Ich habe 1966 in der Freien und Hansestadt Hamburg das Licht der Welt erblickt. Doch seit über dreißig Jahren lebe ich in der ...

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