"ELEGY oder die Kunst zu lieben"

Zwei Stars in einer ordentlichen Produktion  - Gerd Altmann  / pixelio.de
Zwei Stars in einer ordentlichen Produktion - Gerd Altmann / pixelio.de
Eine kurze Filmkritik. Penelope Cruz spielt in einem mittelmäßigen Skript unbestechlich, famos. Und Hollywoodstar Kingsley? Er enttäuscht als Liebhaber.

Die 108 Minuten andauernde Produktion fußt auf einem ordentlichen und eher mittelmäßigen Filmskript: Zur Mittelmäßigkeit trägt auch etwas Unerwartetes bei: Die trockene, diensttuende und viel zu gezähmte schauspielerische Leistung eines Hollywoodstars. Gewöhnlich schlüpft Ben Kingsley in seine Rollen mit einer feinen Vielschichtigkeit und füllt die markanten Charakterseiten der Figuren mit einer ununterbrochenen Tiefe aus, als würde er in dieser Tiefe erst seine Schauspielerauffassung bestätigen. Gewöhnlich übertrifft er die Erwartungen der Kinobesucher und Filmzuschauer. In "Ghandi" glänzte er. In "Schindlers Liste" - als Vertreter der deportierten Juden - übertraf er sie wie ein feiner Meister des Großkinos und brillierte. In "Elegy" rückt er von dieser bewährten Sphäre ab.

Ben Kingsley als Professor David Kepesh - ungewohnte Durchschnittlichkeit

Im Film "Elegy" schauspielert er als David Kepesh. Ein New Yorker Professor, der sich in eine seiner College-Studentinnen verliebt. Sie ist Kubanerin. Ihr Name: Consuela Castillo. Auf einer Party, die er in seinem Appartement alljährlich für die Absolventen organisiert, festigt sich die Ahnung und das lodernde, schöne Gefühl wie am Geschmack unersetzbarer Küsse und dem Pochen eines unenttäuschbaren Herzens. Es wird auch greifbarer: Der Professor und die hübsche, schwärmende Kubanerin besuchen bald ein Theaterstück und suchen anschließend sein Appartement auf.

Zwar wird der Charme des Professors David Kepesh wirksam und glaubwürdig, als er sie beispielsweise mit den gemalten Frauen Goyas in einem Illustrierband vergleicht und flirtet und flirtet und sie sich an einem Abend küssen. Aber auch das ruft auch nur eine mittelmäßige, erotische Qualität herbei. Ein mittelmäßiges, etwas herzlich dargebotenes Abenteuer durch Kingsley auf der Filmleinwand. Diesmal enthüllt seine Zurückhaltung also keine ruhmvolle, unmittelbare, beeindruckende Darstellerleistung. Er mimt ihn zu korrekt und ist in eine allgewaltige Kopfarithmetik eingewickelt. Er verschiebt nicht das Einfältige. Da blitzt nicht die intensive Zuneigung zur jüngeren, kubanischen Frau auf. Selbst für einen umtriebigen Intellektuellen - der für seine Kopflastigkeit renommiert ist - blickt und greift er in der gespielten Rolle viel zu mild und kopflastig nach ihr, kopfnickerisch und nachlässig.

Der Blick des wirklich Liebenden sticht kaum hervor. Denn das Wunder des tatsächlichen Verliebtseins, Liebens und Begehrens ist ungezähmter und reueloser. In dieser fantastischen Zeit ist der Mann umtriebiger. Denn dieses Wunder wurzelt in einer drohenden unzugänglichen Erde, auf der sich derjenige auf die Frau, die Nächte und das Herz einläßt, als wäre es eine heftige Versklavung, die Sonne, das verschwiegene Küssen, das Orchester der Unbändigkeit und die sturmische Schwerelosigkeit selbst - zumindest in der Zeit der anfänglichen Treffen und der gestandenen, einfachen und gewaltigen Gefühle. Kingsley betritt in seiner Professorenrolle diese Welt. Zumindest tritt er über die Türschwelle. Aber er fängt dieses gierige Schlingen der Seele nicht ein und erliegt ihr nicht mit unruhigem, dunklem Blut. Die Verhältnismäßigkeit von Kopf, Nieren, Herzschlag, männlicher Jagdlust ist zu sehr beachtet.

Penelope Cruz bleibt Penelope Cruz

Anders ist dies bei der Darstellung der jungen Antagonistin und Geliebten Penelope Cruz. Auch wenn sie etwas einer "Sekretärin aufweist", so David Kepesh, ist sie eine reizende Frau. Sie ist Cruz ist Cruz ist Cruz ist Cruz aus der Komödie Vicky Cristina Barcelona, in der sie oscarprämiert wurde, ist Cruz aus dem spanischen Drama "Volver" und enthüllt auch in der amerikanischen Produktion "Elegy" die Tiefe der Figur und das angemessene dunkle-romantische Blut. Sie wird auch in den nächsten Passagen nicht berechenbar und hält ihre traditionelle, famose Schauspielerqualität.

Das enttäuschende "Vorstellen" bei der kubanischen Familie

Später im Film will sie den Freund der College - und Damenwelt ihrer kubanischen Großfamilie vorstellen. Sie erwarten ihn im stilsicheren, eleganten Ambiente. Aber David Kepesh gaukelt am Telefon eine Wagenpanne auf einer Brücke vor. Der bedeutsame und weltgewandte Mann entzieht sich dem für seine Freundin bedeutsamen Treffen. Die Vorwürfe und Wende auf der Brücke werden zur Beziehungswende. Die Trennung folgt.

Noch später im Skript - in der Filmzeit sind etwa 2 Jahre verstrichen - wird sie vom Krebs befallen und bald ertönt ihre Stimme auf dem Anrufbeantworter David Kepeshs in der still gewordenen Wohnung und alles wird wieder bedeutsamer.

Ein solider Film ohne Glanz

Der Plot ist nicht platt oder abwegig, doch schwächelt er in den mürben, brachen Anfangsszenen. Es gibt Handlungspassagen, in denen er schwunglos und trocken voran taumelt und eine wabernde Schwerfälligkeit wiederkehrt. Auch wenn die Gespräche mit einem Freund beim Squashspiel, die teils ernst, teils scherzend angegangen werden, eine lockernde Aufklärung und bodenständigere Entwicklung in das unebene Liebesleben des Professors bringen sollen, verliert der Film nicht seine triviale, teils behäbige, teils charmante Mentalität.

Eine solide Filmproduktion, die den gepriesenen Angeboten im kommerziellen Fernsehprogramm dieser Januarabende jedoch ebenbürtig sein wird. Mittels kubanischer Prozessionen und den Gewissensbissen eines wagenden und gezähmten, sehr gezähmten Professors.

Film "Elegy"

Hauptdarsteller: Penelope Cruz, Ben Kingsley

Regie: Isabell Coixet

Lake Shore Entertainment

Filmlaufzeit: 108 Minuten

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