
- Elfriede Brüning an ihrer Schreibmaschine - neues deutschland
Elfriede Brüning ist eine bekannte DDR Schriftstellerin, die über 30 Bücher veröffentlicht hat, auch Theaterstücke, Drehbücher und unzählige Reportagen. Politisch engagiert war sie immer und mit ihrer Arbeit bestrebt, andere ebenfalls sensibel für ihre Umgebung zu machen. Mehr als 80 Jahre lang war sie als Schriftstellerin tätig und befasste sich mit der Emanzipation der Frau, Problemkindern und der Verarbeitung der Erlebnisse im Dritten Reich. Mit ihren sozialkritischen Schriften machte sie sich in der DDR nicht immer beliebt, trotz vieler Ehrungen.
Kindheit und Jugend
Elfriede Brüning wurde am 8.11.1910 in Berlin Prenzlauer Berg geboren. Sie war das erste von zwei Kindern. Ihr Vater war selbständiger Tischler, ihre Mutter Näherin.
Von 1916 bis 1926 besuchte sie die Schule. Schon ganz früh war ihr Berufswunsch klar: sie wollte als Journalistin tätig sein und für Zeitungen schreiben. Als sie dafür ausgelacht wurde, stachelte das nur ihren Ehrgeiz an.
Sie arbeitete zunächst in verschiedenen Bereichen bis sie es schließlich schaffte, Redaktionssekretärin bei der "Filmtechnik und Filmkunst" zu werden. Ab 1926 schrieb sie erste Berlin-Reportagen, Kurzgeschichten und Feuilletons, ab 1930 dann auch für große Zeitschriften, wie für das "Berliner Tageblatt".
Unter der Naziherrschaft
Mit der Weltwirtschaftskrise brach die Armut über sie und ihre Familie ein. Aus dem Gefühl heraus, etwas ändern zu müssen, engagierte sie sich politisch und wurde 1930 Mitglied in der KPD. Zwei Jahre später trat sie dem "Bund proletarisch-revolutionärer Schriftsteller" bei, der von Johannes R. Becher geleitet wurde.
Sie schrieb ihren ersten Roman "Kleine Leute", der von einer Handwerkerfamilie am Ende der Weimarer Republik handelt. Wegen der Machtergreifung Hitlers wurde dieser Roman aber nicht veröffentlicht. Er erschien erst 1970.
1933 wurde der "Bund" verboten und die Mitglieder zerstreuten sich. Elfriede Brüning schrieb ihre illegalen Texte unter einem Pseudonym weiter. Außerdem schrieb sie scheinbar harmlose Liebesromane, in denen sie aber brisante Themen behandelte, wie zum Beispiel in "Junges Herz muss wandern", über verheiratete Frauen, die berufstätig sein wollen, was dem Frauenideal der Nazis widersprach.
1935 wurde sie wegen Verdacht auf Hochverrat für ein halbes Jahr verhaftet. Die Monate in Schutzhaft überstand sie durch Schreiben von Romanen mit versteckten Botschaften.
1937 heiratete sie den Lektor und Schriftsteller Joachim Barkhausen. Mit seiner Unterstützung erschien 1938 der Roman "Auf schmalem Land", der vom Leben der Fischer auf der Kurischen Nehrung erzählt. Weiteres Schreiben und Veröffentlichen war für Elfriede Brüning unter der Naziherrschaft nicht mehr möglich.
Nach dem Krieg
Die Kriegsjahre verbrachte sie mit Mann und der inzwischen geborenen Tochter in der Magdeburger Börde. 1945 kehrte sie nach Berlin zurück und begann wieder zu schreiben. Sie wurde Redakteurin für den "Sonntag" und Reporterin für verschiedene Zeitungen, zum Beispiel "Neue Gesellschaft".
1947 ließ sie sich von ihrem Mann scheiden und musste um das Sorgerecht für die Tochter kämpfen. Ihr Ex-Mann lebte in Westberlin und glaubte, der Tochter dort ein besseres Leben bieten zu können. Der Streit um das Sorgerecht endete erst zugunsten von Elfriede Brüning mit Gründung der DDR und deren klarer Familiengesetzgebung.
In der DDR
Sie trat der SED bei, in der Hoffnung, ein besseres Land mit aufbauen und ihre Jugendideale verwirklichen zu können. Die Enttäuschung darüber, dass dies nicht möglich wurde, verarbeitete sie in Büchern.
Ab 1950 arbeitete sie als freie Schriftstellerin und wurde Mitglied im Schriftstellerverband. Eine große Anzahl an Büchern, Drehbüchern und Theaterstücken entstand. In ihren Werken befasste sie sich immer wieder mit der Rolle der Frau in der Gesellschaft, der Vereinbarkeit von Familie und Berufsleben und Problemkindern. Dabei geriet sie auch oft in Kritik, weil sie Wahrheiten an die Öffentlichkeit brachte, die es in der DDR nicht geben durfte.
Als 1964 ihre Enkelin geboren wurde, betreute sie diese über viele Jahre hin mit. Auch darüber erzählen einige ihrer Bücher und es entstand sogar ein Kinderbuch: "Jasmina und die Lotusblume".
Nach der Wende
Inzwischen war Elfriede Brüning 80-jährig und Urgroßmutter. Ihre feine Beobachtungsgabe und Anteilnahme an den Menschen in ihrer Umgebung und dem politischen Leben zeichneten sie weiterhin aus. Autobiographische Bücher und Texte entstanden, so zum Beispiel 1994 "Und außerdem war es mein Leben". Immer wieder setzte sie sich an ihre Schreibmaschine und fand Themen, über die sie schreiben wollte.
Zu ihrem 100. Geburtstag gab es einen großen Festakt in der Berliner Volksbühne und zahlreiche Interviews.
Elfriede Brüning lebt in einer kleinen Wohnung im Osten von Berlin. Auch wenn das Leben um sie herum stiller geworden ist, hat sie mit ihrem über 100 Jahre währenden Dasein nicht abgeschlossen. Sie ist immer noch interessiert an den Schicksalen anderer Menschen, gibt Lesungen und wenn sie inzwischen auch nicht mehr schreibt, so hat sie doch immer noch viel zu erzählen.
Ihre Bücher
Von ihren 30 Büchern seien hier nur einige vorgestellt. Eine Übersicht über alle Bücher ist zu finden auf Elfriede Brünings Webseite.
"Kleine Leute" 1932 geschrieben unter dem Titel "Handwerk hat goldenen Boden", erzählt die Geschichte ihrer Familie am Ende der Weimarer Republik, 1970 erschienen
"Und außerdem ist Sommer" 1934, Liebesroman, in dem sie versteckt die Treffen des linken Schriftstellerverbandes verarbeitet hat
"...damit du weiterlebst." 1949, Roman, erzählt die Geschichte der Widerstandskämpfer Hans und Hilde Coppi, die zum Tode verurteilt wurden, Hildes Urteil wurde erst vollstreckt, als sie ihren im Gefängnis geborenen Sohn nicht mehr stillen konnte
"Wege und Schicksale" 1962, erzählt von 11 Frauen aus Ost und West, die um Emanzipation ringen
"Kinder ohne Eltern" 1968, Reportage über vernachlässigte Kinder, die in Heimen aufwuchsen
"Partnerinnen" 1978, erzählt von vier Frauen, die versuchen, Beruf und Familie zu vereinbaren
"Und außerdem war es mein Leben" 1994, Autobiographie
"Jeder lebt für sich allein" 1999, 22 Nachwendeerzählungen
Quellen: elfriede-bruening.de, bz-berlin.de, sueddeutsche.de, "Jeder lebt für sich allein" E. Brüning
