Elisabeth I. - Herrschaft und Heiratsfrage

Vom Bastard zur Königin

Elisabeth I.  - http://www.tudorplace.com.ar
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Die "Virgin Queen" vereinte das konfessionell zerrüttete England. Sie führte es zu politischer Macht und sorgte für wirtschaftlichen und kulturellen Aufschwung.

Elisabeth I. wurde am 7. September 1533 in Greenwich geboren und starb in Richmond am 24. März 1603. Sie war die Tochter von Heinrich VIII. und dessen zweiter Ehefrau Anne Boleyn.

Nach der Hinrichtung ihrer Mutter 1536 wurde Elisabeth für illegitim erklärt und damit von der Thronfolge ausgeschlossen. Ein Parlamentsbeschluss von 1544 reihte sie jedoch als Dritte wieder in die Thronfolge ein, nach ihren Halbgeschwistern, dem späteren Eduard VI. und der späteren Maria I.

Elizabeth erhielt die strenge Erziehung, die in der Regel männlichen Erben vorbehalten war. Sie hatte die besten Lehrer und wurde in klassischen Sprachen, Geschichte, Rhetorik und Moralphilosophie unterrichtet. Neben Griechisch und Latein sprach sie fließend Französisch und Italienisch – Errungenschaften, auf die sie stolz war, und die ihr in späteren Jahren bei diplomatischen Verhandlungen von großem Nutzen waren.

Thronbesteigung und Herrschaft

Als ihre Schwester Maria I., deren Rekatholisierungspolitik Protestanten unerbittlich verfolgt und hingerichtet hatte, am 17. November 1558 starb, trauerte kaum jemand in England um "Bloody Mary". Unter Glockengeläut, Jubelfeuern und patriotischen Demonstrationen bestieg Elisabeth I. den Thron von England. Ihre Regentschaft, die 45 Jahre andauerte, wird als Elisabethanisches Zeitalter benannt, in welchem sich England als eine große europäische Macht in Politik, Wirtschaft und Kunst behauptete.

Die Königin nahm sofort nach der Thronbesteigung die Regierungsgeschäfte auf und versammelte einen Kern von erfahrenen und vertrauenswürdigen Beratern um sich. Die wichtigsten waren Francis Walsingham, der den britischen Geheimdienst begründete, und William Cecil Burghley, der ihr 40 Jahre lang erst als Staatssekretär und dann als Lordschatzmeister zur Seite stand.

Innenpolitik – Fortführung der Reformation und Stabilisierung

Innenpolitisch bedeutsam war insbesondere die Wiederherstellung der anglikanischen Staatskirche. Dies geschah 1559 durch Erneuerung der Suprematsakte, die den Monarchen zum Oberhaupt der anglikanischen Nationalkirche bestimmte, und der Uniformitätsakte, welche die äußere Konformität aller Gläubigen bestimmte. Im Interesse einer innenpolitischen Stabilisierung betrieb Elisabeth, die selbst eine zwar gläubige aber nicht dogmatische Protestantin war, zunächst eine nach Kompromissen strebende gemäßigte Kirchenpolitik.

Außenpolitik – Freibeuter, Seekriege und erste Kolonien

Außenpolitisch war Spanien der Hauptgegner. Elisabeth, deren Reich sich zu einer bedeutenden Seemacht entwickelt hatte, stand englischen Freibeutern wie Francis Drake, John Hawkins oder Walter Raleigh sowie deren Angriffen auf spanische Schiffe und Häfen wohlwollend gegenüber. Das führte immer wieder zu erheblichen Konflikten mit Spanien und um 1585 wurde deutlich, dass eine direkte militärische Konfrontation nicht zu vermeiden war.

Der spanische König Philipp II. begann, eine riesige Flotte zusammenzustellen. Diese sollte zu den Niederlanden segeln, sich dort mit der wartenden spanischen Armee zusammenschließen und dann gemeinsam zur Invasion und Eroberung des protestantischen Englands fortschreiten. Elisabeth erfuhr von diesen Plänen. Als daraufhin im Juli 1588 die spanische Armada englische Gewässer erreichte, wurde sie von den Schiffen der Königin, die schneller, wendiger und sehr gut bewaffnet waren, besiegt. Dieser Sieg sicherte England außenpolitisch ab. Es erlebte einen ernormen Aufschwung in Handel und Seefahrt und setzte den Grundstein zum kolonialen Aufstieg. Die erste englische Kolonie "Virginia" wurde von Sir Walter Raleigh im heutigen North Carolina gegründet.

Die Heiratsfrage – "The Virgin Queen"

Elisabeths Beiname war "The Virgin Queen", die jungfräuliche Königin, da sie nie geheiratet hat. Wie jungfräulich Elisabeth tatsächlich war, ist nicht hinreichend dokumentiert. An heiratsfreudigen und politisch wichtigen Bewerbern hat es ihr jedenfalls nie gemangelt. Auch hielt sie eine Reihe von Günstlingen am Hof, so war zum Beispiel Robert Dudley, Earl of Leicester und ein Freund aus Kindertagen, fast 30 Jahre lang ihr Favorit und wohl der einzige, den zu heiraten sie ernsthaft in Betracht gezogen hatte. Doch Elisabeth verschmähte alle Heiratskandidaten und blieb unverheiratet. Sie wollte ihre persönliche und politische Freiheit nicht aufgeben. In der Gesellschaft jener Zeit hing alles vom Ehemann ab. Die Rolle der Frau – auch einer Königin – war die der Ehefrau. Hätte sie als gekrönte Monarchin geheiratet, hätte sie sich ihrem Mann unterwerfen müssen und ihre Unabhängigkeit und Autorität verloren.

Elisabeths Ehe- und Kinderlosigkeit wurde zum politischen Problem. Das Parlament versuchte ständig, sie zur Heirat zu überreden, denn ein Thronfolger musste her. Sie war die letzte Monarchin des Hauses Tudor. Sollte die Königin kinderlos sterben, wäre die nächste in der Thronfolge Maria Stuart gewesen, die katholische Königin von Schottland, die von Frankreich und anderen mächtigen katholischen Staaten unterstützt wurde. Dieser Umstand stellte eine Bedrohung für das protestantische England dar und hätte am besten durch einen protestantischen Erben Elisabeths abgewendet werden können.

In der brisanten Heiratsfrage kam der Königin ihr diplomatisches Geschick zugute. Gekonnt spielte sie einen Heiratskandidaten gegen den anderen aus, zog Eheverhandlungen über Monate, manchmal sogar über Jahre hin, bis der Betreffende schließlich aufgab oder gar starb. Schließlich offenbarte sie, dass sie bereits verheiratet sei, ihr Ehemann sei das Königreich England.

Elisabeth wurde gerade wegen ihrer Jungfräulichkeit sehr verehrt, denn sie galt als Zeichen dafür, dass sich die Monarchin ganz ihrer Regentschaft widmen konnte. Die clevere Königin nutzte diesen Status für sich und zelebrierte ihn. Sie trug oft weiße Kleider zum Zeichen ihrer Unschuld und bekannte sich demonstrativ zur Herrschaft. Sie sei in erster Linie Herrscherin und danach erst Frau. Sie sei die Jungfrau, das Königreich ihr Mann und das Volk ihre Kinder.

Elisabeth I. starb am 24. März 1603. Ihr Nachfolger wurde der schottische König Jakob VI., Maria Stuarts Sohn, den sie kurz zuvor als Thronfolger bestimmt hatte.

Britta Leyk, © Britta Leyk

Britta Leyk - Die Interessen und Themenbereiche der Autorin sind vielfältig. Ihr Schwerpunkt liegt jedoch im Bereich Geschichte und der gesunden ...

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