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Elke Heidenreich beim Rheingau Musik Festival

Elke Heidenreich - Christa Kaddar
Elke Heidenreich - Christa Kaddar
Elke Heidenreich und das Bremer Kaffeehaus-Orchester begeisterten an zwei Abenden die Gäste mit einer musikalisch-literarischen Rheinreise.

Wer hätte das erwartet? Elke Heidenreich sitzt auf der Bühne und ihr Publikum singt „Warum ist es am Rhein so schön?“ und „Wenn das Wasser im Rhein goldner Wein wär, ja, dann möcht ich so gern ein Fischlein sein …“. Fast alle singen, einige schunkeln und klatschen im Rhythmus mit, andere blicken sich ungläubig um, so, als würden sie sich fragen, ob sie vielleicht die falsche Veranstaltung erwischt haben. Aber nein, sie sind ganz richtig. Sie alle haben Karten für die „Rheinreise“ mit Elke Heidenreich, einer Veranstaltung des Rheingau Musik Festivals im Weingut Diefenhardt in Eltville-Martinsthal. Und schon meldet sich die schlagfertige Moderatorin, Autorin, Kabarettistin und Literaturkritikerin zu Wort: „Wie kann man denn einen solchen Unsinn auch noch mitsingen?“, fragt sie in die Runde. „Wenn das Wasser im Rhein goldner Wein wäre, vielleicht auch noch einer von der lieblichen Sorte, dann hätten wir allein vom Dunst schon dicke Schädel.“

Elke Heidenreich hat das Bremer Kaffeehaus-Orchester auf einer Schiffsreise nach St. Petersburg kennengelernt

Begleitet wurde Elke Heidenreich vom Bremer Kaffeehaus-Orchester. „Wir haben uns auf dem Schiff nach St. Petersburg kennengelernt“, erklärte sie. „Sie haben Musik gemacht und ich habe gelesen. Da entstand die Idee, zusammen etwas zu machen.“ Nach einem gemeinsamen Weihnachtskonzert mit Lesung in Bremen stand nun die „Rheinreise“ beim Rheingau Musik Festival auf dem Programm, und das an zwei aufeinander folgenden Abenden. Beide Veranstaltungen waren schon im Vorverkauf komplett ausverkauft. Die Kabarettistin und „ihre Jungs“, wie sie sie liebevoll nannte, harmonierten vorzüglich, auch wenn sie ihnen bescheinigte, mit der Eingangsmelodie „An der schönen blauen Donau“ das Thema verfehlt zu haben.

Elke Heidenreich las eigene Texte und aus den Werken von Erich Kästner, Wolf Biermann, Hermann Harry Schmitz und Peter Rühmkorf

Elke Heidenreich las aus ihren eigenen Werken, doch meist plauderte sie spontan und munter darauf los und gab ihre Gedanken zum Rhein, zum goldenen Wein und zur Drosselgasse mit theatralischer Mimik und Gestik zum Besten. Das Volkslied „Bald gras ich am Neckar, bald gras ich am Rhein“ hat sie in moderne Sprache übersetzt: „Bald park ich am Neckar, bald park ich am Rhein, hier eß ich Hämmchen, dort trink ich Wein. Mal komm ich mit Partner, mal komm ich allein. So war das schon immer, so soll’s immer sein.“ Sie gab aber nicht nur eigene Werke zum Besten, sondern rezitierte auch Prosa und Lyrik anderer Autoren wie Erich Kästner, Wolf Biermann, Peter Rühmkorf oder Hermann Harry Schmitz, der eine putzige Geschichte über das „Elslein von Caub“ geschrieben hat. Ganz und gar nicht komisch war hingegen ein Text von Heinrich Böll über „Undines gewaltigen Vater“, in dem sich der Autor ganz von Weinseligkeit und Rheinromantik löst. „Mein Rhein ist der Winterrhein“, schreibt Böll, „der Rhein der Krähen, die auf Eisschollen nordwärts ziehen, den Niederlanden zu … (…) Und ich habe immer noch Angst vor dem Rhein, der im Frühjahr böse werden kann, wenn Hausrat im Fluss dahintreibt, ertrunkenes Vieh, entwurzelte Bäume; wenn auf die Uferbäume Plakate mit dem roten Wort Warnung geschrieben werden, die lehmigen Fluten steigen …“

Amüsant waren auch Elke Heidenreichs Geschichten aus Köln, der Stadt am Rhein, die seit vielen Jahren ihre Wahlheimat ist, ob sie nun Frau Schröders Erlebnisse mit den giftgrünen Papageien vortrug oder eine genaue Wegbeschreibung zum Kölner Dom, der glücklicherweise mit der blau-weißen Hausnummer 4 versehen ist, damit man ihn auch wirklich findet, wenn man vom Bahnhof über den Domplatz läuft.

Elke Heidenreich kennt und liebt den Rheingau

Daß sie den Rheingau mag, die lockere und inspirierende Heimat Felix Krulls, ließ sie zwischendurch immer wieder erkennen. Am Sonntag war sie auf Entdeckungstour gegangen, hatte sich eine Brosche aus roten Kirschen in Eltville auf dem Flohmarkt gekauft, die sie stolz dem Publikum zeigte. Und das Grab von Karoline von Günderrode hatte sie auf dem Friedhof im benachbarten Oestrich-Winkel vergeblich gesucht. Sie wollte dort Blumen niederlegen. „Jetzt liegen die Blumen bei einem Elektromeister“, bemerkte sie trocken.

So vielfältig wie Elke Heidenreichs literarisch-kabarettistische Palette war auch das musikalische Programm des Bremer Kaffeehausorchesters. Immer wieder entfernten sich die fünf sympathischen Musiker vom Rhein, begaben sich unter den Himmel von Paris, in die Dampflok nach Chattanooga, spielten Swing, Jazz, Tango, Polka und dazwischen das Wiegenlied der Rheinnixen. Die Zuschauer im überdachten Hof ließen sich von Elke Heidenreich und ihren fünf Bremer Jungs mitreißen, lachten viel und applaudierten begeistert nach jedem literarischen und musikalischen Beitrag. Mit lang anhaltendem Beifall forderte das Publikum am Ende noch eine Zugabe. Elke Heidenreich rezitierte schräge Lyrik von Robert Gernhardt: „Deutung eines allegorischen Gemäldes“ und das Kaffeehaus-Orchester setzte in der Zugabe die schwarz-rot-gelbe Vuvuzela ein. Zum Ausklang des erfrischenden und geistreichen Abends entlockte Violinist Constantin Dorsch der Plastik-Trompete überraschende Töne.

Ganz entspannt ließ sich Elke Heidenreich nach der Veranstaltung noch auf das ein oder andere kurze Gespräch ein, erklärte, dass sie den Rheingau von früheren Besuchen her gut kenne und mit einem Freund schon einmal das Grab der Karoline von Günderrode besucht habe. Sie habe es dennoch nicht wiedergefunden und niemand habe ihr helfen können. „Und jetzt brauch ich mal einen Wein“, betonte sie, bevor sie sich mit Hausherr Peter Seyffardt am Tisch niederließ.

Seit 1987 findet das Rheingau Musik Festival in den Sommermonaten an wunderschönen Spielstätten im Rheingau und in Wiesbaden statt; einzelne Veranstaltungen werden auch in Frankfurt und im Taunus aufgeführt.

Christa Kaddar, Christa Kaddar

Christa Kaddar - Christa Kaddar ist freie Journalistin und Fotoreporterin. Als freie Mitarbeiterin der Redaktion des Rheingau Echos und der Gesellschaft ...

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