Ellery Queen und die Vollendung des klassischen Detektivromans

Ellery Queen und der klassische Detektivroman - hofschlaeger
Ellery Queen und der klassische Detektivroman - hofschlaeger
Ellery Queens Kriminalromane stellen einen Gipfelpunkt der Kriminalliteratur dar. Es dominiert das klassische Rätselmuster.

Welcher Liebhaber von Kriminalromanen kennt nicht Ellery Queen, der, selbst Verfasser von Kriminalromanen, mit seiner kühlen Logik und seinem analytischen Verstand seinem Vater, dem kauzigen Inspektor Queen, hilft, auch den abgefeimtesten Verbrechern auf die Spur zu kommen? Fall Ihnen aber dieser Autor unbekannt ist und Sie eine Kriminallektüre mit Pfiff wollen, eine Story die gut ersonnen und logisch konstruiert ist, eine Handlung – vor allem in scharfen, lebendigen Dialogen – vorangetrieben und eine höchst überraschende und doch sinnvolle Lösung bietet, dann müssen Sie Ellery Queen lesen. Denn: Unter Ellery Queens Feder verwandelt sich der gewöhnliche Kriminalroman von gutem Handwerk in Kunst. Meisterschaft in der Charakterzeichnung, voll Phantasie und leisem Humor. Wie der Queen-Fachmann Volker Neuhaus zu Recht betont, war das Ziel Ellery Queens, „die seit der Mitte des vorigen Jahrhunderts wild wuchernde Literatur zum Verbrechen und ihre Auflösung zu einer Literatur sui generis zu machen und die Alltagskost der einfachen Leute zu einer Spezialitätenküche für den verwöhnten Gourmet zu veredeln.“

Ellery Queen und das gemeinsame Pseudonym

Ellery Queen war das gemeinsame Pseudonym der Vettern Frederic Dannay (1905-1982) und Manfred Bennington Lee (1905-1971), die in Deutschland aber unter dem Queen-Pseudonym erschienen. Sie zählen zu den einflussreichsten und produktivsten Kriminalautoren des vorigen Jahrhunderts. Ihre Kriminalromane beweisen durch Raffinesse ihrer Konstruktion, die überraschenden Wendungen und die total unvorhersehbaren Lösungen Queens Meisterschaft. Man kann mit Recht behaupten, dass Ellery Queen in seinen/in ihren besten Werken die absolute Vollendung des klassischen Detektivromans darstellen. Seit Sherlock Holmes gibt es in der angelsächsischen Kriminalliteratur keine interessantere Figur als Ellery Queen.

Ein Lesetipp: „Der Sarg des Griechen“

Georg Khalkis, ein prominenter Kunsthändler und Besitzer einer Privatgalerie, stirbt plötzlich an Herzschwäche. Im alten Familiengrab wird er beigesetzt. Nach dem Begräbnis stellt man fest, dass das Testament, das noch vor der Trauerfeier im Besitz der Familie Khalkis war, verschwunden ist. Ellery Queen, der Sohn des Polizeiinspektors – berühmt durch die logische Lösung komplizierter Kriminalfälle – wird mit der Auflösung des Falles beauftragt. Während der polizeilichen und Staatsanwaltschaftlichen Untersuchungen ergibt sich der Verdacht, dass das Testament im Sarg des alten Khalkis versteckt und mit ihm begraben wurde. Bei der Exhumierung stellt man aber mit Schrecken fest, dass der Sarg zwei Leichen enthält, Khalkis und einen unbekannten Mann, der erwürgt wurde. Wer ist der Ermordete? Khalkis hatte ein aus der Londoner Victoria-Galerie verschwundenes Bild von Leonardo da Vinci dem Multimillionär Knox verkauft. Gibt es da einen Zusammenhang zwischen diesem Bild und dem Toten? Nach mancherlei Trugschlüssen und Irrwegen gelingt es Ellery Queen, den Dieb des Testamentes, aber auch den Mörder zu entlarven und der Gerechtigkeit zum Sieg zu verhelfen. Ellery Queen ist von dem geplagt, was Byron in seinem „Childe Harold“ so treffend „die Qual des Lebens – den Dämon des Denkens“ nannte. Ein brillanter Kriminalroman! Die fast unerträgliche Spannung steigert sich zu einem verblüffenden Höhepunkt.

Bildnachweis: © by hofschlaeger/pixelio.de

Quellen:

Queen, Ellery: Der Sarg des Griechen, Köln [DuMont Buchverlag], 2. Auflage 1994. Mit einem Nachwort von Volker Neuhaus. Hieraus auch das Zitat (Seite 367).

Ingo Noczynski, Ingo Noczynski

Ingo Noczynski - Ingo Noczynski, in Wiesbaden geboren. Buchhändler und Magister (ev. Theologie, Geschichte, Physik) in Mainz. Derzeit für den ...

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