
- Er weiß wie's geht - Elmore Leonard - http://www.double-whammy.com/photos/elmorel.jpg
Er hat 46 Romane und Prosastücke veröffentlicht. Nicht verwunderlich, dass er sich selber als "Brotautor" und Handwerker betrachtet. Der amerikanische Schriftsteller Elmore Leonard kann ein immenses Werk von Prosaliteratur vorweisen. Viele seiner Werke wurden zu Filmvorlagen ("Schnappt Shorty", "Jackie Brown" oder "Be Cool") und er arbeitete an etlichen Drehbüchern mit.
Mit seinen "10 Rules of Writing", erschienen in einer Autorenreihe der New York Times, ließ er Laien 2001 erstmals über seine Schulter blicken und wies auf Kardinalfehler beim Schreibprozess hin. Hier folgt eine kurze Zusammenfassung:
1. Niemals ein Buch mit dem Wetter eröffnen
Das Wetter dient lediglich zur Atmosphäre und sollte generell nicht zu lange Aufmerksamkeit erhalten, da der Leser nach Charateren sucht. Es gibt dabei nur Ausnahmen, wenn man die Fertigkeit besitzt Wetter (Leonards Beispiel ist Schnee) in mehr Varianten zu beschreiben als beispielsweise Eskimos.
2. Prologe sollten vermieden werden
Sie können nervig sein, besonders wenn der Prolog einer Einleitung, die wiederum einem Vorwort folgt, ansteht. Prologe sind Vorgeschichten und sollten aus diesem Grund in die Geschichte an einem beliebigen Punkt eingearbeitet werden.
3. Niemals ein anderes Verb als "sagte" verwenden, um Dialoge zu schließen
Der Dialog gehört dem Charakter. Das Verb symbolisiert nach Leonard den Autor, der versucht seine Nase in den Dialog zu stecken. "Sagte" ist weit weniger zudringlich als "brummte", "stöhnte" oder "lügte".
4. Niemals ein Adverb benutzen um "sagte" zu verändern
Ein Adverb in diesem Sinne zu verwenden, ist nach Leonard eine Todsünde. Dadurch entblößt sich der Autor mit einem Wort, das ablenkt und den Rhythmus des Austausches unterbricht.
5. Gesunde Dosierung von Ausrufezeichen
Der Autor sollte nicht mehr als zwei oder drei Ausrufezeichen pro 100.000 Wörter verwenden. Hier gilt ebenfalls, dass man diese Regel nur missachten sollte, wenn man die Fertigkeit beispielsweise eines Tom Wolfes besitzt.
6. Niemals Wörter wie "plötzlich" oder "plötzlich war die Hölle los" verwenden
Autoren, die diese Wörter und Redewendungen verwenden, gehen laut Leonard gleichsam rücksichtslos mit den Ausrufezeichen um.
7. Sparsame Verwendung von Dialekten und Mundarten
Wenn man Wörter phonetisch mit Abkürzungen oder Apostrophen darstellt, überlädt man die Seiten und ist daran gebunden, dies folgerichtig beizubehalten.
8. Detaillierte Figurendarstellungen vermeiden
Unter diesem Punkt weist Leonard auf Ernest Hemingway hin, der durchaus in der Lage war Bilder von Figuren zu zeichnen ohne ein einziges Adjektiv zu verwenden: "She had taken off her hat and put it on the table" ("Sie hatte ihren Hut abgesetzt und legte ihn auf den Tisch"). Obwohl hier keine nähere Beschreibung der Figur erfolgt, kann man sich ein Bild von ihr machen.
9. Detaillierte Beschreibung von Orten und Dingen vermeiden
Selbst wenn man gut in Landschaftsbeschreibungen und Ähnlichem ist, sollte man Beschreibungen vermeiden, die die Action tragen und die eigentliche Handlung bremsen.
10. Auslassen der Teile, die Leser gerne überspringen
Man sollte immer daran denken, welche Teile der Leser gerne überspringt: überladene Prosaabsätze mit zu vielen Wörtern. Oft verläuft sich der Autor dabei in weiteren Wetterbeschreibungen oder aber in Gedanken des Charakters. Entweder weiß der Leser das bereits oder er interessiert sich nicht dafür. Die Chancen stehen höher, dass der Leser Dialoge nicht überspringt.
Die nach Leonard wichtigste Regel ist allerdings jene, die alle Regeln zusammenfasst: Wenn es sich nach Schreiben anhört, sollte man es umschreiben.
Wichtig ist ferner, dass man immer den Rhythmus des Geschriebenen beachtet. Dieser Rhythmus kann schon allein durch ein Wort gestört werden. Außerdem sollte der Autor nach Leonards Meinung stets zurückstehen und den Charakteren die Bühne überlassen.
