Nach wie vor ist die Betreuungssituation in Deutschland gerade was Betreuungsangebote für Kinder unter drei Jahre angeht, nicht flächendeckend. Elterninitiative sind daher eine gute Lösung, diesem Betreuungsmangel zu begegnen.
Elterninitiativen sind in Großstädten meist flächendeckend vorhanden, in eher ländlichen Regionen wird die Versorgungsdichte schon geringer. Gerade in Innenstadtbereichen haben Elterninitiativen meist lange Wartezeiten, so dass es sinnvoll ist, sich bereits frühzeitig Einrichtungen anzusehen und sein Kind auf eine Warteliste setzen zu lassen. Wenn alle Stricke reißen, sollten Sie auch durchaus in Erwägung ziehen, eine Elterninitiative selber zu gründen.
Definition
Als Elterninitiative gelten solche Kinderbetreuungseinrichtungen, in denen sich Eltern zur Betreuung ihrer Kinder zusammengeschlossen haben. Die Finanzierung erfolgt entweder durch die Eltern allein oder durch zusätzliche Zuschüsse der Kommunen. Dies hängt maßgeblich von der Rechtsform der Elterninitiative und deren Trägerschaft ab.
Elterninitiativen können in unterschiedlichen Erscheinungsformen auftreten. Es gibt die Elterninitiative als klassische Kindertagesstätte, in der die Kinder teil- oder ganztags ohne ihre Eltern außerhalb von Zuhause betreut werden. Dann gibt es noch die kleineren Ausführungen, in denen Kinder durch ihre Eltern selbst betreut werden. Hierunter fallen vor allem die Eltern-Kind-Gruppen, Spielkreise und Krabbelgruppen.
Selbstbestimmung
Der große Vorteil der Elterninitiativen ist unstreitig das breite Mitbestimmungsrecht der Eltern. Dies betrifft das pädagogische Konzept der Einrichtung ebenso, wie rein praktische Fragen, wie beispielsweise die Öffnungszeiten der Einrichtung. Auch hinsichtlich der Anschaffung von Sachmitteln, was und wie gekocht wird, haben die Eltern das alleinige Entscheidungsrecht. Die durch die Elternschaft selbst bestimmten Öffnungszeiten sind sicher der entscheidende Faktor, der die Kinderbetreuung in einer Elterninitiative so gut mit Berufstätigkeit vereinbaren lässt. Aber auch die sonstigen Mitbestimmungsrechte sollten nicht unterschätzt werden. So kann es für die Vereinbarkeit mit der Berufstätigkeit beispielsweise große Bedeutung haben, dass das Kind mittags bereits eine vollwertige (frisch zubereitete) Mahlzeit hatte und auch ansonsten in der Einrichtung auf eine ausgewogene Ernährung des Kindes geachtet worden ist. Der Umstand, abends nicht noch warm kochen zu müssen, kann eine enorme Erleichterung für die Organisation der Vereinbarkeit von Berufstätigkeit und Kinderbetreuung darstellen.
Kosten
Ist die Elterninitiative als Träger der freien Jugendhilfe anerkannt und hat sie eine formelle Betriebserlaubnis, so ist sie den konfessionellen und städtischen Kindertageseinrichtungen gleichgestellt. Die Eltern zahlen damit ebenso wie in den konventionellen Einrichtungen ihren Elternbeitrag an das Jugendamt der Kommune. Da die Kosten der Elterninitiative durch den Zuschuss der Kommune aber meist nicht ausreichend gedeckt sind, fällt regelmäßig zusätzlich noch ein monatlicher Beitrag an die Elterninitiative selbst an. Die Höhe dieser Beiträge kann entweder pauschal für jedes Kind erhoben werden oder ist (ebenso wie der städtische Beitrag) von der Höhe des Einkommens der Eltern abhängig.
Elternarbeit
Eine Elterninitiative steht und fällt mit der engagierten Elternarbeit. Je nach finanziellem Status der Elterninitiative müssen die Eltern eigenen Einsatz durch die Übernahme von Putz-, Kochdiensten, hausmeisterlichen oder pädagogischen Diensten erbringen. Ein Teil der Eltern der Initiative übernimmt zudem die Vorstandstätigkeiten.
Hierdurch muss selbstverständlich mehr Zeit und Arbeit investiert werden, als dies in einer konventionellen Kindertagesstätte der Fall ist. Zugleich gewinnt man aber auch ein hohes Maß an Einflussmöglichkeiten, was die Mehrarbeit in jedem Fall aufwiegt.
„Fast wie zu Hause“
Aufgrund der Organisationsform, der meist geringen Größe der Einrichtung und der großzügigen Öffnungszeiten entsteht zwischen den Kindern, ErzieherInnen und Eltern meist eine sehr enge Bindung, so dass die Kinder in der Elterninitiative eine Art zweites Zuhause finden. Dies stellt eine große Erleichterung für die Vereinbarkeit von Berufstätigkeit und Kinderbetreuung dar. Auch das Elternnetz, das sich regelmäßig in Elterninitiativen knüpft, ist ein entscheidender Vorteil gegenüber konventionellen Einrichtungen. So findet sich meist jemand, der das Kind mit nach Hause nehmen kann, wenn es im Büro mal später wird .
TIPP:
Machen Sie sich ein persönliches Bild der Elterninitiativen bei Ihnen vor Ort und verschaffen Sie sich einen Überblick über deren Aufnahmevoraussetzungen. Lassen Sie sich von der erhöhten Elternarbeit nicht abschrecken. Gerade die persönliche und familiäre Betreuung in einer Elterninitiative und das meist starke Elternnetzwerk machen den Spagat zwischen Beruf und Kinderbetreuung erheblich leichter.
