Eltville am Rhein: Stadt der Rosen und des Sekts

Sehenswert sind die Kurfürstliche Burg und die verwinkelte Altstadt

Kurfürstliche Burg, Eltville am Rhein - Christa Kaddar
Kurfürstliche Burg, Eltville am Rhein - Christa Kaddar
Eltville ist eine von zehn Rosenstädten in Deutschland, liegt an der Deutschen Fachwerkstraße, ist Gutenbergstadt und bietet vorzüglichen Wein und Sekt.

Als sich die literarische Romantik des 18. und 19. Jahrhunderts der Rheinlandschaft mit besonderem Eifer zu wandte, erhielt auch Eltville mit seiner romantischen Burg direkt am Rhein eine besondere Bedeutung. Und genauso zieht auch heute die Stadt mit der Kurfürstlichen Burg, der Pfarrkirche St. Peter und Paul, den malerischen Altstadtgassen und den gut erhaltenen Fachwerkhäusern, den alten Adelshöfen, prächtigen Villen und der Rheinuferpromenade zahlreiche Besucher an. Außerdem hat sich Eltville als Stadt der Rosen einen internationalen Ruf erworben.

350 Rosensorten blühen in Eltville

22.000 Rosenstöcke in 350 verschiedenen Sorten blühen hier, darunter auch viele Raritäten. Bereits im 19. Jahrhundert gab es außerhalb der Stadtmauern riesige Rosenfelder, wo über eine halbe Million Rosen im Jahr heranwuchsen. Die erste Rosenschule in Eltville lieferte sogar bis an den Zarenhof nach St. Petersburg. Doch nach dem Ersten Weltkrieg war von den üppigen Rosenfeldern nichts mehr zu sehen. Der Stadtgärtner Reinhard Pusch befreite viel später den Burggraben von Brennnesseln und Disteln und pflanzte dort Ende der 1970er Jahre Rosen. Einige Exemplare der Kletterrosen, die die Burggrabenmauer überwuchern, sind zehn Meter hoch.

Die Sektproduktion vermehrte den Wohlstand in Eltville

Schon seit Jahrhunderten wird in Eltville Weinbau betrieben. In den 1930er Jahren begann Matheus Müller mit der Produktion schäumender Weine nach der „Méthode champenoise“. Müller trug zum wachsenden Wohlstand der Stadt bei und sein „MM Extra“ wurde zu einer der bekanntesten Sektmarken Deutschlands. Auch die 1868 in Berlin gegründete Sektkellerei Schloss Vaux hat mittlerweile ihren Sitz in Eltville. Außerdem bieten die heimischen Winzer eigene Sekte an.

Die Kurfürstliche Burg war die Residenz der Mainzer Erzbischöfe und Kurfürsten

Die Mainzer Erzbischöfe hatten im 14. und 15. Jahrhundert ihre Residenz in der Kurfürstlichen Burg, die um 1330 von Balduin von Luxemburg, der Erzbischof und Kurfürst von Trier war, geplant wurde. 1332 hatte Balduin von seinem Gönner, Kaiser Ludwig dem Bayer, das Stadtrecht für Eltville erwirkt, womit auch das Recht verbunden war, Befestigungsmauern und Gräben anzulegen. Der Papst und die Mainzer Bevölkerung wollten diesen Erzbischof jedoch nicht haben 1338 gab Balduin den Kampf um den Mainzer Erzstuhl auf und sein Nachfolger, Heinrich von Virneburg, vollendete die Burg. Kaiser, Könige, Kurfürsten und Zaren waren im Lauf der Jahrhunderte hier zu Gast.

Seit 2006 ist Eltville auch Gutenbergstadt

Die „Galerie im Turm“ der Burg ist heute ein Ausstellungsraum für regelmäßige und wechselnde Kunstausstellungen. Im Burgturm befindet sich auch die Domherrenkammer, wo die historische Sammlung „Alta Villa“ untergebracht ist, und die Grafenkammer, deren Wände noch mit den Originalgemälden aus der Bauzeit dekoriert sind: Papageien in Pastellfarben. Jahrzehnte später wurden noch die Wappen der Erzbischöfe eingefügt. Außerdem beherbergt der Turm die Gutenberg-Gedenkstätte im zweiten Stock, die von der Bedeutung Johannes Gutenbergs für die Stadt zeugt. Vielen auswärtigen Gästen ist es nicht bekannt, dass Gutenberg Jahre seines Lebens in Eltville verbrachte, dass durch ihn Eltville unter den ersten Druckstätten der Welt rangiert und dass der Mainzer Erfinder des Buchdrucks mit beweglichen Lettern die einzige Ehrung seines Lebens im Januar 1465 durch Adolph von Nassau in der Kurfürstlichen Burg erhielt. Seit 2006 ist Eltville offizielle Gutenbergstadt.

Die Kurfürstliche Burg ist als Kulturdenkmal von nationaler Bedeutung eingestuft

Der Ausblick von der Wehrplattform des Burgturms bietet einen herrlichen Blick über Eltville, den Rheingau, Taunus und Rheinhessen. Die Bischöfe von Mainz, die in Eltville residierten, weil sie sich in Mainz nicht verteidigen konnten, sollen Wert darauf gelegt haben vom Turm aus bis zum Mainzer Dom blicken zu können. Die weite Sicht und zugleich auch der Blick auf die Burgruine, in den Burggraben und auf den Verlauf der Stadtmauer lassen durchaus noch etwas von der Größe und Macht der Mainzer Erzbischöfe und Kurfürsten erahnen. Aufgrund ihres baugeschichtlichen, künstlerischen und kulturgeschichtlichen Wertes ist die Eltviller Burg als Kulturdenkmal von nationaler Bedeutung eingestuft, wobei der 660 Jahre alte Wohnturm nach dem Urteil des Hessischen Landesamtes für Denkmalpflege eine besondere Bedeutung besitzt. Um diese wertvolle Anlage zu erhalten, hat die Stadt Eltville mit aufwendigen Sanierungsmaßnahmen begonnen.

Die Pfarrkirche St. Peter und Paul ist ein Zeugnis gotischer Baukunst

Prägend im Stadtbild ist auch der Turm der Pfarrkirche St. Peter und Paul. Zusammen mit dem im 14. Jahrhundert beendeten Hauptschiff der Kirche stellt er ein beeindruckendes Zeugnis gotischer Baukunst dar. Einen Kontrast dazu bildet die barocke Turmhaube, die 1683 den durch Blitzschlag zerstörten gotischen Turmhelm ersetzte. Mit dem spitz aufstrebenden gotischen Helm hatte der Turm zuvor die außergewöhnliche Höhe von etwa 100 Metern und ist auch heute noch der höchste Kirchturm im Rheingau.

Die Pfarrkirche enthält neben einer großen Anzahl interessanter Grabdenkmäler ein Fresko des 15. Jahrhunderts, das Jüngste Gericht darstellend und weitere Ausmalungen und Heiligendarstellungen des 16. Jahrhunderts. Zur reichen Ausstattung gehören zwei Madonnen auf der Mondsichel, der Taufstein von 1517 aus der Werkstatt des Hans Backoffen zu Mainz und eine Ölberggruppe von 1520.

Eltville liegt im Rheingau, zehn Kilometer westlich von Wiesbaden. Zu Eltville gehören die Stadtteile Erbach, Hattenheim, Martinsthal, Rauenthal und das Kloster Eberbach.

Tipp: Am 4. und 5. Juni 2011 feiert Eltville die Rosentage mit einem großen Rosen- und Kunsthandwerkermarkt rund um die Kurfürstliche Burg und an der Rheinpromenade. Außerdem gibt es eine Aktionsbühne auf dem Platz der Deutschen Einheit mit einem abwechslungreichen Kultur- und Unterhaltungsprogramm. Die Geschäfte sind samstags bis 20 Uhr, sonntags ab 11 Uhr geöffnet und überall in der Innenstadt unterhalten Clowns, Stelzenläufer, Jongleure und Artisten das Publikum.

Christa Kaddar, Christa Kaddar

Christa Kaddar - Christa Kaddar ist freie Journalistin und Fotoreporterin. Als freie Mitarbeiterin der Redaktion des Rheingau Echos und der Gesellschaft ...

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