Emanzipation bei Themse-Regatta "Oxford-Cambridge"

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Das "Boat Race" startet westlich des Parlaments - Public Domain Pictures
Bislang fand der Frauen-Wettbewerb der berühmten Ruderregatta fast unbeachtet als „Alibi-Veranstaltung" statt. Ab 2015 soll sich das ändern

Eines der bekanntesten Sport-Ereignisse weltweit findet in einer Randsportart statt: Die Ruder-Regatta „Oxford-Cambridge“ verläuft über 7500 Meter auf der Themse zwischen Putney und Mortlake und findet seit 183 Jahren vor inzwischen Hunderttausend Zuschauern statt und wird vom Fernsehen weltweit übertragen – allein schon deshalb, weil Studenten aus allen Nationen des früheren „British Empire“ in Cambridge und Oxford zu finden sind.

Doch selbst in England weiß kaum jemand, dass das berühmteste Ruderrennen der Welt gleich zweimal ausgetragen wird: Für die Themse-Regatta der Frauen, welches seit 1977 eine Woche vor dem der Männer auf einem anderen Teil der Themse und „nur“ über 2000 Meter ausgetragen wird, interessiert sich bislang kaum jemand. Dies soll sich ab 2015 ändern - wie am 9.Februar 2012 bekanntgegeben wurde.

Gleichberechtigung auch im Rudern

Denn ab diesem Datum sollen beide Rennen nacheinander am gleichen Tag, auf derselben Strecke und über die gleiche Distanz ausgetragen werden. Die Organisatoren versprechen sich dadurch eine Aufwertung des Frauen-Ruderns, dass nicht nur in Oxford und Cambridge, sondern auch in ganz England noch immer ein Mauerblümchen-Dasein fristet.

Während nämlich die Herren Ruderer als Aushängeschilder ihrer Städte (es gibt nicht „die Uni“ in Cambridge oder Oxford, sondern viele verschiedene kleine Colleges) seit jeher gefördert und hofiert werden, ist die Unterstützung der Ruderinnen nahezu gleich null. Selbst ihre Ausrüstung und Fahrtkosten müssen die rudernden Ladys selbst bezahlen. Überhaupt ist Frauen-Rudern erst seit 1976 (Montreal) Olympische Disziplin.

The Boat Race: Ein Bischof stand Pate

Wenn in England von „The Boat Race“ die Rede ist, weiß jeder, was gemeint ist: Das Rennen der Ruder-Achter der beiden großen Universitätsstädte im Frühjahr. Es wurde erstmals im Jahre 1835 ausgetragen – auf Anregung zweier befreundeter Studenten, die später hohe geistliche Würdenträger wurden: Charles Merivale (Cambridge) wurde Bischof von Ely, Charles Wordsworth (der Neffe des bekannten Dichters William Wordsworth) avancierte zum Bischof von St. Andrews. Beide waren als junge Männer begeisterte Sportler und vereinbarten die erste Regatta, die zum Vorbild für viele Rennen in aller Welt werden sollte.

Sie fand auf jenem Themse-Abschnitt statt, der heute noch die Rennstrecke stellt: Die 7,5 Kilometer zwischen Putney und Mortlake - westlich des großen Themsebogend und daher oberhalb der Parlamentsgebäude - liegen noch im Sog der Gezeiten und werden bei Flut, wenn das Wasser in die Themse hineindrückt, stromaufwärts gefahren. Die Schwerkraft (denn es geht ja bergauf) wirkt also der Wasserströmung entgegen.

Legenden und Mythen rund um die Regatta

Mit den Jahren wurde „The Boat Race“ nicht nur zu einer jährlichen Institution, sondern immer mehr zu einem öffentlichen und gesellschaftlichen Ereignis. Inzwischen ranken sich viele Legenden und Geschichten um die Regatta, ähnlich wie beim fast ebenso altehrwürdigen FA Cup Final. So gab es 1877 das einzige Unentschieden zwischen beiden Kontrahenten, weil beide Boote direkt gleichauf lagen – und der Zielschiedsrichter soll betrunken unter einem Baum geschlafen haben.

Die größte Deklassierung gab es im Jahre 1900, als Cambridge mit 20 Bootslängen Vorsprung vor Oxford gewann. 2004 gewann ebenfalls Cambridge mit einem Vorsprung von 15 Sekunden. Ein Jahr zuvor hatte der Abstand zwischen beiden Bootsspitzen nur 30 Zentimeter betragen; Oxford feierte den knappsten Sieg der Geschichte.

Auch Untergänge hat es gegeben, weil bei jedem Wetter und Wellengang gerudert wird: 1869 und 1978 erwischte es Cambridge, 1925 und 1951 traf es Oxford und 1912 gleich beide Boote – das Rennen musste wiederholt werden. Der „kampflose“ Sieg von 1925 für Cambridge fiel in die längste Siegesserie der Regatte: von 1924 bis 1936 blieb Cambridge 13x hintereinander siegreich. Oxford schaffte des zehnmal von 1976 bis 1985.

Oxford-Cambridge öffnet sich

In Hundert Jahren werden weitere Geschichten erzählt werden – dann sicherlich auch über die Frauen-Regatta, die sich kurz über lang einen festen Platz auch in den Herzen der Zuschauer erkämpfen werden. - Übrigens ist „The Boat Race“ schon längst keine rein britische Regatta mehr:

In beiden Achtern gibt sich die Ruder-Elite der ganzen Welt ein Stelldichein, so sie denn in Oxford oder Cambridge studiert. Auch bekannte deutsche Ruderer haben sich ihre Sporen einst auf der Themse-Regatta verdient.

Internet: Unispiegel vom 9.Februar 2012 & „I UK – the Boat Race“ vom 23.12. 2011

Foto: ©

Dirk Buschmann, Dirk Buschmann

Dirk Buschmann - Dirk Buschmann (geb. 1977) aus LÜNEN bei Dortmund, ist studierter Historiker (NF: Geographie und Politikwissenschaft) und sozusagen ...

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