EMDR - Heilsame Augenbewegungen für traumatische Erinnerungen

EMDR auch für Mütter und Kinder - Dagmar Flemig / pixelio.de
EMDR auch für Mütter und Kinder - Dagmar Flemig / pixelio.de
EMDR ist nicht nur eine Methode zum Heilen von Traumata, auch Probleme in der Mutter-Kind-Beziehung oder alltägliche Allergien können behandelt werden.

1989 entwickelte die amerikanische Psychologin Francine Shapiro ein simpel wirkendes Verfahren, um Menschen mit einer posttraumatischen Belastungsstörung zu behandeln. Doch nicht nur schwere Traumata, sondern auch sogenannte Mikrotraumata (Mobbing, überzogene Leistungsanforderungen u.a. in der Kindheit), die unter anderem für Essstörungen, Depressionen, Verhaltensstörungen oder auch Allergien verantwortlich sind, können mit dieser Methode behandelt werden.

Es funktioniert wie träumen

Die EMDR-Methode (Eye Movement Desensitization And Reprocessing) wurde in der Vergangenheit oft als "Scharlatanie" tituliert oder als unwissenschaftlich abgestempelt. Dies hatte den einfachen Grund, dass man nicht genau erklären konnte, wie der schnelle Erfolg zustande kam. Der Psychologe und Traumaforscher Robert McNally sagte 1999: "Was neu ist an EMDR wirkt nicht, und was an EMDR wirkt, ist nicht neu." Eine empirische Studie konzentrierte sich auf die Augenbewegungen, die Patienten während der Behandlung machen sollen. Sie ähneln den Bewegungen, die unsere Augen während der REM-Phase (Rapid Eye Movement) während des Schlafens machen. Man fand heraus, dass durch diese Bewegungen ein wacher Zustand dieser Schlafphase erzeugt wird. So kann es unverarbeiteten, traumatischen Erinnerungen ermöglicht werden, von der rechten Gehirnhälfte in die Linke transferiert zu werden. So verblassen mit der Zeit nicht benötigte Informationen und der Patient hat keine aktive negative Erinnerung an das Erlebnis.

Körperliche und seelische Belastungen verschwinden

Es sind acht Schritte durch die Therapie. Als Erstes wird mit dem Patienten eine Behandlungsplanung erstellt. Als Nächstes soll der Patient vorbereitet und positiv stabilisiert werden. Dies geschieht, indem sich der Patient darüber klar wird, welche positiven und welche negativen Belastungen überhaupt präsent sind. Der dritte Schritt wird mit "Bewertung" tituliert und beinhaltet eine (Neu)Zuordnung der Erinnerung zu a) einer negativen Kognition (z.B. "Ich bin hilflos") und b) positiven Kognition (z.B. "Ich kann heute etwas tun!"). Es folgt die "Desensibilisierung", Schritt 4: Dies ist der wohl zeitaufwendigste Schritt von allen. Das belastende Material wird fokussiert und durchgearbeitet (z.B. besprochen). Begleitet wird diese Bearbeitung von einer Rechts-links-Stimulation des Seh-, Hör-, oder Tastsinns. Dies wird so lange wiederholt, bis keine körperlichen oder/und seelischen Belastungen mehr erkennbar sind. Bei der Verankerung (Schritt 5) wird die negative Kognition durch die positive ersetzt und gestärkt. Sollten zu Beginn der Therapie die negativen Erinnerungen von körperlichen Erscheinungen begleitet sein, wird im 6. Schritt ein Körpertest durchgeführt. In einer Abschlussbesprechung (Schritt 7) wird unter anderem ein Hinweis auf Nachwirkungen gegeben. Abschließend wird eine Erfolgsüberprüfung durchgeführt und ein Blick auf die Zukunft gewagt, bei dem es um die Neuorientierung des Patienten geht.

Geeignet für "schwierige Kinder"

Ein wichtiger Bereich des EMDR ist die Behandlung von verhaltensauffälligen Kindern. Der Herausgeber des Buches "Im eigenen Rhythmus" (Psychosozial, Gießen 2009) R. Plassmann sagte: "Die Idee beruht auf unserer Erfahrung, dass die emotionale Verarbeitung am besten zwischen Mutter und Kind stattfindet. Die Mutter muss mitwachsen". Oftmals fehlt beiden Parteien die Fähigkeit ihre Gefühle selbst zu regulieren. Dies ist jedoch Voraussetzung für EMDR, das u.a. auf Selbstheilungskraft setzt. Deswegen müssen beide erstmal mit positiven Ressourcen gestärkt werden, bis sie in der Lage sind, sich mit unverarbeiteten Emotionen auseinanderzusetzen. Nicht immer kommt es zu einer sofortigen oder "rasanten" Heilung, sodass die Therapie über längere Zeit laufen muss, doch auch schon kleine Erfolge zeigen eine große Wirkung. Oftmals bekommen die Mütter mit ihren Kindern das erste Mal das Gefühl, dass ihre Probleme nicht "unberührbar" oder "unausweichlich" sind. Jedoch ist der Erfolg einer solchen Therapie sehr patientenabhängig, wie so oft kann nur denjenigen wirklich geholfen werden, die sich wirklich verändern wollen. Trifft dies jedoch zu, kann die EMDR-Methode offenbar beeindruckende Ergebnisse erzielen.

Bitte beachten Sie, dass ein Suite101-Artikel generell fachlichen Rat - zum Beispiel durch einen Arzt - nicht ersetzen kann.

Quelle: Psychologie Heute, Ausgabe Juli 2010

Anna Fricke, Anna Fricke

Anna Fricke - Mein Name ist Anna und ich studiere derzeit Theologie in Bielefeld. Ich bin 21 jahre alt und bin in einem Dorf zwischen zwei Wäldern ...

rss