Für die Flugzeughersteller Boeing und vor allem Airbus sind die Kunden aus den Emiraten ein entscheidender Expansionsmotor. Alleine die drei Airlines Emirates, Etihad und Qatar Airways haben derzeit mehr Langstreckenflugzeuge bestellt als die großen europäischen Fluggesellschaften zusammen. Werden die Pläne umgesetzt, könnten die Europäer bereits in wenigen Jahren das Nachsehen auf den interkontinentalen Verbindungen haben.

Etihad will 2010 mit Langstreckenverbindungen in die Gewinnzone fliegen

Die erst 2003 in den Vereinigten Arabischen Emiraten gegründete Etihad Airways befindet sich ebenso wie die meisten anderen Airlines der Golfregion im Staatsbesitz. Seitdem expandierte die Airline stetig, erwirtschaftete jedoch bis dato noch keinen Gewinn. Den Expansionsplänen steht das aber nicht im Weg, denn innerhalb der nächsten Jahre soll die Flugzeugflotte von knapp 50 auf über 100 Flugzeuge anwachsen. Mit 25 bestellten Airbus A350, zehn A380 und 35 Boeing 787 liegt der Schwerpunkt dabei eindeutig auf dem Ausbau der Langstreckenverbindungen.

Genau darin sehen alle Airlines am Golf ihre Chance und ihr großes Potential. Etihads Drehkreuz Abu Dhabi liegt geographisch günstig zwischen den hochfrequentierten Langstreckenverbindungen zwischen Europa, Afrika, Asien und Australien. Hinzu kommt die wirtschaftsstarke Region im Osten der Arabischen Halbinsel, welche von der Wirtschaftskrise zwar auch getroffen, aber nicht so stark in Mitleidenschaft gezogen wurde wie manch anderes Land.

Qatar Airways investiert über 30 Milliarden US$ in den Flottenausbau

Die auf dem Flughafen von Doha beheimatete Qatar Airways feierte am 15. Dezember ihre fünfjährige Präsenz am Berliner Flughafen, den sie inzwischen täglich von Qatar aus anfliegt. Auch andere deutsche Flughäfen profitieren vom Anschluss an das weltweite Streckennetz, das Qatar Airways sich seit ihrer Gründung 1993 aufgebaut hat. Ab 2012 wird die Airline über 30 Mal pro Woche Qatar mit Deutschland verbinden und damit ihre Bedeutung weiter ausbauen. Mit fünf Sternen im Skytrax-Ranking für Qualität und Service gehört Qatar Airways zu den wenigen Airlines mit voller Punktzahl in diesem Bereich. Mehrfach wurde die Fluggesellschaft bereits für ihren exzellenten Service ausgezeichnet.

Mit derzeit 92 Flugzeugen bedient die Airline weltweit etwa 90 Ziele, die über das Drehkreuz Doha angeflogen werden. Die Flotte besteht hauptsächlich aus Langstreckenflugzeugen der Typen Airbus A330 und Boeing 777, welche auch die Flottenpolitik der Zukunft bestimmen werden: Nicht weniger als 80 Airbus A350, fünf Airbus A380, 60 Boeing 787 und 32 Boeing 777 sind bestellt und sollen ab 2012 ausgeliefert werden. Parallel zum Geschäft mit Passagieren werden dabei die Anteile am Luftfrachtverkehr ausgeweitet werden.

Emirates ist auf dem Weg zur weltgrößten Airline

Emirates ist die mit Abstand größte Airline der Golfstaaten und fährt im Gegensatz zu ihren Mitbewerbern bereits seit 1986 – einem Jahr nach ihrer Gründung – ordentliche Gewinne ein. So konnte in den letzten Jahren genug Kapital angelegt werden, um auch schlechtere Zeiten unbeschadet zu überstehen. Davon kann jedoch keine Rede sein, denn Emirates wird bereits in Kürze über die größte Langstreckenflotte weltweit verfügen. Bereits jetzt verfügt die Airline ausschließlich über Langstreckenflugzeuge der Typen Airbus A330, A340 und A380 sowie Boeing 747 und 777. Zu den bestehenden gut 150 Flugzeugen kommen in den nächsten Jahren etwa 200 Flugzeuge der Typen A350, A380 und Boeing 777 hinzu.

Nach Plan sollen dann ab 2020 etwa 90 Airbus A380 die weltweit wichtigsten Strecken verbinden und Dubai als das Drehkreuz der Welt etablieren. Um dies zu erreichen setzen die Airline-Chefs auf einen massiven Ausbau des Services. Vor allem neue Flugzeuge, ein umfangreiches Unterhaltungsprogramm an Bord und besserer Service für die Business-Kunden sollen noch mehr Kunden in die Flugzeuge aus Dubai locken.

Die Flughäfen am Golf werden zu Mega-Airports ausgebaut

Die Golfregion hat demnach allen Grund, mit großer Zufriedenheit auf die Entwicklungen in der Luftfahrt zu blicken. Dabei geht es nicht nur um den Passagierverkehr, sondern auch um das lukrative Frachtgeschäft, das zukünftig in ebenso großem Umfang über die Golfstaaten abgewickelt werden soll. Um dieses Ziel zu erreichen wird auf den Flughäfen der Region kräftig gebaut, damit die Kapazitäten Schritt halten können. Bereits 2012 soll der Dubai City Airport so eine Kapazität von fast 80 Millionen Passagieren im Jahr abfertigen können – deutlich mehr als Deutschlands größter Airport Frankfurt am Main. Hinzu kommt wieder einmal ein superlatives Großprojekt: der Mega-Airport „Dubai World Central“ mit fünf kilometerlangen Pisten wird derzeit in der arabischen Wüste gebaut und in 15 Jahren eine Kapazität von mehr als 150 Millionen Passagieren erreichen. Emirates hat bereits angekündigt, seine Langstreckenflotte komplett auf dem dann größten Flughafen der Welt zu stationieren.

Kritik ernten solche Großprojekte und Expansionspläne vor allem von europäischen und nordamerikanischen Konkurrenten. Wenn sich diese Entwicklung fortsetzt, werden die Golf-Airlines in nicht allzu ferner Zukunft die größten europäischen Fluggesellschaften British Airways, Lufthansa und Air France überholt haben. Diese werfen den arabischen Airlines bereits seit längerem vor, durch staatliche Unterstützung und Vergünstigungen den Wettbewerb zu verzerren. Dies weisen die Betroffenen vehement zurück und verweisen auf eine effizientere Kostenstruktur. Ein weiterer Kritikpunkt sind längere Strecken und dadurch auch höhere Emissionen bei einem Umweg über die Emirate. Einige Länder wie Kanada versuchen bereits, die Expansionsbestrebungen durch restriktivere Landerechte einzudämmen. Diese Forderung ist seit längerem auch in Europa zu hören, doch dürfen die Regierungen hier nicht außer Acht lassen, dass ein solches Pendel nach einer Verlagerung des Luftverkehrs auch zurückschlagen kann.