Für das Kind selbst ist der emotionale Missbrauch nicht zu erkennen. Die Kindheit ist geprägt von dem Gefühl der Verunsicherung und der Willkür der Eltern ausgeliefert zu sein. Die Familie bedeutet für das Kind nicht Schutz, Geborgenheit und Sicherheit, sondern Unsicherheit und Gefahr.

Emotionaler Missbrauch hat vielfältige Formen und kann höchst schädigend sein. Dies sind nur einige Beispiele emotionalen Missbrauchs an Kindern.

Emotionale Erpressung und das Erschaffen von Schuldgefühlen

Wenn Eltern ihre Kinder beispielsweise mit ihrer Gesundheit, ihrem Verhalten dem Kind gegenüber oder ihrem eigenen glücklich bzw. unglücklich sein erpressen. Beispiele dafür sind: „Räum dein Zimmer auf, oder willst du das ich wieder Kopfschmerzen bekomme, … oder du bekommst keinen Gute Nachtkuss, und die Mama hat dich nicht mehr lieb, … oder willst du das ich traurig bin, … der Papa sich wieder so aufregen muss und wieder krank wird?“

Kein Kind möchte weder verantwortlich dafür noch Schuld daran sein, dass die Mutter oder der Vater Kopfschmerzen bekommt, sich aufregt , oder krank wird. Keinen Gute Nachtkuss zu bekommen oder nicht mehr liebgehabt zu werden, ist auch nicht das, was ein Kind möchte. Also räumt es auf, aufgrund von Angst und nicht etwa aus Einsicht.

Die Gefühle und Wahrnehmung des Kindes absprechen

Hat ein Kind Angst, ist traurig oder wütend und man sagt ihm, dass es keinen Grund dafür hat, oder sich nicht so anstellen soll, so spricht man ihm die eigenen Gefühle ab. Definieren die Eltern Angst als Feigheit, Wut als Respektlosigkeit dann sprechen sie ihrem Kind nicht nur die eigenen Gefühle und Wahrnehmung ab, sondern verdrehen sie zusätzlich noch.

Die Folgen des Absprechends und Verdrehens der Gefühle und Wahrnehmung des Kindes, führt dazu, dass das Kind den Zugang zu sich selbst verliert. Es kann Situationen und Emotionen nicht mehr situations- und emotionsgerecht einschätzen.

Das Kind für die eigenen Zwecke benutzen

Wenn Eltern ihre Kinder beispielsweise als Vermittler der eigenen Beziehung benutzen und der Kontakt zueinander nach oder während einer Auseinandersetzung über das Kind stattfindet, beginnt emotionaler Missbrauch. Ebenso verhält es sich, wenn Mutter oder Vater ihr Kind zum Verbündeten machen, gegen den eigenen Partner; dem Kind ihr Leid klagen und sich von ihm trösten lassen.

Hierbei geht es nie um das Kind, geschweige denn um sein Wohl, sondern nur um die eigenen Belange der Eltern. Unbewusst wird das Kind dazu angehalten, sich für ein Elternteil zu entscheiden.

Die Folgen für das Kind sind oftmals innere Zerrissenheit. Es ist nicht in der Lage, sich ein eigenes Bild von dem einen Elternteil zu machen, da es in die Beziehung zwischen Mutter und Vater hineingezogen wird.

Spätfolgen können unter anderem Beziehungsunfähigkeit, oder ein hohes Maß an Verantwortung für die späteren Beziehungen sein.

Das Kind für sein Glück verantwortlich machen

Durch Suggestion werden Kinder glauben gemacht, dass sie ihre Eltern glücklich machen könnten. Sie müssten sich nur in einer bestimmten und von den Eltern gewünschte Art und Weise verhalten.

Wenn Kinder für das Glück ihrer Eltern verantwortlich gemacht werden, so ist dies eine Verantwortung bzw. Last die nicht zu schultern ist.

Die Auswirkungen auf spätere Beziehungen können unter anderem der Glaube sein, den Partner in ihrer eigenen Beziehung glücklich machen zu können und auch alleine für die Beziehung verantwortlich zu sein.

Auswirkungen von emotionalem Missbrauch auf das spätere Leben

Für die Entstehung und Aufrechterhaltung von Verhaltensweisen ist die Interaktion zwischen den Familienangehörigen ein entscheidender Aspekt. Des weiteren ist der Aspekt des Beobachtungslernens bei emotionalem Missbrauch von Bedeutung. Das Kind erkennt das Verhalten und die darauffolgende Reaktion der Eltern, bringt Verhalten und Reaktion in Zusammenhang und lernt das eigene Verhalten danach auszurichten. Die Folgen daraus für das spätere Leben können unter anderem Kontrollverhalten, sich für alles verantwortlich fühlen, bis hin zur Schädigung der emotionalen und sozialen Kompetenz sein.