Aktuell! Auch nach 2012 sind noch viele Emscherkunst-Hingucker übrig geblieben - eine Auflistung unten - und außerdem gibt es ja 2013 eine Neuauflage.

EMSCHERKUNST.2010 ist das größte Kunstprojekt der Kulturhauptstadt Europas RUHR.2010. Bis Anfang September werden auf der so genannten Emscher-Insel mehr als 20 moderne Kunstwerke ausgestellt, viele davon werden aber auch danach dort verbleiben.

Emscherumbau: Hässliches Entlein wird Freizeitpark

Entlang der Emscher zeigt sich das hässliche Revier - die Emscher ist nämlich auch heute noch der offene, mit Klopapierfetzen stinkende Abwasserkanal des nördlichen Ruhrgebiets, treffend auch "Cloaca Maxima" des Reviers genannt. In Bergbau-Zeiten konnten größere Abwasserrohre wegen der Bergsenkungen nicht verlegt werden: Sie wären gebrochen, denn die Ruhrgebietsregion hat sich in den letzten Jahrzehnten um bis zu zehn Meter gesenkt. Die Emscher und ihre Nebenläufe werden nun nach Ende der Bergbau-Ära in einem Jahrhundertprojekt durch die Emschergenossenschaft umgebaut - aus betonierten Abwasserkanälen sollen renaturierte Flüsse und Bäche werden - derzeit das größte Renaturierungsprojekt der Welt.

Die Emscher-Insel ist eigentlich nichts weiter als ein mal schmaler, mal breiterer Landstrich zwischen Emscher und Rhein-Herne-Kanal, ein Gebiet, das einmal das Neuen Emschertal im großen Emscher-Landschaftspark bilden soll. Die Emscher-Insel erstreckt sich 34 Kilometer lang in ost-westlicher Richtung von Castrop-Rauxel bis Oberhausen. Wie das hässliche Entlein: Früher insgesamt verbotenes Gelände ist die Emscherinsel bislang nicht gerade touristisch erschlossen und für pittoreske Landschaft bekannt. Nun soll Emscherkunst die Schönheiten der Emscherinsel sichtbar machen: Relikte der Montanindustrie, spärlich bewachsene Brachflächen, wild wuchernde Natur, und jetzt moderne Kunstwerke.

Open-Air-Kunstinstallationen im nördlichen Ruhrgebiet

Auch über das Kulturhauptstadtjahr hinaus soll EMSCHERKUNST.2010 Kunst im öffentlichen Großstadt-Raum präsentieren, versteht sich aber auch als Garten- und Landschaftskunst. Die Emscherkunst-Ausstellung ist in acht Ausstellungsbereiche mit Namen wie Wilde Insel, Herner Meer oder Wasserkreuz auf der Emscherinsel gegliedert (siehe Karte unten. Im Regelfall eignet sich ein Ausstellungsraum ideal für einen 1-2stündigen Spaziergang (Beispiel Ausstellungsraum 6 westlich des Gelsenkircheners Nordsternparks).

Kunst zwischen Emscherkanal und Rhein-Herne-Kanal

Die Kunstwerke sind zwischen Recklinghausen und Oberhausen über die ganze Emscher-Insel verteilt. In jedem der acht Ausstellungsraum stehen ein oder mehrere Kunstwerke. Das heißt: Manche sind da noch gar nicht, sondern werden erst während des Emscherkunst-Sommers geschaffen. 40 Künstler - international renommierte Künstler wie Rita McBride, Jeppe Hein, Monica Bonvicini, Mark Dion, Ayse Erkmen, Olaf Nicolai, Tobias Rehberger oder Tadashi Kawamata und Studenten der Kunstakademie Münster - sind daran beteiligt.

Kulturhauptstadt RUHR.2010: Emscherkunst ist umsonst und draußen

20 Werke unterschiedlichster Art finden sich an Schleusen, im Kanal oder auf Industriebrachen. Es gibt zum Beispiel eine Hobby-Ornithologenstation, einen "singenden" Felsen, ein Community-Garden oder ein wanderndes Kasperletheater.

Im Berne-Park bei Bottrop-Ebel haben sich gleich vier Künstler einer aufgegebenen Kläranlage angenommen: Aus den beiden runden Klärbecken gestalten die Landschaftsarchitekten Piet Oudolf und Eelco Hooftman (GROSS.MAX) begehbare terassenförmige Gärten. Mischa Kuball inszeniert sie mit Lichtobjekten, der Konzeptkünstler Lawrence Weiner installiert den ironischen Schriftzug "Catch as Catch can" im 1950er Jahre-Stil auf dem Dach des ehemaligen Betriebsgebäudes.

Die Außenhülle eines ehemaligen Faulturmes in Herne lenkt den Blick zurück auf die Zeit des Kohlebergbaus: Silke Wagners monumentales Wandmosaik auf 600 Quadratmetern Wandfläche widmet sich Geschichte und Niedergang des Bergbaus - ein Mosaik, das aufgrund der überaus traditionalistischen Verarbeitung des Themas Geschmackssache ist (siehe Fotos unten). Im Inneren des Faulturmes wirft die Videoinstallation "Schlagende Wetter" von M + M auf vier Großleinwänden einen Blick auf den gesellschaftlichen Wandel der Ruhrgebiets-Menschen. Im Herner Meer steht eine klingende Großskulptur der Künstlerarbeitsgemeinschaft Bogomir Ecker/Bülent Kullukcu.

Am Schloss Oberhausen wird bis Herbst 2010 eine Fußgänger- und Fahrradbrücke zur Emscherinsel gebaut: die 406 Meter lange, sich in Schleifen windende Großskulptur von Tobias Rehberger. "Gegenüber", am nordöstlichen Ende der Emscherinsel, steht einen Sommer lang der hölzerne "Aussichtsturm" von Tadashi Kawamata. Viele Kunstwerke laden nicht nur zum Anschauen, sondern zum Mitmachen und Mitgestalten ein.

Die freie Zugänglichkeit wird aber auch zum Problem: Bei Emscherkunst gibt es wie überall im Ruhrgebiet das Problem des Vandalismus - noch vor Eröffnung waren beispielsweise "Fernrohre" von Jeppe Hein zerstört und der Obelisk von Rita McBride angebrannt worden (s. Fotos unten). Wer alles wirklich noch erleben möchte, sollte also lieber heute als morgen hinfahren.

Abenteuer-Quiz für Kinder und Jugendliche

Mit dem Kunstentdecker-Abenteuerquiz entdecken Kinder und Jugendliche EMSCHERKUNST und Emscher-Insel. Das Kunstentdecker-Abenteuerquiz gibt es in drei verschiedenen Touren (jeweils etwa vier Stunden lang), bei dem man für gelöste Aufgaben Stempel sammelt, die im Besucherzentrum im Nordsternpark in Schokogoldtaler umgetauscht werden. Tour 1 geht von Recklinghausen nach Herne und Tour 2 von Herne nach Gelsenkirchen in den Nordsternpark und die dritte Tour vom Gelsenkirchener Nordsternpark nach Oberhausen (Kaisergarten). Das Abenteurspiel Insel-Kunst gibt's mit Spielplan, Aufgaben und Kunstschatzkarte im Internet. Dort gibt es auch Informationen zur dreitägigen Kunstentdeckertour in den Sommerferien, die sich an Acht- bis Zwölfjährige richtet.

Nicht nur an Familien und Kinder, sondern auch an Tierliebhaber, Singles, Kunst- und Theaterfreunde, Wasserratten, Abenteurer, Nachtschwärmer und Reviernostalgiker richten sich die übrigen 14 außergewöhnlichen Emscher-Expeditionen.

Emscherkunst aktuell

"Überbleibsel" der Emscherkunst 2010 sind Heins Fernrohre verstreut über den Park, Eckers/Kullukcus Skulptur am Herner Meer, Wagners Faulturm-Mosaik in Herne (Grenze Recklinghausen), McBrides Obelisk am Nordsternpark und Serras Bramme auf der Essener Schurenbachhalde steht sowieso unverrückbar wie immer (siehe Fotos unten).

Fahrradtouren und Inseltouren mit dem Schiff

Neben Schiff und Auto geht es am besten mit dem Fahrrad in die Emscherkunst: Fahrräder ausleihbar an den Revierrad-Stationen: Museum Strom und Leben (Recklinghausen), Nordsternplatz/Gelsenkirchen, Kaisergarten/Oberhausen. Die Fahrräder können an einer Station geliehen und an einer anderen Revierrad-Station wieder zurückgegeben werden.

2010 pendelte ein Emscherkunst-Schiff auf dem Rhein-Herne-Kanal zwischen Oberhausen und Nordsternpark: Mi, Sa, So, Einstieg/Ausstieg Oberhausen Kaisergarten / Zweigertbrücke Essen / Nordsternpark, eine Strecke 1,5 Stunden). Linienschifffahrt (Kurzstrecke bis Tagesausflug): Herne-Oberhausen, Herne-Henrichenburg (3,5 Stunden).

Emscherkunst 2010 im Internet

Emscherkunst: 29. Mai bis 5.9.2010, täglich durchgehend geöffnet und frei zugänglich. Besucherzentrum im Pumpwerk/Gelsenkirchener Nordsternpark: Parkplatz am Amphitheater, Grothusstraße 201, Richtung Emscherbrücke und blauer Würfel des Pumpwerkes. Tel. 0151-58 88 57 05, geöffnet täglich 10-19 Uhr. Dort gibt es Fahrradkarten, den sehr guten Kurzführer mit Informationen zu Künstlern und Kunstwerken (4,95 €) und Auskunft rund um die Ausstellung und alle Wege.

Zwischen 10-19 Uhr informieren Besucherguides vor Ort über die Kunstwerke. Ein umfangreiches Begleit- und Vermittlungsprogramm (Informations- und Diskussionsrunden mit Künstlern und dem Kurator Florian Matzner, Lesungen, Künstlergespräche et cetera) begleitet die Ausstellung. Ein Katalog erscheint zum Ende der Ausstellung, wenn alle Installationen fertig gestellt sind (28,50 Euro).

Führungen und Touren: Jeden Sonntag kostenlose, anmeldungsfreie Führungen, deren Ziele und Treffpunkte wechseln. Dauer etwa vier Stunden, 10 bis 14 Uhr, Treffpunkt Besucherzentrum Pumpwerk, Nordsternpark Gelsenkirchen. Jeden vierten Sonntag: Führungen in einen Ausstellungsraum. Daneben Rundgänge mit Künstlern und Kurator. Individuelle, kostenpflichtige Führungen können gebucht werden.

Weitere Infos: Flyer zur Emscherkunst. Abenteuerquiz-Touren. Virtuelle Tour über Google-Earth. Kostenloser mobiler Kunstführer als iPhone-App. Internet-TV 2010LAB.