
- StarMoney unter WINE - Eugen Richter
Es gibt immer zwei unterschiedliche Arten der Umsteiger. Die einen wollen erst Linux testen, während man noch weiterhin unter Windows arbeitet. Die anderen wollen so schnell wie möglich so viel wie möglich unter Linux erledigen. Das Ziel dieser Umsteiger ist irgendwann - je früher desto besser - komplett unabhängig von Windows zu werden. Diese Umstiegshilfe spricht in erster Linie die zweite Gruppe an.
Der erste Schritt
Als erstes sollten alle Daten vorsichtshalber auf einem externen Medium gesichert werden - DVD oder Festplatte - bevor man mit der Linux Installation anfängt.
Nun bestehen grundsätzlich zwei Installationsmöglichkeiten:
- Auf dem Rechner wird nur Linux installiert.
- Es wird ein Dual-Boot mit Windows für Spiele eventuell eingerichtet.
Für Linux als alleiniges Betriebssystem gebt es relativ wenig zu beachten, da Linux dabei auf kein anderes Betriebssystem Rücksicht nehmen muss. Man kann hier praktisch nur auf weiter in der Installationsroutine klicken und die Festplattenpartitionierung dem Linux überlassen - komplette Festplatte.
Bei der zweiten Installationsmöglichkeit muss vor dem Linux erst Windows installiert werden, da der Windows Boot loader den von Linux überschreibt und man somit nach der Installation von Windows nur über Rettungs-CDs auf Linux kommt. Bei der Windows-Installation soll auch gleich die Partitionierung - Partition für Windows und freier Platz für Linux - erledigt werden. Damit erspart man sich in der Linux-Installation die zeitaufwendige Verkleinerung der Partitionen.
Ist ein Windows schon installiert und soll auch so verwendet werden, muss entweder bei der Linux-Installation die Verkleinerung der Windows Partition veranlasst werden (manuelle Partitionierung), oder man verwendet eine zweite neue Festplatte - bessere Lösung, insbesondere bei heutigen Festplattenpreisen.
Im Dual-Boot-Betrieb soll Linux als "default"-System gewählt werden. Damit kommt man nicht in Versuchung "zufällig" zum Arbeiten den Windows zu starten. Die Faulheit der Menschen gewinnt dann meistens doch (Neustart) und man arbeitet weiterhin unter Windows.
Notwendige Zwischenlösungen beim Umstieg
Es ist leider immer noch der Fall, dass viel Software nur für Windows geschrieben wird und man zum Teil dadurch gezwungen wird Windows zu benutzen. Diese Programme sollte man aber nicht bei Dual-Boot-Systemen auf Windows installieren. Das führt früher oder später zur Aufgabe von Linux. Ausnahme: Spiele. Die Lösung für Windows-Software läuft in zwei Stufen.
Wenn die Windows-Software sauber programmiert wurde und nicht zu tief direkt auf Hardware zugreift, ist es möglich diese direkt unter Linux auszuführen. Dafür wird der Windows-Emulator WINE verwendet. Dieses Programm bildet die Windows Systemaufrufe auf Linux-Systemaufrufe ab. Unter wine laufen zum Beispiel StarMoney, Adobe Photoshop, Google Picasa.
Wenn wine nicht weiterhilft, bleibt noch die letzte Möglichkeit, Virtualisierung einer kompletten Windows-Installation. Dafür kann entweder der kostenlose VMWare Server - nur eine Registrierung notwendig - verwendet werden, oder mittlerweile bei vielen Distributionen mitgelieferte VirtualBox. Beide Lösungen emulieren einen kompletten PC, auf dem dann Windows installiert wird.Vorsicht: auch hier ist eine gültige Windows Lizenz notwendig. Unter diesen virtuellen Windows können dann die notwendigen Programme installiert werden.
Unter VMWare und VirtualBox können natürlich auch weitere Betriebssysteme installiert und getestet werden. Open Solaris, andere Linux Distribution, BSD-Derivate und andere. Hier muss nur auf ausreichend Festplatten-Platz und Arbeitsspeicher geachtet werden. Ein Minimum von 1GB RAM wird benötigt.
Der Vorteil der Lösung liegt auf der Hand. Man arbeitet weiter mit der Linux Software, beispielsweise OpenOffice, und bracht kein Neustart, um kurz eine Windows Anwendung zu starten. Kopieren und Einfügen aus der Zwischenablage funktioniert hier auch ohne Probleme - Installation der Tools vorausgesetzt.
Unser Ziel ist aber von Windows so weit wie möglich weg zu kommen. Daher gilt immer, zuerst nachsehen, ob die Distribution in den Online-Repositories schon ein Programm hat, das die notwendige Funktionalität mit sich bringt. Wenn nicht, dann ein wenig googln, eventuell gibt es doch noch eine Linux-Software dazu, Open Source, eventuell nicht Open Source oder gekauft werden muss. Das Ausführen einer Windows-Software soll zu einer Ausnahme und zu keiner Regel werden, zum Beispiel einmal pro Jahr die Steuererklärung machen. Je weniger Menschen die Zwischenlösungen nutzen und reine Linux-Anwendungen bevorzugen, desto wahrscheinlicher wird es mit der Zeit, dass die Hersteller deren Software auch auf Linux portieren.
Viel Erfolg beim Umstieg und der Suche nach alternativer Software!
