
- Sommerausklang - awindi, Andreas Hermsdorf, pixelio.de
In diesem Buch geht es um eine Frau in mittleren Alters, die ihr bisheriges Leben Revue passieren lässt und ein wenig die Orientierung verloren hat. Johanna ist verheiratet mit Achim, sie haben eine gemeinsame Tochter Laura. Die Familie wohnt in Ost-Berlin, hat sich aber vor einiger Zeit ein Sommerhaus in Basekow gekauft. Ein Schnäppchen, allerdings war viel daran zu renovieren. In der DDR kein leichtes Unterfangen. Mit viel Improvisationstalent wurde dieses Haus wieder instandgesetzt. Die Familie, besonders Johanna, entwickelt eine besondere Beziehung zu diesem Ort. Der Erwerb des Hauses fiel mit dem Tod ihrer damaligen Freundin Irene zusammen.
Alltag in Ost-Berlin
Irene war eine Schulfreundin Johannas aus der Grundschulzeit. Eine kranke schüchterne Person und sie hatte nur zu Johanna Kontakt. Irene lebt mit Ende dreißig noch immer bei ihrer Mutter, da sie es nie gewagt hatte, eine Beziehung einzugehen. In dem Sommer, als Johanna und Achim das Haus in Basekow erwarben, starb Irene. Johannas Erinnerungen an Irene sind untrennbar mit dem Erwerb des Hauses in Basekow verbunden.
Johanna ist Autorin von Vor- und Nachworten und insbesondere beschäftigt sie sich mit dem Erstellen von Biografien berühmter Personen. Sie hat mit Elli eine beste Freundin und mit ihr führt sie die Art von Gesprächen, die sie eigentlich mit ihrem Mann Achim führen möchte. Achim arbeitet an seiner Arbeit über Kleist, dass ihn absolut gefangen nimmt. Er ist wie besessen von seinem Projekt, allerdings kommt er nicht so recht voran.
Auszeit im Sommerhaus
Johanna geht nach Basekow um ihre Biografie über Wilhelmine Enke oder Gräfin Lichtenau zu schreiben. Sie fühlt sich Wilhelmine, deren Leben Parallelen zu ihrem eigenen aufweist, sehr verbunden. Seit einem Jahr ist sie mit dieser Aufgabe beschäftigt aber in Berlin hatte sie den Kopf dafür nicht frei. In Basekow angekommen sind diese Gefühle der Verbundenheit verschwunden und sie kommt auch hier nicht so recht weiter mit ihrer Arbeit.
Zudem hadert sie mit dem Altwerden. Ihre Angewohnheit, geheime Botschaften in den Biografien zu verstecken hat sie eingestellt.
Vergangenheit oder Zukunft
Ihr fällt der gemeinsame Freund Christian P. ein. Sie schreibt ihm einen Brief und es entspinnt sich ein angeregter Briefwechsel. Sie bekommt Antwort auf ihren Brief als auch auf die vielen offenen Fragen ihres Lebens. Sie tauschen sich über das Alter aus, ab wann man denn nun alt sei und über das was sie bisher erlebt haben. Ihr macht vor allem zu schaffen, darauf zu warten, "dass ihr eigentliches Leben eines Tages noch beginnt." Und sie befällt die "Furcht, es könnte schon wieder vorbei sein mit dem eigentlichen Leben, weil es zu spät angefangen hat, weil wir gar nicht mehr dran sind mit dem richtigen Leben..."
Die Briefe von und an Christian P. erhellen ihren Tag und sie sehnt sich nach ihm. Wünscht sich Nähe, Geborgenheit, die sie von ihrem Mann so nicht oder nicht mehr bekommt. Träumt sich in eine schöne Geschichte die sein könnte aber nicht sein darf.
Sein letzter Brief gibt ihr zu denken. Ihrer Ansicht, "die einzige natürliche Leidenschaft des Alterns seien Enkelkinder" widerspricht er. Er wirft ihr sogar vor, in jedem Brief fünf Jahre älter zu werden. Sein Vorschlag: sie solle nach Hause fahren und sich wieder verjüngen...
Aufbruch zu neuen Ufern
Ein Ereignis zum Ende des Buches reißt sie aus ihrer Lethargie. Sie bekommt Besuch von Igor, dem Freund einer Freundin, die sie beide kurz zuvor besucht hatte. Sie essen zusammen und eigentlich möchte sie, dass er wieder fährt. Er will aber nicht. Und ganz direkt, quasi ohne Umschweife kommt es zum Ehebruch. Johanna betrügt Achim mit Igor. Sie scheint dieses körperliche Ereignis zu brauchen um aus ihrer Lethargie auszubrechen und wieder in ihr Leben einzusteigen.
Sie schreibt einen letzten Brief an Christian P. und teilt ihm mit, dass sie wieder nach Hause fährt und ihr Leben leben wird. Auf der Rückfahrt nach Berlin liest sie am Straßenrand einen ausgesetzten Hund auf und nimmt ihn mit. Ein neuer Anfang.
Die Autorin und ihr Buch
Ein stilistisch gelungenes Buch. Monika Maron versteht es, den Leser gefangen zu nehmen, ihn so fühlen zu lassen, wie es der Protagonistin gerade ergeht. Die Identifikation mit der Hauptfigur gelingt leicht. Trotzdem liest es sich etwas langatmig und man vermisst den Zusammenhang. Die Randfiguren werden ausführlich und in ihrem Alltag beschrieben aber es fällt einem schwer, der Handlung zu folgen. Teilweise hat man den Eindruck, die eine Begebenheit hat mit der anderen nichts mehr zu tun.
Das Kernstück dieses Romans ist der Briefwechsel mit Christian P., da er genau das wiedergibt was Johanna fühlt und um dieses Gefühlschaos geht es doch letztendlich. Es ist die Frage, ob man in der Mitte seines Lebens alles so für sich erreicht hat, wie man es vorhatte. Und oft ist die Antwort nein. Man hat es nicht so erreicht, wie geplant. Diese These, dieser Briefwechsel hätte noch ausführlicher sein können.
Ein Buch, das ein wenig den Faden vermissen lässt und mit einem offenen Ende schließt. Von der Sprache her aber recht lesenswert.
Monika Maron ist 1941 geboren und wuchs in der DDR auf. Nach dem Abitur und einem Job als Fräser in einem Industriebetrieb nahm sie ein Studium auf und gelangte dann später zur Schriftstellerei. Ihr erster Roman "Flugasche" durfte in der DDR nicht erscheinen. Im Fischer Verlag fand sie einen Herausgeber und heimste dann viele Preise, u. a. den Kleist-Preis ein. Sie veröffentlichte noch viele andere Romane und Essays.
Endmoränen, Roman von Monika Maron, veröffentlicht im Fischer Taschenbuchverlag, einem Unternehmen der S.Fischer Verlag GmbH, limitierte Sonderausgabe, Frankfurt am Main, Juni 2005, ISBN-3-596-50891-6, 6,00 €
Quellen: www.perlentaucher.de, www.fischerverlage.de
